# taz.de -- Deutschland bei Leichtathletik-EM: Goldene Woche
> Nach der tristen WM 2023 ist die Medaillenbilanz der deutschen
> Leichtathletik bei der EM in Birmingham prächtig. Die Reformen scheinen
> zu fruchten.
(IMG) Bild: Hoffnungsträger auf Bewährung: Owen Ansah gewann Gold im 200-Meter-Lauf, ist aber in ein Dopingverfahren verstrickt
Noch vor zwei Jahren wäre eine enttäuschte und weinende [1][Malaika
Mihambo] eine Katastrophe für die deutsche Leichtathletik gewesen. Denn wer
sonst als die Erfolgsgarantin schlechthin sollte für deutsche Medaillen bei
großen internationalen Meisterschaften sorgen? In Birmingham aber lasteten
die ganze Verantwortung und der Druck nicht auf den Schultern der
Weitspringerin. Und so musste Mihambo nach ihrem fünften Platz nur mit den
Tränen ihrer eigenen Enttäuschung kämpfen.
Denn dieses Mal war auf ihre Mitstreiter*innen Verlass. 21 Medaillen
gewann das deutsche Team in Birmingham; das sind zehn mehr als noch vor
zwei Jahren in Rom. Und während Mihambo damals in der italienischen
Hauptstadt noch den einzigen Titel holte, durften sich dieses Mal direkt
sechs deutsche Leichtathlet*innen über Gold freuen. Die sieben Tage von
Birmingham können sich durchaus sehen lassen für den Deutschen
Leichtathletik-Verband.
„Wir haben hier in Birmingham ein Team erlebt, das großartig aufgetreten
ist“, so Jörg Bügner, DLV-Vorstand Leistungssport, zum Abschluss der
Titelkämpfe am ARD-Mikrofon. „Wir sind auf einem sehr guten Weg, sehen eine
größere Breite, junge Athletinnen und Athleten rücken nach, etablierte
Leistungsträger entwickeln sich weiter und auch das Selbstverständnis
unseres Teams verändert sich. Wir treten mit größerem Selbstvertrauen auf.“
Die Freude über das gute Abschneiden in Birmingham ist nachvollziehbar. Zu
präsent sind noch [2][die Erinnerungen an die Weltmeisterschaft 2023 in
Budapest], als das deutsche Team zum ersten Mal in seiner Geschichte ohne
eine einzige Medaille die Rückreise antrat. Die Weltspitze? Meilenweit
entfernt. Das erkannte auch der DLV und stieß Reformen an.
## Verbesserte Strukturen
Dies betraf zuvorderst das Personal, allen voran Jörg Bügner selbst. Seit
Anfang 2023 ist der promovierte Trainingswissenschaftler als Sportdirektor
beim DLV angestellt. Nach der WM in Budapest wurde sein Kompetenzbereich
nochmals ausgebaut. Soll heißen, alle leitenden Bundestrainer berichten von
nun an direkt an Bügner. Damit ersetzt er die bisherige Cheftrainerin
Annett Stein, die daraufhin ihren Hut nahm.
Überhaupt sollten die Strukturen gestrafft und Verantwortungsbereiche
geschärft werden. Das gilt auch für den Nachwuchs – sowohl, was
Athlet*innen als auch Trainer’innen angeht. Dieser soll schneller an den
Leistungssport herangeführt werden. Zudem wurden die Kaderrichtlinien
angepasst. Athletinnen wie Julia Ulbricht, die im Speerwerfen überraschend
Silber gewann und vorher keinerlei Förderung erhielt, schaffte dank ihres
Medaillengewinns nun direkt den Sprung in den Olympia-Kader.
Trotz aller Euphorie über den Medaillensegen von Birmingham warnt Bügner
vor zu hohen Erwartungen. „Wir dürfen jetzt nicht überheblich werden. In
bestimmten Disziplinen war hier die absolute Weltklasse am Start, in
anderen nicht. Es gibt noch einiges zu tun“, gibt er gegenüber der ARD zu
Bedenken. „Wir wissen sehr genau, dass der Weg in einigen Disziplinen bis
zur internationalen Spitze noch weit ist.“
Das Ziel des DLV ist es, bei den Olympischen Spielen 2028 in Los Angeles
wieder zu den fünf besten Nationen in der Leichtathletik zu gehören, in
Paris 2024 war man noch Elfter. Doch dann sind die deutschen Stars um Gesa
Krause, Malaika Mihambo, Julian Weber [3][oder Amanal Petros] schon weit
über 30 Jahre alt. Ob Owen Ansah, deutscher Rekordhalter und Europameister
über 200 Meter, dann starten darf, ist ebenfalls aufgrund seines laufenden
Dopingverfahrens ungewiss. Und ist man ehrlich, so ist die Weltspitze vor
allem in den Laufdisziplinen doch noch sehr weit weg.
Dennoch macht die EM in Birmingham Hoffnung. Was auch an jungen Athleten
wie Owe Fischer-Breiholz liegt. Der 22-Jährige wurde bei seiner ersten
internationalen Teilnahme überhaupt guter Fünfter über die
400-Meter-Hürden, konnte aber seinen Ärger nicht verbergen. Er sei noch nie
so enttäuscht gewesen und richtig von sich selbst genervt, sagte er nach
dem Rennen. So auch Lea Meyer, die nach einem Sturz nur Vierte im
Hindernislauf wurde und im Interview kurz darauf betonte, dass sie eine
Medaille verdient hätte. Was das eigene Anspruchsdenken angeht, sind die
deutschen Leichtathlet*innen auf jeden Fall schon einmal Weltspitze.
17 Aug 2026
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## AUTOREN
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