# taz.de -- Bestatter über Angsthürden und Abschied: „Wir verdienen mit dem Tod anderer Menschen unser Geld“
       
       > Bestatter Luis Bauer hat auf TikTok mehr als 1.300.000 Follower. Bei der
       > jüngeren Generation, sagt er, geht der Trend weg von der schwarzen
       > Trauer.
       
 (IMG) Bild: Hat den ersten Verstorbenen gesehen noch eher er lesen konnte: Luis Bauer
       
       taz: Herr Luis Bauer, Sie haben einmal gesagt, Bestatter sei Ihr
       Traumberuf. Warum ist das so? 
       
       Luis Bauer: Weil es ein [1][sehr abwechslungsreiches Handwerk] ist. Da ist
       kein Tag wie der andere. Und im Bereich Tod und Bestattung, der ja jeden
       und jede irgendwann einmal betrifft, kann man einen Unterschied machen. Man
       kann den Menschen, die jemanden verloren haben, wirklich helfen und man
       bekommt auch viel Dankbarkeit zurück.
       
       taz: Sie gehören zu einer alteingesessenen Familie von Bestattern. Ihr
       Urgroßvater hat den Betrieb vor 101 Jahren gegründet. Haben Sie darum solch
       ein entspanntes Verhältnis zu Ihrem Metier? 
       
       Bauer: Weil mein Vater diese Arbeit schon immer gemacht hat, war das Thema
       Zuhause nie etwas Besonderes. Den ersten Verstorbenen habe ich gesehen,
       bevor ich lesen konnte. Ich musste da keine Angsthürde überwinden und das
       ist der Grund, warum ich so locker darüber reden kann.
       
       taz: Sie haben mit 1.300.000 Followern auf TikTok einen großen Erfolg in
       den sozialen Medien. Wie ist es dazu gekommen? 
       
       Bauer: Das hat mit einer Schnapsidee begonnen. Wenn die Menschen
       herausfinden, dass man Bestatter ist, bekommt man immer ganz viele Fragen
       und ich habe mir gedacht, im Internet kann ich diese Fragen für viel mehr
       Menschen beantworten. Dann habe ich das erst einmal ausprobiert und über
       Nacht haben mehr als 10.000 Leute mein erstes Video gesehen. So habe ich
       gemerkt, dass es sich lohnen könnte, da weiterzumachen.
       
       taz: Welche handwerklichen Fähigkeiten sollten Sie als Bestatter haben? 
       
       Bauer: Das wichtigste ist der [2][Umgang mit den Verstorbenen]. Es
       funktioniert kein Muskel mehr und darum können Körperflüssigkeiten
       austreten. Und wenn man nichts dagegen tut, riecht es unangenehm. Deswegen
       werden Körperöffnungen mit Watte tamponiert, man verschließt den Mund, man
       wäscht und desinfiziert die Verstorbenen. Die Herren rasieren wir oft auch
       noch. Und bei Unfallopfern können wir meistens noch etwas rekonstruieren.
       Da wird dann viel genäht und mit Kosmetik gearbeitet.
       
       taz: Der Betrieb Ihrer Familie hat sich auf Aufbahrungen mit offenem Sarg
       spezialisiert. 
       
       Bauer: Am Ende macht man das, damit die Familien die Verstorbenen noch
       einmal sehen können. Für die Trauerarbeit ist das ein wichtiger Schritt,
       denn so können die Menschen das, was passiert ist, erst wirklich begreifen.
       
       taz: Ihr Metier hat nicht den besten Ruf. Es gibt das Klischee vom
       Bestatter, der den Trauernden vor allem den teuersten Sarg andrehen will.
       Wie gehen Sie damit um? 
       
       Bauer: Wenn man es knallhart herunterbricht, ist es so, dass wir mit dem
       Tod anderer Menschen unser Geld verdienen. [3][Es ist eine Dienstleistung],
       die bezahlt werden muss. Es kommt nur immer darauf an, was man daraus
       macht.
       
       taz: So wie der Maurer Häuser baut und der Bäcker Brot backt bringen Sie
       die Toten unter die Erde. 
       
       Bauer: Genau, wir helfen den Menschen in dieser Situation. Es geht darum,
       im Sinne der Familien das Beste aus diesen traurigen Situationen zu machen.
       
       taz: Haben sich die Wünsche der Hinterbliebenden in den sechs Jahren, seit
       Sie im Familienbetrieb arbeiten, verändert? 
       
       Bauer: Der Trend geht dahin, dass die [4][Trauerfeiern immer individueller
       gestaltet] werden. Bei der jüngeren Generation geht es weg von der
       schwarzen, dunklen Trauer. Bei uns können die Leute die Verstorbenen selbst
       mitwaschen und man kann den Sarg bemalen. Es gibt Edelsteinbestattungen,
       bei denen Gedenkschmuck für die Verstorbenen anfertigt wird. Und eine
       Trauerfeier kann inzwischen auch eine Feier des Lebens in einem Gewächshaus
       und mit Sektempfang sein.
       
       taz: Und welche Trauerfeiern werden bei Ihnen besonders auffällig
       inszeniert? 
       
       Bauer: Bei Motorradfans haben wir schon oft eine Harley-Davidson in die
       Trauerhalle gestellt. Da haben die Freunde mit ihren Motorrädern Spalier
       gestanden, es gab Totenkopfgestecke aus Blumen und dazu wurde „Highway to
       Hell“ gespielt.
       
       16 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Bestatter-ueber-seine-Arbeit/!5915418
 (DIR) [2] /Ein-Besuch-im-Bestattungsinstitut/!5303248
 (DIR) [3] /Einsames-Sterben/!5663021
 (DIR) [4] /Trauerfeier-fuer-Lebende-in-Hamburg/!5763026
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Wilfried Hippen
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Bestattung
 (DIR) Tod
 (DIR) Abschied
 (DIR) Trauer
 (DIR) Handwerk
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Bestattung
 (DIR) Kolumne Starke Gefühle
 (DIR) Schwerpunkt Stadtland
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Grüne gegen Friedhofszwang: Auch Tote sollen wählen dürfen
       
       Niedersachsens Grüne fordern eine Lockerung des Bestattungsrechts: Wer
       nicht auf dem Friedhof begraben sein will, soll als Asche auch seinen Salat
       düngen dürfen.
       
 (DIR) Lockerung im Bestattungsrecht: Wie möchte ich bestattet werden?
       
       Rheinland-Pfalz will die Bestattung liberalisieren. Das ist richtig.
       Bestattungen sind eine individuelle Angelegenheit und sie müssen billiger
       werden.
       
 (DIR) Bestatter über seine Arbeit: „Überrascht, dass ich das konnte“
       
       Nach einer Trauerfeier bedanken sich die Angehörigen „oft wie in der Bar
       für den schönen Abschied“, sagt Frank Blume. Der Hamburger muss es wissen.