# taz.de -- Schulstart mit Berlins Bildungssenatorin: Die Penne ruft
> Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) hat die Entwicklungen im
> kommenden Schuljahr vorgestellt. Sie betreffen mehr als 400.000
> Schüler*innen.
(IMG) Bild: Eröffnet das Schuljahr 2026/27: Katharina Günther-Wünsch (CDU)
Fast 36.000 Kinder werden am kommenden Samstag in Berlin eingeschult. Kurz
vor Beginn des neuen Schuljahres an diesem Montag hat Bildungssenatorin
Katharina Günther-Wünsch (CDU) die aktuellen Zahlen vorgestellt. Die
Gesamtzahl der Schüler*innen bleibt weiterhin auf einem Höchststand:
Über 400.000 werden im kommenden Schuljahr an öffentlichen und privaten
Schulen in Berlin unterrichtet.
Für rund 24.000 von ihnen fehlen dabei eigentlich weiterhin die Plätze,
auch wenn im vergangenen Jahr erstmals ein Rückgang des Defizits
verzeichnet werden konnte. Die Berliner Schulbauoffensive arbeitet seit
2016 daran, neue Schulen zu schaffen. Im letzten Schuljahr wurden vier
integrierte Sekundarschulen, drei Grundschulen, [1][eine
Gemeinschaftsschule] und ein Gymnasium gebaut. Auch im kommenden Schuljahr
sind Bauten geplant: Fünf Grundschulen und ein Gymnasium sollen entstehen,
2,8 Milliarden Euro stehen dafür bereit.
Den Schulbau hält Günther-Wünsch trotz des aktuellen Geburtenrückgangs für
notwendig. „Es ist der vollkommen falsche Zeitpunkt, darüber zu reden, ob
man weniger Schulen baut“, sagte die Senatorin am Freitag. Bis 2030
erwartet sie einen weiteren Anstieg der Zahlen. „Dann sollten wir ein
Plateau erreicht haben und kommen hoffentlich in die Situation, die
übervollen Klassenzimmer zu entzerren“, sagte sie. Angestrebt werde eine
Klassenstärke von 20 Schüler*innen.
In den Kitas ist der Geburtenrückgang dagegen bereits spürbar. Mit dem
Willkommensgutschein, der ab September ausgestellt wird, will die Senatorin
einen Anreiz für Eltern schaffen, ihre Kinder in die Kita zu geben. Alle
Kinder sollten bestenfalls vor der Schuleinführung eine Kita besucht haben,
so Günther-Wünsch. Das fördere auch die Sozialkompetenzen und die
Kommunikation. „Die Kita bietet neben Unterstützung und Förderung eine
Vorbereitung auf die Schule“, sagte die Senatorin. Der Gutschein gilt für
alle Kinder, die in diesem Jahr drei Jahre alt werden.
## 63 Prozent Verbeamtung
590 neue Lehrkräfte werden zum Schuljahresbeginn eingestellt. [2][Trotzdem
fehlen momentan noch 500 Vollzeitstellen.] Günther-Wünsch ist aber
zuversichtlich, dass auch dieses Ziel bald erreicht werden kann: „Wir
können momentan jeder Kollegin und jedem Kollegen eine Verbeamtung in
Aussicht stellen. Das sorgt dafür, dass wir kontinuierlich in diesem
Bereich anwachsen.“ Die Verbeamtung war 2022 nach 20 Jahren Pause in Berlin
als letztem Bundesland wieder eingeführt worden. 63 Prozent aller
Lehrkräfte sind aktuell verbeamtet, 37 Prozent nach Tarif angestellt.
Die Strategie zur Steigerung der Bildungsqualität im Land Berlin, die Ende
letzten Jahres vorgestellt wurde, soll im kommenden Schuljahr erstmals
vollumfänglich umgesetzt werden. Der Fokus liegt dabei auf der
datengestützten Schulentwicklung. Die Qualität von Unterricht und Bildung
soll so auf Basis von erhobenen Daten verbessert werden.
Als Instrumente zur Erhebung der Kompetenzen von Schüler*innen sind die
Verfahren VERA 3 und VERA 8 etabliert. Die beiden Vergleichsarbeiten werden
standardmäßig an allen Berliner Schulen in der dritten und achten Klasse
durchgeführt, um den Wissensstand der Schüler*innen abzufragen. Neu
hinzugekommen sind nun Wiederholungstests, die ein Jahr später in der
vierten und neunten Klasse durchgeführt werden sollen. Im kommenden
Schuljahr werden sie erstmals durchgeführt, um den Fortschrittsverlauf
festzustellen.
## Digitaler Schülerausweis
Neuerungen soll es auch beim Thema Digitalisierung geben: Die digitale
Plattform „Berliner Schulportal“ wird ausgebaut. Eingeführt werden soll
außerdem das digitale Klassenbuch, in dem Anwesenheit, besondere
Vorkommnisse und Leistungen der Schüler*innen festgehalten werden
können. Die Einführung eines digitalen Schülerausweises wird aktuell an
zehn Pilotschulen erprobt. „Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern
macht dort den Unterschied, wo sie Qualität stärkt und Bildungskräfte
entlastet“, erklärt die Senatorin die Pilotierung vor einer Einführung an
allen Schulen.
Auch das Thema Künstliche Intelligenz erhält Einzug an den Schulen: „KI
birgt nicht nur Risiken, sondern auch Chancen“, so Günther-Wünsch. Um eine
sichere Nutzung zu gewährleisten, steht den Lehrkräften seit Mai 2026 ein
eigens entwickelter Chatbot zur Verfügung. AIS.chat ist über das Berliner
Schulportal zu erreichen und kann so rechtssicher genutzt werden.
21 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Bildungsgerechtigkeit-in-Berlin/!6159379
(DIR) [2] /Berliner-Bildungssystem/!6205264
## AUTOREN
(DIR) Anna Simbürger
## TAGS
(DIR) Schulstart
(DIR) Bildungspolitik
(DIR) Grundschule
(DIR) Gymnasium
(DIR) Schwerpunkt AfD
(DIR) Bildungschancen
(DIR) Gemeinschaftsschule
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Bildungspolitik der AfD: Die blaue Verführung
Die AfD wirbt unter anderem für eine Aufweichung der Schulpflicht.
Kurzfristig könne sie ihre Bildungsprogrammatik aber nicht realisieren, so
das Fazit einer Studie.
(DIR) Klimaanpassung an Schulen: Grüne Utopie, graue Finanzierungsaussichten
Die Folgen des Klimawandels belasten die Schulen. Nun beginnt in vielen
Bundesländern wieder der Unterricht. Fühlen sich die Schulen vorbereitet?
(DIR) Bildungsgerechtigkeit in Berlin: Die Schule, die nicht aussortiert
Gemeinschaftsschulen wollen in Berlin die enge Verknüpfung von
Bildungserfolg und Herkunft aufbrechen. Grüne und Linke drängen auf
deutlichen Ausbau.