# taz.de -- Bundeswehr und „Kinda chic“-Trend: Kind of peinlich
       
       > Das Verteidigungsministerium versucht, mit dem „Kinda chic“-Trend junge
       > Menschen für die Bundeswehr zu gewinnen. Das riecht nach Verzweiflung.
       
 (IMG) Bild: Ein Versuch, hip zu sein – cool!
       
       Das Wort chic ist abgenutzt. Erst waren es edgy Looks, die als chic galten,
       jetzt sind es schon Banalitäten wie Schneidebretter mit Tomatenprint und
       Toastbrot. Ein Social-Media-Trend hat „kinda chic“, also „irgendwie
       schick“, zum Ausdruck der Stunde gemacht. Und während die meisten User
       bereits gelangweilt sind von der inflationären Nutzung, kommen andere
       gerade erst auf den Geschmack.
       
       Das deutsche Verteidigungsministerium zum Beispiel. So scheint neuerdings
       auch Krieg eine schicke Angelegenheit zu sein. Mit dem Trend will das
       Ministerium Kämpfen, Feldküche und Sterben fürs Vaterland instagramable
       machen. Das zeigt nur eines: Für Propagandazwecke ist mittlerweile jedes
       Mittel recht. [1][Junge Menschen haben keinen Bock auf den Bund], deshalb
       müssen Memes herhalten, um mit der Zielgruppe Kontakt aufzunehmen. Und das
       ist nicht kinda chic, sondern kinda ziemlich peinlich.
       
       Vor zwei Tagen veröffentlichte das deutsche Verteidigungsministerium
       [2][einen Instagram-Post], bei dem es heißt: „Kind of chic, die
       NATO-Ostflanke zu verteidigen“, über einem Bild von zwei jungen Soldaten
       auf einem Panzer. Einmal weiterwischen und es heißt: „Kind of chic, deine
       Spaghetti aus dem Pickpott zu essen.“ Rußverschmiert sitzen sie auf einem
       Baumstamm und schlürfen Nudeln. Der Post ist markiert mit der Aufschrift
       „KI-Inhalte“.
       
       Wer im Social-Media-Team der Bundeswehr dachte, dass die nonchalante
       Kommunikationsstrategie erfolgreich sein würde, muss bitter enttäuscht
       sein. Denn die Zielgruppe, die als Kanonenfutter angeworben werden sollte,
       antwortet in den Kommentaren eindeutig: „Kinda chic, erst ausgelacht und
       politisch ignoriert zu werden, um dann gegen die eigenen Interessen in den
       Krieg zu ziehen“, „Kinda chic, von einer Drohne zerfetzt zu werden“, oder
       auch „Kinda chic, an derselben Front wie Opi zu verrecken“.
       
       ## Kriegspropaganda im Jugendlingo
       
       Woher kommt der Trend, den sich die Bundeswehr hier zu eigen machen wollte?
       Es geht hier nicht um das deutsche, ruppige „schick“ mit kurzem „i“,
       sondern um das französische „chic“ mit seinem eleganten, langen „i“. Über
       das Englische wurde es zur Social-Media-Vokabel. Sie soll eine gewisse
       Ästhetik beschreiben, die vor allem der Girlie- und It-Girl-Sphäre
       zuzuordnen ist.
       
       Chic sein, ist die Kunst, möglichst elegant auszusehen, ohne so zu wirken,
       als hätte man sich dafür sonderlich angestrengt. Chic darf ein bisschen
       messy sein: starkes Make-up, Tattoos, Zigaretten, solche Dinge.
       Entscheidend ist die Haltung: selbstbewusst, lässig, unangestrengt, cool.
       Chic ist eine Ästhetik der mühelosen Überzeugungskraft. Sie lebt vom
       „gewissen Etwas“, von dem, was man nicht herstellen kann. Man hat es oder
       man hat es nicht.
       
       Kriegspropaganda hat nichts davon. Mal ganz abgesehen davon, dass die
       Sprache, mit der man Toastbrot ästhetisch überhöht, denkbar ungeeignet ist,
       um jungen Menschen den Krieg schmackhaft zu machen. Auch die Israeli
       Defence Forces (IDF) nutzte den Trend, um auf [3][ihren
       Social-Media-Kanälen] für ihre Zwecke zu werben.
       
       Dass die junge Generation nicht für Krieg zu haben ist, war aber auch
       vorher schon klar. [4][Über ein Viertel der jungen Männer ignoriert die
       Briefe der Bundeswehr], und die „Jugendtrendstudie 2025“ hob hervor, dass
       81 Prozent der sogenannten Gen Z nicht bereit sind, für ihr Land zu
       sterben. 69 Prozent sagten auch, sie wären nicht bereit, ihr Land mit der
       Waffe zu verteidigen. Wer darauf mit Kriegspropaganda im vermeintlichen
       Jugendlingo reagiert, performt keine Chicness, sondern Verzweiflung.
       
       20 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
 (DIR) Giorgia Grimaldi
       
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