# taz.de -- Glaube an Veränderung: Hoffnung ist eine bewusste Entscheidung
       
       > Ein Jahr lang hat unsere Kolumnistin regelmäßig nach Dingen gesucht, die
       > ihr Hoffnung machen. Dabei hat sie gemerkt, dass man Hoffnung lernen
       > kann.
       
 (IMG) Bild: Hoffnung: Am 25.Januar 2026 gingen in Berlin Tausende Menschen auf die Straße, um gegen den Rechsruck zu demonstrieren
       
       Ein Jahr lang habe ich für diese Kolumne jeden Monat nach etwas gesucht,
       das Hoffnung macht. Das klingt im Rückblick schöner, als es manchmal war.
       Es gab Tage, da musste ich ziemlich lange suchen.
       
       An Tagen, in denen Kriege eskalierten, Menschen hingerichtet wurden,
       Demokratien bröckelten und Rechtsextreme stärker wurden. An Tagen, an denen
       politische Entscheidungen getroffen wurden, bei denen mir beim besten
       Willen nicht einfallen wollte, was daran Hoffnung machen sollte. Manchmal
       saß ich vor meinem leeren Dokument und dachte: Wie soll ich da Hoffnung
       finden?
       
       Ich habe mit dieser Kolumne gelernt, dass Hoffnung nicht das ist, was übrig
       bleibt, wenn alles gut läuft. Hoffnung ist [1][eine bewusste Entscheidung],
       die wir treffen. Und mehr noch: Hoffnung ist etwas, das wir lernen können,
       vielleicht sogar lernen müssen.
       
       Hoffnung ist nicht naiv. Sie bedeutet nicht, uns die Realität schönzureden,
       Leid kleinzureden oder uns selbst einzureden, dass am Ende schon irgendwie
       alles gut werden wird. Im Gegenteil: Wer hofft, muss sich die Realität
       ziemlich genau ansehen, sonst weiß man schließlich gar nicht, wofür man
       kämpft.
       
       ## Allem zum Trotz
       
       In dieser Kolumne habe ich über Menschen geschrieben, die trotz Krieg
       feiern. Über Frauen, die trotz Repressionen auf die Straße gehen; über
       Proteste, die Regierungen unter Druck setzen; über Männer, die anfangen,
       gegen Gewalt an Frauen aufzustehen; über Menschen, die sich gegen
       Abschiebungen wehren, gegen Rassismus demonstrieren, queere Räume
       verteidigen oder einfach immer wieder aufstehen, obwohl sie allen Grund
       hätten, liegenzubleiben.
       
       Und irgendwann habe ich gemerkt: Die Hoffnung war die ganze Zeit immer da.
       Sie lag nicht unbedingt in politischen Entscheidungen oder in Regierungen
       oder Schlagzeilen. Sie lag die ganze Zeit [2][bei den Menschen].
       
       Das hat auch verändert, [3][wie ich Nachrichten lese]. Ich suche heute
       nicht mehr nur nach dem, was schiefgeht. Ich frage mich jetzt: Wer
       widerspricht da gerade? Wer organisiert sich? Wer gibt nicht auf? Wo
       verändert sich vielleicht gerade etwas zum Guten? Wo kämpfen Menschen für
       eine bessere Welt?
       
       Manchmal musste ich die Hoffnung dafür regelrecht herbeizwingen. Und ich
       glaube inzwischen, dass auch das in Ordnung ist. Denn gerade jetzt ist es
       wichtig, nicht darauf zu warten, dass die Hoffnung von alleine kommt.
       
       ## Veränderung ist möglich
       
       Die kommenden Landtagswahlen werden uns wahrscheinlich viele Gründe
       liefern, Angst zu haben. Rechte Parteien werden weiter versuchen, unsere
       Gesellschaft davon zu überzeugen, dass Solidarität Schwäche sei, Migration
       eine Bedrohung und Menschenrechte unrealistisch. Sie werden uns erzählen,
       dass Gerechtigkeit unmöglich ist. Genau deshalb dürfen wir ihnen nicht auch
       noch unsere Hoffnung überlassen.
       
       Hoffnung ist politisch. Hoffnung ist Widerstand. Wer glaubt, dass nichts
       mehr verändert werden kann, wird irgendwann aufhören, es zu versuchen. Wer
       aber daran glaubt, dass Veränderung möglich ist, wird aktiv. Meine Kolumne
       endet hier, aber meine Suche nach Hoffnung hört nicht auf. Aus Prinzip.
       
       9 Aug 2026
       
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       ## AUTOREN
       
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