# taz.de -- Gefährlicher Tiktok-Trend in Irland: Falsch rum auf der Autobahn – für die Klicks
       
       > In Irland filmen sich Teenager bei Verfolgungsjagden mit der Polizei in
       > gestohlenen Autos und laden die Videos auf Tiktok hoch. Es gab schon
       > Tote.
       
 (IMG) Bild: Die irische Polizei bei einer nächtlichen Verkehrskontrolle in Belfast
       
       Diesmal war es schlimmer als sonst. Viel schlimmer. Fast täglich werden
       Videos [1][auf Tiktok] gepostet, auf denen irische Teenager beim
       sogenannten Joyriding zu sehen sind. Der ziemlich absurde Begriff meint
       hier gefährliches Fahrverhalten, mit dem Jugendliche die Polizei zunächst
       provozieren und dann die Verfolgungsjagd filmen. [2][Je riskanter, desto
       mehr Likes bekommen die Videos]. Mitte August sind fünf Jugendliche
       zwischen 15 und 18 Jahren gestorben, weil sie auf der falschen Seite der
       Autobahn gefahren sind. Mit Absicht.
       
       Dieses Mal hatten Jugendliche zunächst versucht, in Dubliner Vororten in
       Autos und Häuser einzubrechen. Sie waren maskiert und gehörten einer Bande
       namens Lucky Dip an, der es vor allem um Likes geht. Zwei der fünf
       Jugendlichen zählten zu den zehn gefährlichsten Straftätern auf den Straßen
       Irlands.
       
       Polizisten in einem Streifenwagen hatten das Auto gegen 2 Uhr morgens zum
       Anhalten aufgefordert, doch der Fahrer raste davon. Er wusste, dass die
       Polizeistreife ihn nicht gegen die Fahrtrichtung auf der Autobahn verfolgen
       durfte.
       
       ## Auch für Polizeibeamte gefährlich
       
       John Joe O’Connell, Vizepräsident der Polizeigewerkschaft, sagte,
       Polizeibeamte müssen befürchten, dass sie bei einer Verfolgungsjagd wegen
       gefährlichen Fahrens strafrechtlich belangt werden. „Meines Wissens stehen
       derzeit zehn Polizisten deshalb vor Gericht“, sagte O’Connell.
       
       Und so hatte sich die Polizei, statt die Jugendlichen zu verfolgen, am Ende
       einer Ausfahrt postiert, um „Stinger“ einzusetzen, die die Autoreifen zum
       Platzen bringen sollten. Doch der BMW fuhr mit hoher Geschwindigkeit weiter
       und prallte auf einen Kleinwagen, in dem drei Frauen und ein siebenjähriger
       Junge saßen. Sie wurden schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert.
       
       Nur eine Stunde vor dem fatalen Unfall wurde ein Streifenwagen, der ein
       Auto wegen gefährlichen Fahrverhaltens anhalten wollte, gerammt. Eine Woche
       zuvor fuhren acht junge Männer in einem gestohlenen Fahrzeug in falscher
       Fahrtrichtung auf der Dubliner Ringautobahn und stießen mit einem
       entgegenkommenden Fahrzeug zusammen. Wie durch ein Wunder kam niemand ums
       Leben. Vor ein paar Jahren gab es bei einem ähnlichen Vorfall drei Tote.
       
       ## „Performatives Verbrechen“
       
       Die Rücksichtslosigkeit und der Einsatz des eigenen Lebens für ein paar
       Likes beschäftigen Polizei, Politik und Bevölkerung. Es sei eine
       Mentalität, die das Leben von Fremden und das eigene Leben als Währung für
       die Anerkennung eines Online-Publikums ausgebe, wie es ein Journalist
       formulierte. Die Kriminologin Trina O’Connor bezeichnete das Verhalten der
       fünf Jugendlichen als „performatives Verbrechen“.
       
       Die Online-Kondolenzlisten mussten gelöscht werden, weil es neben
       Beileidsbekundungen jede Menge Häme und Wut gab. Alle wissen, dass [3][die
       sozialen Medien und ihre Algorithmen] eine Mitschuld tragen. Tiktok hat die
       Einladung des parlamentarischen Medienausschusses vorige Woche jedoch
       abgelehnt und nur erklärt, man „beobachte Inhalte im Zusammenhang mit
       diesem Vorfall genau“ und werde Videos und Konten entfernen, die gegen die
       Regeln verstießen.
       
       Der Fall deckt die Grenzen der europäischen Social-Media-Vorschriften auf,
       die Unternehmen für die durch ihre Produkte verursachten Schäden haftbar
       machen sollen. Nach einer 2022 verabschiedeten Verordnung der Europäischen
       Union ist die Nichteinhaltung der Richtlinien, die sich die sozialen Medien
       selbst auferlegen, ein Verstoß gegen dieses Gesetz.
       
       Bereits kurz nach dem fatalen Unfall wurden neue Videos auf Tiktok
       gepostet, auf denen irische Jugendliche Autos klauen und vor der Polizei
       davonrasen.
       
       Bislang wurden in diesem Jahr 62-mal Fahrzeuge erfasst, die auf Autobahnen
       in falscher Richtung fuhren, gegenüber 47 solchen Vorfällen zwischen Januar
       und Mitte August 2025. Das Fahren in falscher Richtung auf irischen
       Autobahnen sei mittlerweile „außer Kontrolle“, warnte die Polizei.
       
       29 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /TikTok/!t5647139
 (DIR) [2] https://www.theguardian.com/media/2026/aug/22/deadly-tiktok-motorway-driving-trend-horrifies-ireland
 (DIR) [3] /Vorwurf-gegen-Instagram/!6195037
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Ralf Sotscheck
       
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