# taz.de -- Fährunglück in Simbabwe: Am Rand der Straße verfaulen die Toten
       
       > Ein Fährunglück auf dem Karibasee zwischen Simbabwe und Sambia fordert
       > mindestens 92 Tote. Opposition und Anwohner kritisieren die Regierung.
       
 (IMG) Bild: 92 Tote wurden bisher nach dem Kentern der Fähre „Mbuya Nehanda“ auf dem Karibasee im Norden Simbabwes geborgen
       
       Die Todeszahlen steigen, zahlreiche Menschen werden noch vermisst. Bis
       Sonntagabend sind 92 Tote aus dem [1][Karibasee] an der Grenze zwischen
       Simbabwe und Sambia geborgen worden, nach dem Sinken des Passagierschiffs
       „Mbuya Nehanda“ am vergangenen Dienstag. Taucher suchen immer noch in 90
       Meter Tiefe im kalten Wasser nach ermissten.
       
       Die gesunkende Fähre „[2][Mbuya Nehanda]“ ist nach einer antikolonialen
       Widerstandskämpferin des 19. Jahrhunderts benannt. Ihre Havarie ist eines
       der schlimmsten Unglücke in der Geschichte der Region. Der Karibasee liegt
       gut 350 Kilometer nördlich der simbabwischen Hauptstadt Harare am
       Sambesi-Fluss oberhalb [3][einer Talsperre] aus britischer
       Kolonialherrschaft, und mit einer Länge von 223 Kilometern auf bis zu 40
       Kilometern Breite ist er vom Volumen her das größte künstlich geschaffene
       Gewässer der Welt.
       
       Politiker reisten am Wochenende an die Unglücksstelle, aber die Besuche
       waren von Kontroversen gezeichnet. Die Abgeordnete Mutsa Murombedzi stellte
       fest, dass die Straße von der Stadt Kariba in den Ort Mola, aus dem die
       meisten Toten stammen, lang und schlecht ist.
       
       „Am Wegesrand verfaulen die Leichen nach mehreren Tagen im Wasser“,
       berichtete sie. Manche Toten würden nach Kariba transportiert und dort
       beigesetzt, weit weg von ihren Angehörigen, kritisierte sie: „Wir rufen den
       Staat auf, Hubschrauber zu schicken, damit die Opfer transportiert werden
       können und dort beigesetzt werden, wo sie hingehören, in Respekt, Tradition
       und Würde.“
       
       ## 100 US-Dollar von der Regierung
       
       Die Bevölkerung der Region war wütend, als sie sah, wie
       Regierungsangehörige in Luxusautos und edler Kleidung eintrafen, statt für
       die Menschen vor Ort etwas zu tun. Für jedes Opfer des Unglücks, sowohl
       Tote als auch die nächsten Angehörigen, gibt es von der Regierung 100
       US-Dollar, kündigte Rodwell Mtetwa an, Entwicklungskoordinator des
       Distrikts Kariba und Vorsitzender des lokalen Zivilschutzes.
       
       Ein „Witz“ und eine „Beleidigung trauernder Familien“ sei dies, sagte Jacob
       Ngarivhume, Anführer der christlichen Oppositionsgruppe Transform Zimbabwe.
       „Jede Hilfe ist willkommen, aber die 100 Dollar sind nichts gegen die
       Millionen, die an Promis, Pastoren und Personen mit guten Connections
       gehen.“ Er meinte damit den umstrittenen Geschäftsmann Wicknell Chivhayo,
       eng mit Simbabwes Regierungspartei Zanu-PF (Zimbabwe African National
       Union-Patriotic Front), verbunden, der seit zwei Jahren Luxusautos an
       Oppositionspolitiker, Kirchenführer, Musiker, Sicherheitsoffizielle und
       Prominente verschenkt, damit sie regierungsfreundlicher sind.
       
       Am vergangenen Sonntag war Chivhayo zusammen mit Simbabwes Präsident
       Emmerson Mnangagwa in bester Stimmung auf einer Konferenz der
       Masowe-Pfingstkirche zu sehen, bevor Mnangagwa nach Südafrika aufbrach. Ein
       Sprecher des Präsidenten nannte Kritiker Mnangagwas jetzt „eine Kakophonie
       von Pseudoexperten mit ihrer unerwünschten Expertise“ und forderte:
       „Tragödien sollten uns in Barmherzigkeit und Verantwortung vereinen, statt
       uns durch politische Schuldzuweisungen und Spekulationen zu spalten.“
       
       Der Präsident hatte zuvor den Notstand ausgerufen, um die Finanzierung der
       Rettungsarbeiten im Karibasee sicherzustellen und die Krankenhausrechnungen
       der Überlebenden sowie die Unterbringung von Angehörigen der Toten zu
       bezahlen.
       
       ## Kein Geld zur Reparatur der Fähre
       
       Jameson Timba, ehemaliger Minister und Mitglied des Oppositionsbündnisses
       CCC (Citizens Coalition for Change), wies darauf hin, dass die gesunkene
       Fähre für 40.000 US-Dollar hätte repariert werden müssen, aber dies sei
       nicht getan worden. „Das ist weniger als der Preis eines einzigen Toyota
       Fortuner, wie ihn Abgeordnete erhalten haben, um für [4][die jüngste
       Verfassungsänderung CAB3] zu stimmen“, sagte er.
       
       CAB3 steht für das kontroverse Gesetz „Constitution of Zimbabwe Amendment
       (No. 3) Act“, das die Direktwahl des Präsidenten durch das Volk abschafft
       und seine laufende Amtszeit verlängert. „Vielleicht hätten Menschenleben
       gerettet werden können, wenn die öffentliche Sicherheit und essenzielle
       Infrastruktur Vorrang vor politischer Patronage hätten“, so Timba. Erst im
       vergangenen Monat war im Verkehrsausschuss des Parlaments die
       Unterfinanzierung der Wasserwege Simbabwes und in ihrer Infrastruktur ein
       Thema. In diesen Bereich fließen nur 3 Prozent des Verkehrsetats.
       
       Das gesunkene Schiff „Mubaya Nehanda“ war die einzige Direktverbindung aus
       der Stadt Kariba in die entlegenen Dörfer am Seeufer. 90 Passagiere waren
       zugelassen, aber Berichten zufolge waren bis zu 153 Menschen an Bord, als
       es sank. Der Kapitän ignorierte offenbar auf seiner 45 Kilometer langen
       Strecke, die 5 Stunden dauern sollte, die starken Winde, die das Schiff
       schließlich kentern ließen. Das älteste Opfer war 61 Jahre alt, das jüngste
       ein einjähriges Baby.
       
       „Die kleinsten Särge sind am schwersten zu tragen“, sagte Parlamentarierin
       Mutsa Murombedzi bei der Beerdigung eines vierjährigen Kindes. „Überall
       gibt es Beerdigungen. An jeder Ecke stößt man auf Särge. Das Leiden hier
       ist so schwer.“
       
       17 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://en.wikipedia.org/wiki/Lake_Kariba
 (DIR) [2] https://en.wikipedia.org/wiki/Nehanda_Charwe_Nyakasikana
 (DIR) [3] /Energienotstand-im-suedlichen-Afrika/!5906227
 (DIR) [4] /Nach-Verfassungsaenderung-in-Simbabwe/!6197871
       
       ## AUTOREN
       
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