# taz.de -- HSV, Elbtower, Opernhaus: Kühnes Spuren bleiben
> In vielen Bereichen hatte Klaus-Michael Kühne in Hamburg seine Finger im
> Spiel. Wie geht es nach dem Tod des Milliardärs nun weiter?
(IMG) Bild: Logistikmilliardär Klaus-Michael Kühne gestorben: Das wirft für Hamburg aus finanzieller Sicht Fragen auf
Und was wird nun aus Hamburg? Der Tod des Logistikmilliardärs
[1][Klaus-Michael Kühne, der in der Nacht auf Montag mit 89 Jahren im
schweizerischen Schindellegi verstarb,] wirft aus finanzieller Sicht diese
Frage für die Hansestadt auf: Kühne hatte bei einer ganzen Reihe an
Institutionen und Projekten seine Finger im Spiel, auch wenn er schon seit
Jahrzehnten nicht mehr in seiner Heimatstadt wohnte.
Den mittlerweile wieder in der ersten Fußball-Bundesliga spielenden
Hamburger SV hatte Kühne eigenen Angaben zufolge im Laufe der Jahre mit
deutlich mehr als 100 Millionen Euro unterstützt: 2010 begann sein
Engagement beim HSV, als er die Transfers teurer Spieler finanzierte.
Später schoss er immer mal wieder Millionenbeträge in den Verein, ob als
Darlehen oder als faktische Spende – die Namensrechte am Stadion erwarb er
langfristig, um es wieder in „Volksparkstadion“ umzubenennen.
Nachdem der Verein seine Profi-Abteilung in eine AG ausgegliedert hatte,
stieg Kühne 2015 als Anteilseigner ein – von Erfolg gekrönt war das anfangs
nicht: 2018 stieg der HSV erstmals in die Zweite Liga ab, erst seit 2025
spielt er wieder erstklassig. Aktuell liegt der Anteil Kühnes bei 13,5
Prozent. Allerdings gehörte der nicht ihm persönlich, sondern seiner
Holding. Nach dem Tod verbleibt der dort, wo nun langjährige Vertraute von
Kühne das Sagen haben. Der aktuelle Vertrag für die Namensrechte am
Stadion, die sich die Kühne-Holding für jährlich rund vier Millionen Euro
leistet, läuft noch bis 2028.
Der HSV reagierte in einer Mitteilung auf Kühnes Tod durchaus ambivalent:
Er war für den Verein „stets da, wenn dieser ihn brauchte“. Aber er
„schimpfte nach Niederlagen, drohte mit Liebes- und Geldentzug und ließ
manchen Vorstand und sportlich Verantwortlichen lesen und hören, was er von
dem eingeschlagenen Weg mit viel zu langer Verweildauer in Liga zwei
hielt“. Da der HSV, dank Kühne, mittlerweile finanziell wieder ganz
ordentlich aufgestellt ist, dürfte das mittelfristig auslaufende Engagement
der Kühne-Holding beim HSV zu verschmerzen sein. Vorausgesetzt, der Verein
verhebt sich nicht wieder daran, mit zu viel Geld Erfolg kaufen zu wollen.
## Für den Elbtower sieht es ohnehin schlecht aus
Über seine Holding war Kühne auch ein Teil des Investorenkonsortiums, das
die seit bald drei Jahren stillstehende Ruine des Elbtowers übernehmen und
doch noch fertigstellen will. Schon vor Kühnes Tod gestaltete sich das
allerdings schwierig: Zwar hatte die Stadt im vergangenen Jahr mitgeteilt,
dass sie nach der Fertigstellung einen Teil des Gebäudes kaufen und als
Naturkundemuseum nutzen will. Doch hakt es in den Verhandlungen zwischen
der Stadt und dem Konsortium anscheinend gewaltig.
[2][Die Stadt will nicht mehr als 600 Millionen Euro dafür ausgeben] – dem
Konsortium erscheint das zu wenig. Kühnes Tod dürfte es zumindest nicht
wahrscheinlicher machen, dass sich die Investorengruppe mit dem städtischen
Angebot zufriedengibt: Sollten die Kosten bis zur Fertigstellung unerwartet
steigen, hätte Kühnes Vermögen das zumindest theoretisch auffangen können.
Ob die Holding dieses finanzielle Risiko auch nach Kühnes Tod bereit zu
gehen wäre, ist unklar.
Klar ist hingegen, dass Kühnes Tod zunächst keinen Einfluss auf Hamburgs
künftiges Opernhaus hat. Dass er die Fertigstellung der neuen Oper direkt
an der Elbe wohl selbst nicht mehr erleben würde, gab Kühne schon nach der
Vorstellung der Pläne im vergangenen Sommer freimütig bekannt.
Während die Stadt das Grundstück am Baakenhöft mit einer Viertelmilliarde
Euro vorbereitet, erklärte sich Kühne bereit, den Bau komplett zu
finanzieren. [3][Mindestens 350 Millionen Euro dürften das werden, derzeit
werden die Planungen noch durchgerechnet.] Kühnes Tod ändere am Vorhaben
aber nichts, weil die Stadt den Vertrag mit der Kühne-Stiftung geschlossen
habe, erklärt die zuständige Kulturbehörde. Und die dürfte höchstens die
Reißleine ziehen, wenn die Kosten vollkommen aus dem Ruder laufen.
In diese Stiftung geht nun auch die auf einen Wert von rund 40 Milliarden
Euro geschätzte Holding über. Im Stiftungsrat sitzen neben Kühnes Frau
Christine neun Herren, die ab jetzt auch über weitere Engagements Kühnes
entscheiden, die für Hamburg mehr oder minder relevant sind – etwa die
30-prozentige Beteiligung an der Hamburger Reederei Hapag-Lloyd. Oder die
von Kühne gegründete private Logistikhochschule.
25 Aug 2026
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## AUTOREN
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