# taz.de -- Betrugsfabriken in Kambodscha: Opfer werden ignoriert, sagt Amnesty International
       
       > Menschenrechtsbericht wirft Regierung in Phnom Penh wirkungslose Razzien
       > gegen Zentren des Internetbetrugs vor. Diese weist die Kritik zurück.
       
 (IMG) Bild: Ein Polizist zeigt in Phnom Penh einem Journalisten die in einer sogenannten Betrugsfabrik sichergestellten Computer
       
       Das Vorgehen von Kambodschas Regierung gegen sogenannte Betrugszentren ist
       wegen Absprachen der Polizei mit deren Betreibern weitgehend wirkungslos.
       Zu diesem Ergebnis kommt die Menschenrechtsorganisation Amnesty
       International (AI) in einem am Montag vorgelegten [1][Bericht]. Nur in 24
       von 86 untersuchten Fällen hätten staatliche Stellen überhaupt
       eingegriffen. Aber in keinem Fall seien die dort zur Betrugsarbeit
       gezwungenen Personen angehört und als gar Opfer von Menschenhandel oder
       Versklavung anerkannt worden.
       
       Der Bericht basiert auf Interviews mit 73 Personen, die aus 33
       Betrugsfabriken befreit wurden oder fliehen konnten. Sie waren meist unter
       falschen Jobversprechen dorthin gelockt worden. Der 150-Seiten-Bericht
       ergänzt einen AI-Bericht vom vergangenen Juli, der Interviews mit Zeugen
       aus 50 Betrugsfabriken in Kambodscha ausgewertet hatte und zu ähnlichen
       Ergebnissen kam.
       
       „Alle Interviewten haben Folter und Misshandlungen erlebt oder bezeugt,
       wenn die Wächter oder Bosse der Betrugszentren Fluchtversuche
       verhinderten“, heißt es. „Das Ausmaß des Zwangs entspricht in vielen Fällen
       einer Versklavung.“ Sechs Frauen berichteten von Vergewaltigungen. Eine
       Frau wurde den Managern eines Betrugszentrums als Belohnung zum Missbrauch
       überlassen.
       
       Von diesen [2][oft in Verbindung mit Casinos stehenden Zentren zunächst von
       Kambodscha aus], dann auch aus anderen Staaten Südostasiens, verleiten
       kriminelle Netzwerke weltweit Internetnutzer, oft in Verbindung mit
       angeblichen Liebesversprechen, zu vermeintlich profitablen Investitionen in
       Cryptowährung. Dann geht alles Geld an die Kriminellen verloren. Im Februar
       bezifferte ein [3][UN-Bericht] den Umsatz südostasiatischer Betrugsfabriken
       auf 43 Milliarden Dollar mit geschätzten 300.000 Mitarbeitern aus 66
       Nationen.
       
       ## Zeugen: Polizisten kommen zum Kaffee ins Betrugszentrum
       
       AI kritisiert das nur zur Schau gestellte Vorgehen von Kambodschas
       Behörden. Interviewte hätten berichtet, wie sie vor einer Razzia in Bussen
       weggefahren worden seien, Polizisten zum Kaffeetrinken vorbeikamen oder
       Zentren nach Razzien weiter betrieben wurden.
       
       „Ohne Zustimmung oder Duldung durch den kambodschanischen Staat könnten
       nicht-staatliche Akteure den dokumentierten Missbrauch nicht begehen“, so
       der Bericht. Die Regierung verhindere jegliche Transparenz im Umgang mit
       den Betrugszentren. [4][Immer wieder entpuppen sich Kriminelle als
       Geschäftspartner regierungsnaher Politiker, die nie belangt werden.]
       
       Die Innenstaatssekretärin Chou Bun Eng wies den AI-Report zurück. AI
       übersehe die Erfolge der Behörden. „Egal wie hart wir arbeiten, [AI] wird
       nie etwas Gutes anerkennen“, sagte sie laut [5][Khmer Times].
       
       9 Jun 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] https://www.amnesty.org/en/documents/ASA23/1093/2026/en/
 (DIR) [2] /Casino-Kapitalismus-in-Kambodscha/!5921768
 (DIR) [3] https://www.ohchr.org/en/documents/thematic-reports/wicked-problem-seeking-human-rights-based-solutions-trafficking-cyber
 (DIR) [4] /Transnationale-Kriminalitaet/!6098914
 (DIR) [5] https://www.khmertimeskh.com/501915851/anti-scam-campaign-fails-to-dismantle-trafficking-hubs-says-amnesty/#google_vignette
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Sven Hansen
       
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