# taz.de -- Brasiliens fossile Wirtschaft: Ölfund im Amazonasbecken
> Der Erdölkonzern Petrobras hat neue Erdölvorkommen gefunden. Brasiliens
> Präsident Lula da Silva feiert den Fund als Garant für mehr Souveränität.
(IMG) Bild: Ölverschmiert: „Das hier ist unser Pass in die Zukunft“, jubelt Präsident Lula da Silva im brasilianischen Amapá
Jetzt ist es offiziell: „Wir haben Öl gefunden“, verkündete die Vorsitzende
des halbstaatlichen Erdölkonzerns Petrobras, Magda Chambriard, am Montag
bei einem Treffen mit dem [1][brasilianischen Präsidenten Lula da Silva].
Schon am Freitag waren erste Verdachtsmomente entstanden. Am Montag war der
Staatschef selbst in den äußersten Norden Brasiliens nach Amapá gereist, um
sich die Sache auf dem Sondenboot „NS 42“ anzusehen.
„Das hier ist unser Pass in die Zukunft“, jubelte der Präsident mit
ölverschmierten Händen. Er verglich den Fund mit den riesigen Vorkommen im
Présal, die gegen Ende seiner ersten Amtszeit entdeckt wurden. Brasilien
könne sogar den USA Erdöl anbieten, falls sie den Hormus-Kanal wieder
schließen wollten, sagt Lula weiterhin. Noch sei nicht abzusehen, welche
Mengen an Erdöl in mehr als 2.800 Metern Tiefe vorhanden seien,
[2][wiegelte hingegen die Petrobras-Vorsitzende gegenüber der Tageszeitung
Folha de São Paulo] ab.
Fündig geworden ist das Unternehmen im Bohrloch Morph, an dem im Januar bei
einem Unfall bis zu 18.000 Liter Bohrflüssigkeit ausgelaufen waren.
Daraufhin wurden die Bohrungen für 30 Tage unterbrochen. Die endgültige
Tiefe von Morph soll erst in zwei Wochen erreicht sein.
Petrobras hat in der Region des sogenannten Blocks 59 außerdem
Genehmigungen für Testbohrungen an drei weiteren Stellen beantragt. Diese
seien notwendig, um das gesamte Ausmaß des Vorkommens einschätzen zu
können. Die Umweltbehörde Ibama lehnt weitere Bohrungen nicht kategorisch
ab, verlangt aber zusätzliche Daten, um über die Anträge zu entscheiden.
## Brasilien soll Top-Erdölproduzent bleiben
Brasilien produziert zurzeit 80 Prozent seines Erdöls im Présal, wo
voraussichtlich gegen 2035 die Spitzenproduktion erreicht sein wird. Danach
brauche das Land neue Reserven, um den Rankingplatz [3][als einer der zehn
größten Erdölproduzenten der Welt] nicht zu verlieren, so die
Petrobras-Chefin. Zur geplanten Energiewende und der Abkehr von den
Fossilen sagte Lula: „Ich verleugne meinen Kampf nicht, dass wir eines
Tages keine fossilen Brennstoffe mehr brauchen. Brasilien wird weiterhin
ein Land der Innovation bei Biotreibstoffen sein.“
Doch momentan steht das Öl im Vordergrund. Der Minister für Energie und
Bergbau, Alexandre Silveira, nennt den Fund eine „historische Entdeckung“,
einen wichtigen Schritt Brasiliens auf dem Weg zur Energiesouveränität.
Lula stellt das Vorkommen sogar als Garant für die Souveränität des Landes
hin: „Ein Land, das Öl in dieser Qualität hat, wird niemandem erlauben,
sich einzumischen“, sagte er und versprach, Kritiken vorwegnehmend: „Wir
kümmern uns weiterhin um die Umwelt.“
Wissenschaftler haben kürzlich errechnet, dass bei einem eventuellen Unfall
ausfließendes Öl entgegen der Angaben des Konzerns durchaus die
brasilianische Küste erreichen würden. Soziale Folgen sind jetzt schon
spürbar: [4][Die BBC zeigte bereits zu Beginn des Jahres,] wie
Immobilienspekulation und ungeordnete Besiedlung in der dem Bohrgebiet am
nächsten gelegenen Stadt Oiapoque zugenommen haben.
18 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Wahlkampfauftakt-in-Brasilien/!6204952
(DIR) [2] https://www1.folha.uol.com.br/mercado/2026/08/tem-petroleo-mas-nao-sabemos-quanto-diz-presidente-da-petrobras-sobre-descoberta-na-foz-do-amazonas.shtml
(DIR) [3] /Treffen-gegen-Brasiliens-Oelplaene/!6202913
(DIR) [4] https://www.bbc.com/portuguese/articles/c4g64x5qj4xo
## AUTOREN
(DIR) Christine Wollowski
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