# taz.de -- Nach 10 Jahren Pause: In Amazonasregion soll wieder nach Öl gebohrt werden
> Brasiliens Präsident Lula hat Ölbohrungen im Amazonasbecken angekündigt.
> Den Beschluss begründet er mit der Notwendigkeit für Wirtschaftswachstum.
(IMG) Bild: Auf dem Ölfeld Urucú, wo die Förderung vor rund vierzig Jahren begonnen hatte, sollen 22 neue Bohrlöchern entstehen
afp | Der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva und der
staatliche Ölkonzern Petrobras haben angekündigt, nach zehn Jahren
Unterbrechung die [1][Bohrungen im Amazonasbecken] wieder aufzunehmen. „Wir
lieben Brasilien, wir lieben Petrobras, wir wollen gut leben, gut arbeiten
und gut studieren, und das ist nur mit wirtschaftlichem Wachstum möglich“,
erklärte der linksgerichtete Präsident bei einer Zeremonie im nördlichen
Bundesstaat Amazonas am Mittwoch.
An seiner Seite kündigte Petrobras-Chefin Magda Chambriard Investitionen in
Höhe von 2,5 Milliarden Real (etwa 430 Millionen Dollar) für die Bohrung
von 22 neuen Bohrlöchern im Ölfeld Urucú an, wo die Förderung vor rund
vierzig Jahren begonnen hatte.
Lula spricht sich für einen schrittweisen [2][Ausstieg aus fossilen
Brennstoffen] aus, um den Klimawandel einzudämmen. Gleichzeitig ist er der
Ansicht, dass Brasilien – das im vergangenen Jahr der neuntgrößte
Ölproduzent der Welt war – die Einnahmen aus dem Verkauf fossiler
Brennstoffe benötigt, um seine Energiewende zu finanzieren.
Fast zehn Jahre lang hatte Petrobras in der Amazonasregion keine neuen
Bohrlöcher mehr gebohrt. Das Gebiet im [3][größten Regenwald der Welt]
beherbergt das größte Onshore-Vorkommen Brasiliens. Etwa acht Prozent der
nationalen Erdgasproduktion im Jahr 2025 stammten von dem Standort, der für
die Energieversorgung des vergleichsweise armen Nordens Brasiliens von
großer Bedeutung ist.
## Aktivisten kritisieren Umweltzerstörung
Klimaschützer kritisieren die angekündigte Wiederaufnahme der Ölbohrungen
scharf und fordern, dass eine Zerstörung der Umwelt unbedingt verhindert
werden müsse.
Lula, der im Alter von 80 Jahren im Oktober seine Wiederwahl anstrebt,
befürwortet auch ein umfangreiches Ölförderprojekt vor der Küste des
Amazonasgebiets. Fast 95 Prozent der Ölproduktion des Landes stammt aus
Offshore-Vorkommen, die auf Ölinseln im Meer gefördert werden.
Während der [4][UN-Klimakonferenz COP30, die in der brasilianischen
Amazonasstadt Belém] ausgerichtet worden war, hatte Lula die Staats- und
Regierungschefs der Welt aufgefordert, einen „Fahrplan“ für den Ausstieg
aus fossilen Energien vorzulegen. Seine eigene Regierung hat ihren Plan
jedoch noch nicht vorgelegt – obwohl sie sich verpflichtet hatte, dies
spätestens im Februar zu tun.
28 May 2026
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