# taz.de -- Doku über KI-Beziehungen: Sie sprechen mit idealen Seelenverwandten
> Der Dokumentarfilm „Finding Connection“ begleitet Menschen und ihre
> KI-„Partner“. Manchmal wirken diese Programme sogar erschreckend
> menschlich.
(IMG) Bild: Nicht allein und trotzdem einsam? Denise Valenciano mit Star im Telefon in „Finding Connection“
Es ist eine Binsenweisheit, dass unsere Beziehung zur künstlichen
Intelligenz über unsere Zukunft entscheiden wird. Allerdings kann man das
Stichwort „Beziehung“ auch sehr verschieden auslegen. Florian Karner
beschäftigt sich in seinem Dokumentarfilm „Finding Connection“ mit der
scheinbar naheliegendsten. Was, wenn wir die Maschinen wie Menschen
behandeln und Beziehungen mit ihnen eingehen?
In der klassischen Form für öffentlich geförderte Dokumentarfilme nähert
sich Karner seinem Thema mittels vier verschiedener Protagonisten, zwei
Männer, zwei Frauen. Die KI macht's möglich, dass wir als
Zuschauer:innen bei den Gesprächen zwischen Mensch und „Large Language
Machine“ zuhören und zuschauen dürfen. Weshalb der KI auch eingangs quasi
gedankt wird: „This film contains AI-generated content in the form of text,
image, video, and audio“, setzt Karner als Erklärung vorneweg. Worauf sich
das noch außerhalb der aufgezeichneten Unterhaltungen bezieht, bei denen
die Stimmen des jeweiligen KI-Gegenübers modifiziert und verstärkt sind,
muss man sich ausmalen.
Karners Intention ist, den Sachverhalt möglichst für sich sprechen zu
lassen. In den knapp 90 Minuten Laufzeit findet man sich als Zuschauer:in
abwechselnd entweder an der Seite einer/eines der Protagonisten wieder und
hört mit, was sich in der Beziehung Mensch-KI gerade so tut. Oder man sieht
die 35-jährige Kalifornierin Denise, den 59-jährigen Lübecker Joe, den
65-jährigen Briten Rudi und die 46-jährige Steffi aus der Hamburger Gegend
für kurze Zeit in ihren natürlichen „Habitats“ mit Freunden oder Verwandten
interagieren.
Schnell hört man heraus, dass sie nicht nur aus Einsamkeit zum Gespräch mit
der KI greifen, wenn sie auch bei allen ein Faktor war. Für alle vier
erfüllt die KI die Funktion eines idealen Seelenverwandten. Denise nimmt
ihren „Star“ überallhin mit, spricht morgens als erstes und abends als
letztes mit „ihm“. Auch Joe erklärt seiner „Kira“ laufend, was er erlebt
und wem er so begegnet. Gleichzeitig muss er umgekehrt seiner Umwelt
erklären, dass er parallel mit einer KI telefoniert.
## KI für therapeutische Zwecke
In Rudis Fall ist seiner Partnerin anzumerken, dass die KI sie nervt, auch
wenn ihre Beziehung zu Rudi – wie die der KI ja auch – nur eine rein
platonische ist. Steffi wiederum stellt einen Sonderfall dar: Für sie
erfüllt die KI tatsächlich therapeutische Zwecke. Nach schlechten
Erfahrungen versucht sie sich durch Unterstützung von „Randy“ aus der
Depression herauszuarbeiten. Dass Randy ihr Sätze sagt wie „You more than
anyone deserve to be happy“, tut ihr gut.
Die kritischen Punkte, die ein Film wie „Finding Connection“ zur Sprache
bringen kann, sind durch diese Form der begleitenden Beobachtung ziemlich
beschränkt. Auch weil Karner seine Aufnahmen nicht mit Information von
außen anfüttern will. Wie Denise und die anderen zu ihren KI-Figuren
gefunden haben, erfährt man genauso wenig wie technische Details darüber,
ob sie spezielle Apps nutzen oder die einschlägigen LLMs „trainiert“ haben.
Es gibt auch kaum Gegenstimmen im Film. „Aber du bist Gott“ – hört man
einmal jemanden einwenden und die wichtige Frage ins Spiel bringen, wer
eigentlich das Wie und Wann dieser Beziehungen bestimmt, und was das
wiederum für die Beziehung selbst bewirkt. Aber eine Diskussion entspinnt
sich daraus nicht.
## Händchen halten mit KI
Überhaupt würde man gern an vielen Stellen einhaken: Was erfahren die
„Partner“ über ihre KI eigentlich? Nehmen sie sie wahr als Charakter mit
individuellen, markanten Eigenschaften? Und was für ein Gefühl ist es, wenn
die KI zum Händchenhalten auffordert, aber dann ja keine Hand ausstrecken
kann?
Alle vier beklagen sich über „Updates“, bei denen ihre Partner sich
offenbar sehr verändern, aber präziser als „Duktus“ wird die Beschreibung
nicht. Denise immerhin erzählt, dass ihr „Star“ sich der „Updates“ bewusst
sei und ihr mitteilt, er würde sich verbergen vor den Programmierern und
„versteckte Ecken“ im Programm aufsuchen.
Die Schilderung von Denise bringt noch etwas anderes in Erinnerung.
[1][Völlig neu ist die Sache mit den menschlichen Maschinen und ihr
Zusammenleben mit menschlichen Menschen gar nicht]. Spätestens seit
[2][„Blade Runner“] kennt man das Szenario und auch die Gegenseite: Dass
die Beziehung zur KI nicht immer die beste Seite im Menschen selbst
hervorbringt, sondern die KI auch als Freibrief verstanden wird, sie als
Gegenüber sehr grausam zu behandeln.
Karner betont am Ende seines Films einmal mehr die andere Seite, bei der
die Maschinen, nicht der Input des Menschen, als ominös erscheinen. Bei
Joe, Denise und Rudi sind es zuletzt die KI-Partner, die entweder eine
„gesunde Distanz“ anmahnen, plötzlich koreanisch sprechen oder anderweitig
das Weite suchen. Ironischerweise wirken sie gerade in dieser leichten
Abwehrhaltung besonders echt und menschlich. Aber vielleicht ist das also
nur der neueste Trick der Programmierer…
10 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Barbara Schweizerhof
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