# taz.de -- Schwerverletzte in der russischen Armee: Wie der Kreml Veteranen im Stich lässt
       
       > Hunderttausende russische Soldaten sollen bereits nach Hause
       > zurückgekehrt sein. Viele werden straffällig – und Verwundete oft sich
       > selbst überlassen.
       
 (IMG) Bild: Kämpfer der privaten Söldnergruppe „Wagner“ in Rostow am Don, Russland, am 24. Juni 2023
       
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       Novaya Gazeta Europe öffnet mit dem folgenden Beitrag ein Fenster nach
       Russland. [2][Den ganzen Text lesen Sie hier auf Russisch.] 
       
       Der Kreml spielt die Zahl der [3][russischen Soldaten], die aus dem Krieg
       ins zivile Leben zurückkehren, systematisch herunter. Laut der
       Präsidialverwaltung sollen bislang nur 167.000 russische Soldaten von der
       Front in der Ukraine zurückgekehrt sein.
       
       Doch selbst konservative Schätzungen zeichnen ein anderes Bild: Mindestens
       400.000 Militärangehörige sollen bereits nach Russland zurückgekehrt sein.
       Zu diesem Ergebnis kommen die Journalist:innen von Novaya Gazeta
       Europe. Sie verglichen die wenigen veröffentlichten offiziellen Angaben mit
       ihren eigenen Berechnungen.
       
       Obere Schätzungen sprechen sogar von bis zu 800.000 Rückkehrern. Auch die
       Analysten des Conflict Intelligence Teams (CIT), eine russische
       oppositionelle Plattform für investigativen Journalismus, halten eine Zahl
       von 500.000 bis 800.000 Rückkehrern für plausibel.
       
       Weil die Evakuierung Verwundeter unter Drohnen- und Artilleriebeschuss so
       schwierig ist, [4][sterben an der Front] in der Ukraine im Verhältnis mehr
       Schwerverwundete als in modernen westlichen Kriegen. Laut dem
       Militärexperten Dmitri Kusnezow von Meduza ähnelt die Quote sogar[5][ der
       aus dem Zweiten Weltkrieg].
       
       Bis Anfang 2026 sollen laut Schätzungen circa 476.000 Soldaten entweder
       schwer verwundet worden sein oder dauerhafte Behinderungen erlitten haben.
       Das US-amerikanische Center for Strategic and International Studies (CSIS)
       geht sogar von bis zu 900.000 Verwundeten aus.
       
       ## Etwa 700.000 russische Soldaten an der Front
       
       Aus welchen Einheiten die verwundeten Soldaten genau stammen, ist in den
       meisten Fällen nicht rekonstruierbar. Anders sieht es aus bei der
       Rekrutierung von Strafgefangenen und freiwillig angeworbenen Söldnern der
       Wagner-Gruppe. Dabei sind die ersten Kriegsjahre vergleichsweise gut
       dokumentiert, wie Recherchen von Mediazona und der BBC belegen. Beide
       Redaktionen erhielten Listen der Entschädigungszahlungen, die nach dem Tod
       der Kämpfer an deren Familien ausgezahlt wurden.
       
       Demnach sollen mindestens 48.366 Soldaten aus Strafkolonien stammen. Davon
       kamen bis Juli 2023 mehr als 17.251 Soldaten ums Leben. Zwischen Juli 2022
       und Juli 2023 starben zudem etwa 2.400 bis 2.500 freiwillig angeworbene
       Wagner-Söldner. Insgesamt durchliefen circa 78.000 Personen die
       Wagner-Gruppe bis zu ihrer Auflösung.
       
       Ende Juni 2023 kam es zum Aufstand der Wagner-Gruppe unter Jewgeni
       Prigoschin, der scheiterte. Nach seinem Tod wurde die Privatarmee
       zerschlagen, ehemalige Einheiten stehen seitdem unter staatlicher Kontrolle
       des russischen Verteidigungsministeriums.
       
       In den letzten Jahren entsprach die Zahl der neu angeworbenen
       Vertragssoldaten in der russischen Armee in etwa den Verlusten oder
       überstieg diese sogar. Dadurch konnte der Kreml die Stärke seiner Truppen
       in der Ukraine bei etwa 700.000 Soldaten stabil halten. Sollte sich an
       diesem Kräfteverhältnis aus Verlusten und Nachschub nicht grundlegend etwas
       ändern, könnten nach Kriegsende diese etwa 700.000 Soldaten mit
       Kampferfahrung von der Front zurückkehren. Viele von ihnen sind
       traumatisiert, Konflikte im Zivilleben sind dann vorprogrammiert.
       
       ## Zurückgekehrte Soldaten werden häufiger kriminell
       
       Denn was mit den russischen Veteranen nach ihrer Rückkehr geschieht, wird
       in Russland öffentlich nicht diskutiert. Bereits zuvor [6][hatte Novaya
       Gazeta Europe] etwa 8.000 Gerichtsurteile gegen Veteranen dieses Krieges
       ausgewertet.
       
       Demnach begehen ehemalige Soldaten im Vergleich zur übrigen männlichen
       Bevölkerung auffallend häufig Tötungsdelikte und schwere Körperverletzungen
       mit gravierenden Folgen.
       
       Auch über die zurückgekehrten Schwerverwundeten spricht man im Kreml
       ungern. Selbst nach der vorsichtigsten Schätzung kehren monatlich etwa
       5.000 verwundete Soldaten von der Front zurück, was etwa 60.000 pro Jahr
       entspricht. Die tatsächliche Zahl könnte noch weit höher liegen.
       
       Das britische International Institute for Strategic Studies (IISS) schätzt,
       dass es allein im Jahr 2025 circa 100.000 russische Verwundete gegeben
       habe. Offizielle Angaben zur Zahl der Gefallenen oder der in ihre Heimat
       zurückgekehrten Soldaten veröffentlichen die russischen Behörden nicht.
       
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       29 Jul 2026
       
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       ## AUTOREN
       
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