# taz.de -- Audiowalk zu Anton Wilhelm Amo: Dekoloniales Flanieren
> Die Umbenennung der M*-Straße in Berlin-Mitte war nur der Anfang: Ein
> Audiowalk durch Deutschland erinnert an den Philosophen aus dem heutigen
> Ghana.
(IMG) Bild: Die Umbenennung war erst der Anfang: Bauarbeiter bringen im vergangenen August das neue Schild am U-Bahnhof an
Mit der Umbenennung der ehemaligen M*-Straße in Anton-Wilhelm-Amo-Straße
endet die Erinnerungsarbeit nicht: Das Bündnis Anton Wilhelm Amo Erbschaft
präsentiert zum ersten Jahrestag der Umbenennung am kommenden Sonntag einen
Audiowalk, der die Spuren Amos erkundet: dem Philosophen, der Anfang 1700
im heutigen Ghana geboren wurde und in Deutschland studierte und lehrte.
Das Bündnis ist ein Zusammenschluss von Initiativen in Deutschland, Ghana
und den Niederlanden, die auf das Leben und Wirken Amos aufmerksam machen
wollen. Gemeinsam haben sie einen Audiowalk konzipiert, der durch Berlin
und andere Lebensstationen Amos in Deutschland führt. Amo, der im
Kindesalter aus dem heutigen Ghana nach Wolfenbüttel kam, lehrte nach
seinem Studium der Philosophie an den Universitäten Wittenberg, Halle und
Jena.
Das Projekt will das Leben des Philosophen nicht nur aus historischer
Perspektive zugänglich machen, sondern auch aufzeigen, wer überhaupt über
Amo spricht und zu ihm forscht. Mit einer interaktiven Karte werden
verschiedene Orte gezeigt, die mit Amos Leben verbunden sind. Aber auch
Orte, die mit dekolonialem Aktivismus zu tun haben, finden einen Platz auf
der Karte. Klickt man diese an, öffnet sich ein kleines Fenster, das den
Ort näher beschreibt, sowie eine dazugehörige Audiodatei, die auf Deutsch
oder Englisch angehört werden kann.
In Berlin gibt es sechs eingetragene Stationen. Zu ihnen zählt zum Beispiel
auch die Ghanastraße im Afrikanischen Viertel in Wedding, deren Benennung
kritisch eingeordnet wird. Natürlich gibt es auch eine Station an der
Anton-Wilhelm-Amo-Straße mit Informationen zur Geschichte der Straße und
zur Umbenennung.
Der alte Straßenname leitete sich von einer früher gebräuchlichen,
rassistischen Bezeichnung für Schwarze Menschen ab. Gegen die Umbenennung
gab es immer wieder Proteste und auch Klagen. Die Umbennenung haben
verschiedene zivilgesellschaftlichen Akteur*innen über Jahrzehnte
erkämpft.
## Premiere beim Amo-Fest
Am 23. August ist es dann schließlich so weit: Der zweisprachige Audiowalk
wird beim Anton-Wilhelm-Amo-Fest in der gleichnamigen Straße offiziell
eröffnet. Mit Musik, Gesprächen und einer Kundgebung soll nicht nur die
Umbenennung gefeiert, sondern auch an Amo erinnert werden; stellvertretend
auch für die Menschen afrikanischer Herkunft, deren Namen und Leben in
Deutschland vergessen wurden.
Zu Amos Biografie wird weiter geforscht: Andrea-Vicky Amankwaa-Birago ist
Gründerin des Bündnisses Anton Wilhelm Amo Erbschaft. Ein Teil der Beiträge
für den translokalen Audiowalk stammt aus über Jahre von ihr geführten
Interviews mit Akteur*innen aus Deutschland, Ghana und den Niederlanden.
Gerade die auditive Ebene spielt für Amankwaa-Birago eine Rolle. „Es ist
eine Sache, eine Geschichte aufzuschreiben“, sagt sie. „Aber wenn man
Stimmen anhören kann, macht das etwas mit deinem Körper“. So schaffe man
auch Mehrstimmigkeit. Die verschiedenen Akteur*innen und Initiativen
werden daher auch auf der interaktiven Karte mit Links vermerkt, um auf
ihre Arbeit weiter aufmerksam zu machen.
Amankwaa-Birago hat die Hoffnung, dass der Audiowalk die Menschen dazu
anregt, selbst aktiv zu werden und sich informieren zu wollen. „Egal ob man
sich das live vor Ort oder zu Hause anhört: Ich hoffe, man fragt sich dann
vielleicht, was macht das mit mir und was hat das mit meiner Geschichte zu
tun?“, sagt sie.
18 Aug 2026
## AUTOREN
(DIR) Ann Toma-Toader
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