# taz.de -- Nabu-Ranking: Kreuzfahrer in der Klimaapokalypse
> Der Nabu bewertet mal wieder die Anbieter von Kreuzfahrten. Wo ließe sich
> der Umweltkollaps auch besser beobachten, als vom Deck eines schwimmenden
> Klimakillers?
(IMG) Bild: Die Folgen dieser Art von Urlaub lassen sich am besten in der Antarktis betrachten
Die Meldung wirkt auf den ersten Blick bizarr: Der Naturschutzbund
Deutschland (Nabu) veröffentlicht ein Umweltranking für
Kreuzfahrtreedereien. Fast könnte man meinen, die traditionell auch für die
Wahl zum Vogel des Jahres zuständige Umweltorganisation will heuer die
eigene Vollmeise zum Sieger küren. Denn noch 2011 hat derselbe
Naturschutzbund spöttisch den Dinosaurier des Jahres an die Unternehmen
Aida und TUI Cruises verliehen, deren Dampfer pro Kreuzfahrt so viele
Schadstoffe wie fünf Millionen Autos ausstießen.
Der [1][schlechte Ruf von Kreuzfahrten] allgemein speist sich nicht nur aus
ökologischen, sondern auch sozialen Erwägungen. Auf den Schiffen tummeln
sich keine armen Leute. Die meisten sind Mittelschichtler, die sich zwar
kein kleines Privatflugzeug leisten können, aber dafür eine teure
Kreuzfahrt.
Die weltweite Zahl an Kreuzfahrtpassagieren stieg im vergangenen Jahr noch
einmal um 7,5 Prozent auf den historischen Höchstwert von 37,2 Millionen.
Die Branche brummt, die Biene nicht – das ist das Fazit, das Mutter Natur
ziehen würde, wenn sie denn noch japsen könnte.
Die Initiative des Nabu ist also, so möchte man meinen, als ob die Deutsche
Veganer-Innung eine Liste mit den besten Biometzgern veröffentlicht. Oder
die Polizei in einem Ranking die freundlichsten und nachhaltigsten
Verbrecherbanden empfiehlt, denen man sich doch getrost anschließen möge
(Wir entscheiden uns natürlich für die Letzte Generation).
## Der schlechte Mensch
Doch auf den zweiten Blick ergibt das durchaus Sinn. Der Mensch ist von
Natur aus schlecht. Ebenso weist er seit tausend Jahren eine originäre
Neigung zu Kreuzzügen, -reisen und -fahrten aller Art auf. Will meinen: Er
macht es sowieso. Vernunft, Einschränkung, gesundes Maß sind für ihn keine
Kategorien. Da kann sich der Nabu auf den Kopf stellen. Also übt der sich
wenigstens in Schadensbegrenzung.
„If you can’t beat them join them“, wusste schon in den 1930er Jahren der
US-Senator James E. Watson. Der Satz ist auch ein Songtitel der britischen
Rockband Queen, ebenso wie ein offensichtlicher Grundsatz der Politik des
aktuellen US-Präsidenten Donald Trump. Verbünde dich mit dem Feind, Grüße
aus Vichy.
Geht man durch die Nabu-Bewertungen der [2][Kreuzfahrtanbieter], hat sich
am meisten in der Nutzung von Landstrom während der Liegezeiten, sowie bei
allgemeinen Klima- und Effizienzmaßnahmen getan. Bei anderen Kriterien von
Klimaziel über Schwerölstopp bis Luftreinhaltung sieht es hingegen
reichlich mau aus.
Von den siebzehn zu erreichenden Punkten kommen die Testsieger, oder besser
Testnichtverlierer Havila und Hurtigruten auf gerade mal 7,5 bzw. 7,25
Punkte. Überraschendes Ergebnis: Kreuzfahrt nix gut, nach wie vor.
## Auf zur Antarktis
Ein achtzehnter, eher psychologischer Pluspunkt, der in der Nabu-Liste gar
nicht auftaucht, da er nur die Passagiere betrifft: Gerade in der Antarktis
können sich die Kreuzfahrer eins zu eins die Folgen ihres Tuns reinziehen.
Abbrechendes Packeis, schmelzende Gletscher, schwitzende Pinguine. Da
stehen sie nun an der Reling und gucken sich die Bescherung an.
„Schlimm, schlimm“, murmelt die eine. „Auweia“, der andere. Und die Klügste
(oder „Wokste“, wie die Rechten sagen) bemerkt: „Ist das nicht eigentlich
[3][superscheiße, was wir hier gerade machen?]“
„Aber irgendjemand muss die Katastrophe doch auch dokumentieren“, quakt da
ein ganz Naseweiser. „Sind wir Journalisten?“, fragt zu Recht jetzt wieder
die Kluge. „Nein“, sagt der, der vorher, „auweia“, gesagt hat, „aber der
das hier gerade schreibt, ja genauso wenig.“ Auf dieses Totschlagargument
hin schweigen alle. Bloß in der Ferne schreit ein Seebär um Hilfe. Zum
Glück läutet der Bordgong nun zum Captain’s Dinner.
Vielleicht erledigen sich die Kreuzfahrten ja auch irgendwann selbst: In
der Antarktis gibt es nichts mehr zu sehen, die Seychellen sind auch weg,
und schon in diesem Sommer scheitern die in den vergangenen Jahren immer
beliebter gewordenen Flusskreuzfahrten wiederholt am Niedrigwasser. Der
Klimawandel frisst seine Verursacher. Und zwar nachhaltig.
7 Aug 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Kreuzfahrtschiffe-in-Hamburg/!6161786
(DIR) [2] /Die-Verstaendnisfrage/!5944600
(DIR) [3] /Einsatz-fossiler-Brennstoffe/!6019680
## AUTOREN
(DIR) Uli Hannemann
## TAGS
(DIR) Kreuzfahrt
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Urlaub
(DIR) talkshow
(DIR) Reden wir darüber
(DIR) Nabu
(DIR) Reisen
(DIR) Hamburg
(DIR) Schwerpunkt Klimawandel
(DIR) Kreuzfahrt
## ARTIKEL ZUM THEMA
(DIR) Deutsche reisen kürzer: Wo soll das nur hingehen?
Weniger Fern- und Flugreisen, mehr Trips im eigenen Land: Eine aktuelle
Auswertung des Statistischen Bundesamts zeigt, wie die Deutschen am
liebsten reisten.
(DIR) Kreuzfahrtschiffe in Hamburg: „Mit Kreuzfahrten wird ein Haufen Geld verdient“
Die Kreuzfahrtbranche boomt. Das macht es einfacher, sie zur Nachhaltigkeit
zu verpflichten, sagt Nabu-Chef Malte Siegert.
(DIR) Einsatz fossiler Brennstoffe: Kreuzfahrt bleibt Klimasünde
Die schwimmenden Hotels sind trotz Bestrebungen der Branche für die Umwelt
weiterhin nicht zu empfehlen. Das zeigt das Nabu-Ranking 2024.
(DIR) Die Verständnisfrage: Urlaub auf Kosten der Umwelt?
Warum Menschen umweltschädliche Kreuzfahrten machen, fragt eine Leserin.
Ein Kreuzfahrer antwortet, dass sich auf den Schiffen schon viel getan
habe.