# taz.de -- Bilderbuch über Haare und Zugehörigkeit: Locken, wie sie mir gefallen
> Catherine Adufe Folawiyos Bilderbuch „Der Haarkunstshop – Einmal glatte
> Haare, bitte!“ erzählt von Zugehörigkeit und der Geschichte der Haare.
(IMG) Bild: Im Haarkunstshop
Es gibt Geschenke, die liebt man so inniglich wie die Menschen, von denen
man sie bekommt. Als Laras Mutter ihr ein leuchtend gelbes Haarband
schenkt, lässt es sie strahlen. Aufgeregt, schön und stolz blickt sie am
Tag des Klassenfotos mit ihrer neuen Frisur in die Kamera – als plötzlich
eine Mitschülerin lauthals abwertend ihre Haare kommentiert, gefolgt vom
Gelächter der anderen. Vor lauter buschigen Locken sähe man nicht einmal
ihr Gesicht, konstatiert das Kind, Lara [1][passe überhaupt nicht rein.]
Plötzlich ist in Lara nichts mehr vom Strahlen des gelben Haarbandes übrig.
Die Geschichte, die Catherine Adufe Folawiyo in „Der Haarkunstshop“ mit
Bild und Text erzählt, handelt von einem so schlimmen wie universellen
Gefühl: dem Ausgeschlossensein und Nichtdazugehören. Manchmal scheint es in
solchen Momenten, als müsse man eine ganz andere Person werden, um wieder
einen Platz im eigenen Leben haben zu dürfen. Und wie in Laras Fall steckt
dahinter oft sehr viel mehr, als man auf den ersten Blick zu erkennen
meint.
Als Lara endlich zu Hause ankommt, fliegt als Erstes das Haarband in den
Papierkorb. Nach Kräften beginnt sie sich an ihren Locken abzuarbeiten,
will nichts mehr, als sie glätten: bürsten, ölen – nichts hilft. Sogar zum
Bügeleisen greift Lara, um ihnen die Sprungkraft zu nehmen. Da erscheint
Laras große Schwester im Türrahmen und bringt sie kurzerhand an einen ihr
völlig neuen Ort: den Haarkunstshop. Hier trifft Lara nicht nur auf eine
verständnisvolle Friseurin, sondern erhält auch einen Einblick die
faszinierende Welt der [2][Haare.]
## Die Geschichte hinter den verschiedenen Frisuren
Was Lara nicht alles mit ihren Locken anstellen könnte: Die Friseurin
erklärt, was Beads, Braids, Weaves und Cornrows sind, wie man Haare wie
Laras mit Seidentüchern nicht nur stylen, sondern auch vor Haarbruch
schützen kann. Offen getragen könnte man sie mit einem langzinkigen
Afrokamm in Form bringen. Lara erfährt auch etwas über die Geschichte, die
in den verschiedenen Frisuren steckt.
Noch heute sind etwa Beads – die Perlen, die man in Braids bzw. Zöpfen
tragen kann – manchmal aus Holz, wie sie es schon vor vielen Jahrtausenden
waren. Statt aus Elfenbein oder Knochen sind viele von ihnen heute jedoch
aus Plastik oder Metall. Die Muster von Cornrows konnten traditionell den
Status, die Gruppenzugehörigkeit oder das sogar das Alter einer Person
anzeigen.
Auch über die ernsteren Seiten der Geschichte spricht die Friseurin mit
Lara: In der Zeit der [3][Versklavung] Schwarzer Menschen wurden Cornrows
ein wichtiges Mittel, um Fluchtwege aus der Gefangenschaft untereinander zu
kommunizieren. Wie facettenreich die Geschichte ist, die hinter Laras
Locken steht, unterstreichen auch Zitate wichtiger Schwarzer
Persönlichkeiten, die immer wieder in den Zeichnungen zu finden sind.
In genau beobachtenden, verspielten Bildern zeigt das Buch einfühlsam, wie
wichtig das Wissen um Traditionen sein kann, um sich zugehörig zu fühlen –
und dafür, andere nicht auszugrenzen. Es lädt zum Staunen und Bewundern ein
und ermutigt dazu, sich selbst zu mögen.
17 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Henriette Hufgard
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