# taz.de -- Medizinische Forschung: KI könnte viele Labortiere ersetzen
> Eine neue Anwendung von KI könnte die Zahl der Tierversuche deutlich
> verringern. Über 30 Prozent weniger Mäuse könnten dann für Experimente
> nötig sein.
(IMG) Bild: Zum Training der KI nutzten die Wissenschaftler vorhandene Daten aus einer an Mäusen durchgeführten Studie
kna | Eine neue Anwendung von Künstlicher Intelligenz könnte den Tod von
Abertausenden [1][Labormäusen] in Deutschland verhindern. „Künftig könnten
(…) bei der Testung neuer Wirkstoffe zwischen 30 und 50 Prozent weniger
Versuchstiere benötigt werden“, kündigten die Entwickler von der
Goethe-Universität Frankfurt, der Philipps-Universität Marburg und des
Fraunhofer-Instituts für Translationale Medizin und Pharmakologie am Montag
an.
Die KI namens genESOM wurde den Angaben zufolge darauf trainiert, die
Struktur kleiner Datensätze zu lernen. Das Gelernte nutze die KI, um neue
sogenannte Datenpunkte zu erzeugen. Diese Datenpunkte geben demnach die
Eigenschaften der im Versuch erhobenen Daten so korrekt wieder, als ob sie
ebenfalls im Laborexperiment erhoben worden wären. Der experimentell
gewonnene Datenschatz wird damit größer. So wird simuliert, dass die Zahl
der Tiere im Versuch größer war als in echt. Das Programm fußt auf einem
Netzwerk Tausender künstlicher Neuronen.
## Eingebaute Fehlerüberwachung
Zum Training der KI nutzten die Wissenschaftler vorhandene Daten aus einer
beim Fraunhofer-Institut an Mäusen durchgeführten und bereits
veröffentlichten Studie. Ein großer Innovationsschritt sei dabei auch die
Integration einer Fehlerüberwachung gewesen, so die Entwickler.
Der Frankfurter Datenwissenschaftler und klinische Pharmakologe Jörn Lötsch
spricht von einem wichtigen Beitrag zum Verringern der Tierversuchszahlen
in großen Bereichen der präklinischen Forschung. Er weist jedoch darauf
hin, dass genESOM nur aus den Daten lernen könne, die in [2][realen
Tierexperimenten] gewonnen worden seien.
Auch lasse sich mit der Technik die Zahl der Versuchstiere nicht beliebig
reduzieren, so Lötsch: „Wenn man zu wenige Tiere ins Experiment aufnimmt
und die Anzahl dann durch generative KI einfach ergänzt, könnte das
Experiment wegen der Verstärkung von Zufallsbefunden sehr schnell
wissenschaftlich wertlos werden.“
11 May 2026
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