# taz.de -- Israel im Südlibanon: Neue Panik und Tausende auf der Flucht
       
       > Israel hat die Angriffe in Libanon verstärkt, 11 Menschen wurden getötet.
       > Es ist die schärfste Eskalation seit dem im Juni verkündeten
       > Waffenstillstand.
       
 (IMG) Bild: Israel bombardiert erneut Städte in Südlibanon
       
       Die Sonne war noch nicht aufgegangen, die Familie Nassereddine lag in ihren
       Betten und schlief, als eine israelische Bombe ihr Haus traf und sie alle
       tötete. Der Angriff traf am Samstag [1][das Familienhaus] im Dorf Ansar in
       Südlibanon. Dabei gilt eigentlich eine Waffenruhe.
       
       Der Tod der Familie hat in Libanon viel Aufmerksamkeit erregt. Die Mutter
       Zainab Nassereddine war eine bekannte Dichterin und Übesetzerin von
       französischen Klassikern ins Arabische. Sie stammte aus einer
       Künstlerfamilie. Ihr Vater Mahdi Nassereddine ist Herausgeber
       traditioneller Texte, ihre Brüder sind Künstler und Dichter. Ihren Mann
       allerdings, Ali Samir al-Hajj Hassan, hat Israel als Kommandeur der
       Al-Radwan-Truppe der Hisbollah-Miliz identifiziert.
       
       Die beiden hatten vier Kinder: Hussein, Zahra, Abbas und Hassan. Zainabs
       Bruder Hussein Nassereddine [2][postete] Fotos der Kinder auf Instagram:
       Beim Basketballspielen, beim Grillen, auf dem Balkon mit einem grauen
       Papagei in einem Käfig. „Israel hat sie alle getötet“, schrieb er darunter,
       „auch ihren Papagei Coucou.“
       
       „Wir haben Überreste von Kindern im Pool gefunden!“, sagt [3][]der Nachbar
       Mohamed Saab fassungslos in einem Video. Er hat ein Gästehaus mit Pool,
       dessen Beckenrand voller Staub vom Angriff ist. „Was haben wir hier, dass
       wir das verdienen?“, fragt [4][er.]
       
       ## Viele bangen, dass die Angriffe sich verstärken
       
       Die Luftangriffe lösten neue Panik aus. Tausende Menschen flohen in der
       Gegend um Nabatija erneut aus ihren Häusern. Auf der Autobahn in Richtung
       Norden stauten sich die Autos mit den Vertriebenen. Für viele ist es die
       dritte oder vierte Flucht seit Beginn des Krieges im Oktober 2023. Dabei
       waren sie gerade erst zurückgekehrt.
       
       Mitte Juni hatten Israel und Libanon einen bilateralen Waffenstillstand
       verkündet. Nach zwei Kriegsphasen und insgesamt über 8.000 Toten in Libanon
       konnten damals zumindest einige Menschen aus dem Süden zurückkehren – vor
       allem um die Stadt Nabatija. Über 300.000 Menschen konnten nicht zurück,
       weil Israel über 60 Grenzdörfer in Südlibanon weiter besetzt und zerstört.
       Die neue Eskalation in Regionen, die als relativ sicher vor Angriffen
       galten, lässt viele bangen, dass Israel es dabei nicht belassen wird. Mit
       Angst blicken die Libanes*innen auf die anstehenden Wahlen in Israel.
       Sie befürchten, dass Israels Regierung durch Gewalt in Libanon
       Wähler*innen gewinnen möchte.
       
       Entsprechend ist die Rhetorik der israelischen Regierung: „Man muss in
       Libanon die Spielregeln brechen, Beirut bombardieren und sie zerschlagen“,
       [5][sagte] Israels ultrarechter Minister für nationale Sicherheit, Itamar
       Ben-Gvir, am Sonntag im israelischen Radiosender Darom. Er forderte eine
       deutliche Eskalation der israelischen Angriffe in Libanon.
       
       Bombardierungen, Explosionen und Artilleriebeschuss gehen vor allem um den
       Ali-al-Taher-Gebirgsrücken weiter. Dort hat die von Iran unterstützte
       Hisbollah-Miliz ein Tunnelsystem gebaut. Für Israels Armee würde die
       Einnahme von Ali al-Taher die Einnahme des gesamten Gebiets bedeuten. Sie
       möchte das Gebiet einnehmen, trotz Waffenstillstand.
       
       ## Leidtragend ist die Zivilbevölkerung
       
       Weil die Kämpfe rund um Ali al-Taher die achte Runde bilateraler Gespräche
       gefährden, soll Washington darauf gedrängt haben, israelische Angriffe
       einzustellen. Der Hisbollah wurde angeboten, ihre Stellungen zu räumen und
       an die libanesische Armee zu übergeben. Doch die Hisbollah lehnt das ab,
       [6][sagten] Abgeordnete der Partei am Dienstag. Die Miliz fürchtet, das
       libanesische Militär könne das Gebiet vor einer möglichen Besatzung nicht
       verteidigen.
       
       Das bilaterale Abkommen aus dem Juni sieht vor, dass Israel die Besatzung
       in Südlibanon schrittweise beendet. Die Hisbollah soll ihre Waffen und
       Stellungen an Libanons Armee abgeben. Beide Seiten weigern sich.
       
       Leidtragend ist die Zivilbevölkerung. „Die Bewohner der Grenzdörfer sind
       seit drei Jahren vertrieben und gezwungen, von Haus zu Haus zu ziehen“,
       sagte Tarek Mazraani vom Verband der Einwohner*innen der Grenzdörfer,
       der taz. „Unsere Vertriebenen leiden unter Belastungen durch monatliche
       Mieten und Ausgaben, ohne Arbeit oder Einkommen zu haben.“ Eine Rückkehr
       sei nicht in Sicht, im Gegenteil: „Täglich werden Häuser zerstört, Gebäude
       mit Sprengfallen versehen und gesprengt, landwirtschaftliche Flächen
       abgebrannt.“ Mit der neuen Eskalation sind nun noch mehr Menschen
       vertrieben.
       
       Libanon läuft zudem Gefahr, erneut zum Schauplatz im USA-Iran-Krieg zu
       werden. Parallel zu Israels Eskalation in Südlibanon ist auch die
       60-Tage-Frist der Waffenruhe zwischen den USA und Iran zu Ende gegangen.
       Das Abkommen hatten die USA zwar in den ersten Wochen durch Angriffe
       zunichtegemacht, doch nun sagte US-Präsident Donald Trump, er habe es
       „nicht eilig“, den Krieg mit Iran zu beenden.
       
       Am Dienstag postete er eine Karte, auf der er die Straße von Hormus als
       „US-Territorium“ markiert hatte. Iran wiederum droht mit einer stärkeren
       Eskalation, sollte die USA ihre Versprechen aus dem Abkommen nicht wahr
       machen und Sanktionen gegen Iran erleichtern. Mit Blick auf Libanon soll
       Iran überlegen, der Hisbollah mit möglichen Angriffen gegen Israel
       beizustehen.
       
       18 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.instagram.com/reel/DcDtLfIDFnh/
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 (DIR) [6] https://today.lorientlejour.com/article/1544874/hezbollah-will-not-abandon-ali-taher-hill-mp-vows.html
       
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 (DIR) Julia Neumann
       
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