# taz.de -- Medizinische Forschung: Künstliche Intelligenz designt bakterientötende Viren
       
       > Forschende haben mit KI Viren geschaffen, die es so in der Natur noch
       > nicht gab. Die Methode könnte Behandlungen verbessern, birgt aber auch
       > Risiken.
       
 (IMG) Bild: 3D-gerenderte Illustration einer Konvergenz zu einem Bakteriophagen
       
       Schon für sich genommen lösen die Begriffe KI, Viren und Genmanipulation
       bei vielen Unbehagen aus. Wirft man sie jedoch zusammen, landet man bei
       bahnbrechender Forschung. Und zwar zu KI-designten Bakteriophagen. Diese
       Viren nisten sich in Bakterien ein und können sie von innen töten.
       
       Dass die Bakteriophagen nun von KI-Modellen entworfen werden, geht über den
       bisherigen Einsatz von KI-Modellen in der Biotechnologie hinaus. [1][Bis
       dato wurde KI zum Beispiel verwendet], um Wirkstoffe zusammenzustellen oder
       herauszufinden, welches Molekül ein Medikament ansteuern muss, um
       Krankheitserreger zu bekämpfen.
       
       Immer öfter lernen KI-basierte DNA-Sprachmodelle nun aber auch,
       DNA-Sequenzen wie einen Text zu lesen. Sobald sie den genetischen Code
       geknackt haben, sind sie in der Lage, selbst neue Sequenzen zu generieren.
       Das heißt, sie können Genome designen, die realistisch und funktionsfähig
       sind, aber in dieser Form in der Natur noch nie existiert haben.
       
       ## Die Studie
       
       [2][Forschende der Universität Stanford] haben nun zwei etablierte
       DNA-Sprachmodelle von 2024 und 2025 – Evo 1 und Evo 2 – mit knapp 15.000
       Genomen von Bakteriophagen trainiert. Nach dem Training ließen die
       Forschenden Tausende neue künstliche DNA-Sequenzen für potenzielle
       Bakteriophagen generieren und versuchten, jene herauszufiltern, die im
       Kampf gegen Darmbakterien vielversprechend schienen.
       
       Das Ergebnis: 302 DNA-Sequenzen. In Labortests wurde dann ermittelt, ob die
       KI-Bakteriophagen überleben und Darmbakterien erfolgreich abtöten können.
       Und tatsächlich: Die KI hatte 16 lebens- und funktionsfähige Phagen
       designt.
       
       ## Was bringt’s?
       
       Natürliche Bakteriophagen werden schon heute eingesetzt, um bakterielle
       Infektionen zu behandeln. Vor allem gegen multiresistente Bakterien. Wenn
       solche Bakteriophagen nun mit KI an das jeweilige Bakterium angepasst
       werden können, erweitert und beschleunigt das Behandlungsmöglichkeiten. 
       
       Bei der vorliegenden Studie ging es nur um Phagen mit extrem kleinen
       Genomen. Die KI-designten Phagen hätten zwar bisher nicht in der Natur
       existiert, durch sie seien aber auch keine gänzlich neuen biologischen
       Funktionen geschaffen wurde, [3][sagt Harald König vom Institut für
       Technikfolgenabschätzung in Karlsruhe.] Gezielt komplexe Eigenschaften oder
       neue Organismen zu designen, sei noch nicht möglich.
       
       [4][Dennoch birgt die KI-basierte, synthetische Genomik Gefahren.] Eine der
       zentralen Befürchtungen ist laut König, dass sich durch KI-Modelle
       Krankheitserreger wie pandemische Viren gezielt verbessern lassen oder sich
       gar völlig neue Erreger generieren ließen. Als biologische Waffen
       eingesetzt, könnten sie enormen Schaden anrichten.
       
       22 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Medizinische-Forschung-KI-koennte-die-Anzahl-von-Tierversuchen-deutlich-verringern/!6178253
 (DIR) [2] https://www.science.org/doi/10.1126/science.aec2657
 (DIR) [3] https://www.sciencemediacenter.de/angebote/bakteriophagen-mithilfe-von-genom-sprachmodellen-erstellen-26195
 (DIR) [4] https://www.volkswagenstiftung.de/de/veranstaltungen/ki-trifft-synthetische-biologie-chance-oder-risiko
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Hannah Marlene Göschel
       
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