# taz.de -- Mietenwahnsinn in Berlin: Keine Wohnungen, keine Azubis
       
       > Berliner Unternehmen finden immer öfter keine Azubis – auch weil es nicht
       > genügend bezahlbare Wohnungen gibt. Abhilfe könnte ein Azubiwerk
       > schaffen.
       
 (IMG) Bild: Eine der wenigen begehrten Azubi-Wohnungen in Berlin
       
       Überhöhte Mieten werden zunehmend zu einem Problem für die Gewinnung
       zukünftiger Fachkräfte. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie zu
       Wohnraumbedarf von Auszubildenden, die die Industrie- und Handelskammer am
       Mittwoch präsentierte. Demnach gaben über 45 Prozent der Unternehmen an, in
       den letzten fünf Jahren Auszubildende verloren zu haben, die aufgrund
       fehlender Wohnmöglichkeiten ihre Stelle nicht antreten konnten oder
       kündigen.
       
       Ihr Betrieb investiere viel Zeit und Ressourcen dafür, junge Menschen für
       eine Ausbildung zu gewinnen, sagt Tanja Schirmann, Geschäftsleiterin von
       Plischka Möbeltransporte. Doch in der Praxis erlebe sie oft, [1][dass
       Ausbildungsverhältnisse an Rahmenbedingungen scheitern,] die der Betrieb
       alleine nicht kontrollieren könne. Dazu gehöre das Thema Wohnen. „Wenn
       Auszubildende keinen Wohnraum finden, gehen uns wichtige Nachwuchskräfte
       verloren“, sagt Schirmann.
       
       Mit dem Mythos, dass Azubis gar keinen zusätzlichen Wohnraum benötigten,
       weil sie ohnehin bei den Eltern wohnen könnten, räumt die Studie auf.
       Demnach haben 65 Prozent Bedarf an eigenem Wohnraum. Das liege zum einen an
       dem hohen Anteil an zugezogenen Auszubildenden, zum anderen daran, dass
       viele junge Berliner:innen aus dem Elternhaus ausziehen wollten.
       
       ## Azubiwerk soll Wohnungsnot lindern
       
       Die Studie prognostiziert, dass sich diese Tendenz fortsetzt und aufgrund
       des demografischen Wandels der Anteil zugezogener Azubis weiter steigt. Bis
       2040 sollen dann 71 Prozent Bedarf an einer eigenen Wohnung haben: ein
       jährlicher Bedarf von 3.400 Wohnplätzen.
       
       Die IHK fordert, die Versorgung mit günstigem Wohnraum mit dem Azubiwerk
       voranzutreiben. Derzeit plant die [2][Senatsverwaltung für Arbeit und
       Soziales] (SenASGIVA) die Umsetzung eines solchen, an das Studierendenwerk
       angelegten Versorgungswerkes. Zu Beginn des kommenden Ausbildungsjahrs
       stehen 154 Plätze in [3][Zweier-WGs in einem Wohnheim in der Storkower
       Straße] bereit. In Alt-Wittenau plant die Gesobau ein weiteres Wohnheim mit
       242 Plätzen. Kostenpunkt, 380 Euro brutto kalt für ein teilmöbiliertes
       Zimmer.
       
       Auf dem normalen Wohnungsmarkt gibt es fast keine Wohnungen, die bezahlbar
       wären. Zu diesem Schluss kommt eine weitere, von SenASGIVA [4][in Auftrag
       gegebene Machbarkeitsstudie] von 2025. Demnach betrug der durchschnittliche
       Nettoverdienst eines Auszubildenden 908 Euro. Als ‚bezahlbar‘ gilt eine
       Wohnung, wenn die Miete nicht mehr als ein Drittel des Einkommens beträgt –
       303 Euro also. Die Autor:innen fanden auf sämtliche Plattformen 261
       WG-Zimmer und 987 Wohnungen, die die Kriterien erfüllten – bei über 50.000
       Auszubildenden eine extreme Unterversorgung.
       
       „Es liegt auf der Hand, dass die vorhandenen Plätze nur ein Tropfen auf den
       heißen Stein sind. Hier besteht dringender Handlungsbedarf für die nächste
       Landesregierung“, sagt IHK-Geschäftsführerin Manja Schreiner. Das Azubiwerk
       müsse zum zentralen Steuerungsinstrument für günstigen Wohnraum für Azubis
       gemacht werden.
       
       5 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Berliner-Ausbildungsfoerderfondsgesetz/!6163317
 (DIR) [2] /Berlins-Sozialsenatorin-Cansel-Kiziltepe/!6109927
 (DIR) [3] /Neue-Wohnungen-fuer-Azubis-fertig/!6193725
 (DIR) [4] https://www.berlin.de/sen/arbeit/_assets/top-themen/minor-machbarkeitsstudie-zum-azubiwohnen-in-berlin_2025.pdf
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Jonas Wahmkow
       
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