# taz.de -- Krieg in der Ukraine: Russischer Büchermarkt in Kyjiw unter Beschuss
       
       > Ausgerechnet der Ort, an dem man in Kyjiw noch russische Bücher kaufen
       > kann, wird beschossen. Auch Moskau meldet Angriffe mit hunderten Drohnen.
       
 (IMG) Bild: Brennt lichterloh in der Nacht zu Sonntag: ein Buchmarkt in Kyjiw, der vor allem russische Bücher verkauft
       
       Um 1:57 Uhr durchbrachen heulende Sirenen die nächtliche Stille von Kyjiw.
       Und schon wenige Minuten später folgten fünf dumpfe Schläge. Dann war es
       wieder ruhig in der ukrainischen Hauptstadt. „Wir können uns wieder
       schlafen legen“ tönte die Stimme eines Mannes aus einer Wohnung im vierten
       Stock des Nachbarhauses.
       
       Vier Tage lang schon war es ruhig gewesen in der Stadt, keine Drohnen,
       keine Raketen. Er sollte nicht recht behalten, der Mann aus dem
       Nachbarhaus, der geglaubt hatte, dass es mit fünf Raketeneinschlägen
       beendet sei. Auch am Morgen und am Vormittag gab es noch drei weitere Male
       Luftalarme, gefolgt vom Surren der Drohnen und dem Einschlag von Drohnen
       und Raketen.
       
       Doch von Panik keine Spur. Zwar suchten einige Passanten ihr Heil in einer
       U-Bahn-Station oder einer Unterführung, viele nahmen die Luftalarme und
       Einschläge indes mit Achselzucken zur Kenntnis. Zwei ältere Damen, die mit
       einem Hund spazieren gehen, wundern sich über einen Mann, der sich
       aufgeregt an sie wendet: „War ja wohl wieder sehr laut diese Nacht“.
       Sichtlich genervt antwortet die Dame mit dem Hund: „Laut ist was anderes.
       Laut war es, als eine Drohne das Dach meiner Nachbarin mitgenommen hat.
       Das, was wir heute gehört haben, ist doch in einem ganz anderen Stadtteil
       eingeschlagen. Sie sind wohl neu hier?“
       
       ## Der Krieg zerreißt Familien
       
       Auch Alina, eine Krankenschwester, wundert sich, dass viele Menschen nun
       die Metro oder eine Unterführung aufsuchen. „Wir arbeiten im Krankenhaus
       bei Luftalarm immer weiter. Ich glaube an Gott. Wenn meine Stunde gekommen
       ist, ist sie gekommen. Und offensichtlich ist sie noch nicht gekommen.“ Es
       gäbe Schlimmeres. „Direkt in diesen Tagen wird ein Dorf in der Nähe von
       Wilnjansk, 20 Kilometer von Saporischschja entfernt, evakuiert, weil man es
       vor den heranrückenden Russen wohl nicht mehr retten kann. Und nun muss
       mein Mann, der gerade dort ist, seine kranke Mutter aus dem Dorf bringen.“
       Der Krieg hat ihre Familie zerrissen. Der Mann muss nun ständig bei seiner
       Mutter sein, ihre beiden Töchter sprechen nicht mehr miteinander. Eine
       Tochter hat die russische Staatsbürgerschaft, lebt auf Zypern, die andere,
       eine ukrainische Nationalistin, in Kyjiw.
       
       In der Nacht zum Sonntag, dem 1635. Kriegstag, hat Russland die Ukraine
       erneut massiv [1][mit Raketen und Drohnen] angegriffen. Besonders betroffen
       waren Kyjiw, Odessa und Krywyj Rih. Es ist eine Ironie des Schicksals: Der
       einzige Ort, an dem man in Kyjiw noch russische Bücher kaufen konnte, ist
       der Buchmarkt Petrowka. Zwar werden dort russische Bücher nicht offen
       gehandelt. Aber während man in einem Kyjiwer Buchladen nur einen
       mißbilligenden Blick erntet, wenn man nach einem russischsprachigen Buch
       fragt, folgt auf dem Markt Petrowka dieser Frage meist ein Griff unter die
       Ladentheke und schon ist das russischsprachige Buch da.
       
       Mit dem gestrigen Angriff auf den Petrowka-Markt hatten die russischen
       Streitkräfte nun den einzigen Ort in Kyjiw, an dem man legal russische
       Bücher kaufen konnte, zerstört. Besonders schwer getroffen wurde der
       Industriestandort Krywyj Rih. Das dortige Stahlwerk ArcelorMittal Krywyj
       Rih teilte mit, dass die Produktion teilweise eingestellt werden musste.
       Nach Angaben des Unternehmens starb ein Mitarbeiter, 13 Beschäftigte und
       Mitarbeiter von Vertragsunternehmen wurden verletzt.
       
       In Odessa schlug nach Angaben des Gouverneurs der Region, Oleh Kiper, eine
       Drohne in eine Filiale des Paketdienstes Nova Poshta in einem
       Einkaufszentrum ein. Zwei Menschen wurden verletzt. Parallel zu den
       russischen Angriffen auf die Ukraine fanden ukrainische Angriffe mit
       hunderten Drohnen auf russisches Gebiet statt.
       
       Getroffen wurde unter anderem das Kamensker Kombinat im Gebiet Rostow. Dort
       wird nach ukrainischen Angaben Raketentreibstoff hergestellt. Die
       russischen Behörden im Gebiet Rostow meldeten nach nächtlichen
       Drohnenangriffen fünf Tote. Auch das Gebiet Moskau wurde von ukrainischen
       Drohnen angegriffen. Bei Podolsk wurde wieder ein Lager des russischen
       Logistikunternehmens und [2][Onlinehändlers Wildberries] angegriffen.
       
       16 Aug 2026
       
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