# taz.de -- Ukrainer in russischer Armee: „Russland war schon immer in meinem Herzen“
> In den besetzten Gebieten wird die Zivilbevölkerung russifiziert. Die
> Gehirnwäsche scheint zu wirken, Ukrainer schließen sich der russischen
> Armee an.
(IMG) Bild: Es gibt keine verlässliche Gesamtstatistik, wie viele der russifizierten Jugendlichen als Soldaten in der russischen Armee dienen
Die taz panterstiftung präsentiert unter [1][taz.de/unserfenster] jeden
Mittwoch eine wöchentliche Auswahl aktueller Berichte aus russischen
kritischen Medien. Mit diesem Projekt stärkt die taz panterstiftung
unabhängigen Journalismus und ermöglicht es kritischen Redaktionen, ihre
Arbeit auch unter schwierigen Bedingungen fortzuführen.
Meduza öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach Russland. Den
ganzen Text [2][lesen Sie hier auf Russisch].
Der ukrainische Jugendliche Oleksandr Mustjazje geriet nach Beginn [3][des
russischen Großangriffs] in das von Russland besetzte Gebiet der Region
Cherson. Dort kämpft er inzwischen auf russischer Seite, fand die
investigative ukrainische Initiative Back to Ukraine heraus.
Das Projekt untersucht die Militarisierung und Russifizierung ukrainischer
Kinder und sammelt Material in einer Datenbank. Öffentlich tritt das
Projekt bislang ausschließlich über Konten auf Instagram und Threads in
Erscheinung, die erst in der zweiten Julihälfte eingerichtet wurden. Wer
hinter der Initiative steht, ist nicht bekannt, schreibt das russische
Exilmedium Meduza.
Auch Mustjazje ist in der Datenbank erfasst. Laut dem Eintrag lebte er im
Dorf Krynky in der Region Cherson im Süden der Ukraine, das nach 2022 von
russischen Truppen besetzt und weitgehend zerstört wurde.
Mustjazje war 14 Jahre alt, als der russische Großangriff begann,
inzwischen ist er 19. Back to Ukraine fand sein Profil im russischen
sozialen Netzwerk VKontakte, auf dem er Fotos von sich in russischer
Militäruniform veröffentlichte. Auf einigen Bildern trägt er zudem das „Z“,
das Symbol des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine.
## Mustjazje wurde verwundet und kehrte an die Front zurück
Nach eigenen Angaben rekonstruierte die Initiative mithilfe eines
Kameraden, dass Oleksandr Mustjazje im Herbst 2025 verwundet wurde.
Anschließend behandelte man ihn im Burdenko-Hauptmilitärkrankenhaus in
Moskau, dann kehrte er an die Front zurück.
Am 3. August teilte Back to Ukraine mit, ein weiteres VKontakte-Profil von
Mustjazje entdeckt zu haben, das er unter dem Namen „Oleksandr Famenok“
führt. Die Aktivisten nahmen Kontakt zu ihm auf und schrieben ihm. Man
wisse in der Ukraine, dass er auf russischer Seite kämpfe. Sie baten ihn,
seine Beweggründe zu erklären.
Mustjazje bestritt seine Teilnahme am Krieg nicht. „Ich stehe immer zu
meinem Land. Russland war schon immer in meinem Herzen“, antwortete er.
„Wenn ein in der Ukraine geborener Mensch Russland aufrichtig als ‚seine
Seite‘ betrachtet, dann ist das kein Zufall, sondern das Ergebnis
systematischer Einflussnahme“, sagen Experten von Back to Ukraine. Sie
fordern die Entwicklung einer umfassenden staatlichen Informationsstrategie
für die Bevölkerung der vorübergehend besetzten Gebiete. „Jeder weitere
Monat und jedes weitere Jahr der Besatzung führt dazu, dass wir diese
Menschen auch mental verlieren.“ Sprich: Die Menschen werden einer
Gehirnwäsche unterzogen.
## Aufgezwungener Wehrdienst
Es gibt keine verlässliche Gesamtstatistik, wie viele der russifizierten
Jugendlichen später tatsächlich als Soldaten in der russischen Armee
dienen. [4][Laut einem aktuellen Länderbericht] des deutschen Bundesamts
für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wurden ukrainische Jungen, die in den
besetzten Gebieten 18 Jahre alt wurden, aufgrund der ihnen aufgezwungenen
russischen Staatsbürgerschaft zu einem zwölfmonatigen Wehrdienst in der
russischen Armee verpflichtet.
Der von Back to Ukraine veröffentlichte Fall von Oleksandr Mustjazje fand
in zahlreichen ukrainischen Medien Beachtung, unter anderem [5][hromadske],
[6][Ukrajinska Prawda] und [7][Babel.] Auch Mykola Kuleba, der ehemalige
Kinderrechtsbeauftragte des ukrainischen Präsidenten und Leiter der
Hilfsorganisation Save Ukraine, griff das Thema auf. Laut Meduza hat jedoch
außer Back to Ukraine bislang niemand versucht, mit Mustjazje Kontakt
aufzunehmen.
Back to Ukraine hat auch Informationen über weitere ukrainische Kinder
veröffentlicht, die nach Kriegsbeginn in den von Russland annektierten
Gebieten geblieben sind oder nach Russland gebracht wurden.
Laut dem ukrainischen Projekt Bring Kids Back, das auf Initiative von
Präsident Wolodymyr Selenskyj ins Leben gerufen wurde, befinden sich rund
1,6 Millionen ukrainische Kinder unter russischer Kontrolle. Sie leben
entweder in den von Russland annektierten Gebieten oder wurden seit 2014
nach Russland gebracht. Bislang konnten lediglich 2.441 von ihnen
zurückgeführt werden.
Mit Ihrer [8][Spende an die taz panterstiftung] helfen Sie, kritischen
Journalismus zu stärken und auch unter schwierigen Bedingungen zu
ermöglichen.
12 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Unser-Fenster-nach-Russland/!t5916992
(DIR) [2] https://meduza.io/feature/2026/08/10/proekt-back-to-ukraine-rasskazal-istoriyu-aleksandra-mustyatse-ukrainskogo-podrostka-stavshego-rossiyskim-soldatom
(DIR) [3] /Schwerverletzte-in-der-russischen-Armee/!6199922
(DIR) [4] https://www.bamf.de/SharedDocs/Anlagen/DE/Behoerde/Informationszentrum/Laenderkurzinformationen/2026/laenderkurzinfo-ukraine-2026-02.pdf?__blob=publicationFile&v=3
(DIR) [5] https://hromadske.ua/viyna/268776-ia-za-svoiu-storonu-zavzdy-iunak-iz-khersonshchyny-shcho-fihuruye-v-reyestri-znyklykh-bezvisty-ditey-viyny-poiasnyv-chomu-pishov-voiuvaty-za-rf
(DIR) [6] https://life.pravda.com.ua/society/ukrajinec-yakiy-ditinoyu-znik-na-hersonshchini-stav-do-lav-armiji-rf-316622/
(DIR) [7] https://babel.ua/news/129071-19-richniy-hlopec-iz-hersonshchini-yakiy-ye-v-reyestri-zniklih-ditey-viyni-znayshovsya-u-rosiyskiy-armiji-vin-kazhe-shcho-na-svojiy-storoni
(DIR) [8] https://secure.spendenbank.de/form/1705?langid=1--
## AUTOREN
(DIR) Tigran Petrosyan
## TAGS
(DIR) Unser Fenster nach Russland
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) GNS
(DIR) Wolodymyr Selenskyj
(DIR) Wladimir Putin
(DIR) Unser Fenster nach Russland
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Schwerpunkt Krieg in der Ukraine
(DIR) Unser Fenster nach Russland
(DIR) Unser Fenster nach Russland
(DIR) Unser Fenster nach Russland
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Russische Mobilmachung: „Russlands Verluste sind außerordentlich hoch“
Zuletzt gab es nur wenig Bewegung auf dem Schlachtfeld in der Ukraine, sagt
der US-Militärexperte Samuel Charap. Eine technische Entwicklung könnte das
ändern.
(DIR) Massenüberwachung in Russland: Der perfekte Anlass für den Kreml
In Russland hat die Zahl der minderjährigen Straftäter zugenommen. Die
Behörden nutzen dies als Vorwand für eine flächendeckende Überwachung.
(DIR) +++ Nachrichten im Ukraine-Krieg +++: Selenskyj legt USA neuen Friedensplan für die Ukraine vor
Der ukrainische Präsident wirft Russland außerdem vor, die Parlamentswahl
im kommenden Monat als Vorwand für eine neue Mobilmachung nutzen zu wollen.
(DIR) Angriff auf russischen Onlinehändler: Milliardenverluste für Putin
Ukrainische Drohnen haben mehrere Lagerhäuser des russischen
Versandhändlers Wildberries zerstört, der Schaden liegt im
Milliardenbereich. Und der Kreml? Schweigt.
(DIR) Schwerverletzte in der russischen Armee: Wie der Kreml Veteranen im Stich lässt
Hunderttausende russische Soldaten sollen bereits nach Hause zurückgekehrt
sein. Viele werden straffällig – und Verwundete oft sich selbst überlassen.
(DIR) Politologe über Korruption in Russland: „Wer an die Macht kommt, füllt sich die Taschen“
Der Kreml verdirbt seine Bürger, indem er einen Kult der Korruption
predigt, sagt der Politologe Fjodor Krascheninnikow. Und doch sei
Veränderung möglich.