# taz.de -- +++ Nachrichten im Gazakrieg +++: Drei Jahre unter den Trümmern, nun beerdigt
> 112 Menschen, die 2023 bei einem israelischen Luftangriff getötet wurden,
> werden in Gaza beigesetzt. Derweil stockt die Umsetzung des Plans des
> Friedensrats.
(IMG) Bild: Beerdigung in Gaza-Stadt am 4. Juli 2026
## Israel stimmt Plan des Friedensrats nicht zu
Israel hat laut Ministerpräsident Benjamin Netanjahu dem kürzlich
verkündeten [1][Plan des Friedensrats] zur Entwaffnung der Hamas im
Gazastreifen nicht zugestimmt. Israel sei ein „Entwurf“ zugeschickt worden,
sagte Netanjahu in einer in sozialen Medien verbreiteten Videobotschaft.
„Wir haben nicht zugestimmt.“ Israel habe stattdessen Anmerkungen
geschickt. Details dazu nannte Netanjahu zunächst nicht.
Der israelische Regierungschef äußerte sich damit erstmals öffentlich zu
dem Plan des von US-Präsident Donald Trump gegründeten Friedensrats, der
unter anderem vorsieht, dass die islamistische Terrororganisation Hamas
ihre Waffen abgibt und Israels Armee aus dem Gazastreifen abzieht. Trump
hatte am Freitag mitgeteilt, der Friedensrat habe eine Einigung auf eine
„vollständige Entwaffnung“ der Hamas erreicht. Die Mitteilung wurde
allerdings mit Skepsis aufgenommen.
Streitpunkt ist vor allem der genaue Ablauf der Entwaffnung sowie wann und
wie sich die israelische Armee im Gegenzug dafür aus dem Gazastreifen
zurückziehen soll. Netanjahu betonte nun, dass sich Israels Armee nicht von
ihrer „derzeitigen Linie“ zurückziehen werde, ehe die Hamas nicht
vollständig entwaffnet sei.
Die israelische Armee hat ihre Kontrolle über das Palästinensergebiet in
den vergangenen Monaten von 53 Prozent auf über 60 Prozent ausgeweitet. Die
Zeitung Times of Israel mutmaßte, dass mit Netanjahus Äußerungen gemeint
ist, dass Israel nicht einmal bereit sei, sich nun wieder hinter die
ursprünglich im Rahmen der Waffenruhe vereinbarte Linie zurückzuziehen.
Demnach sieht der Plan des Friedensrats diesen Schritt vor.
Die Hamas wiederum machte die Abgabe schwerer Waffen unter anderem vom
Abzug der israelischen Armee aus dem Gazastreifen abhängig. Ob das Vorhaben
also umgesetzt werden kann, ist alles andere als gewiss. (dpa)
## 112 Menschen im Gazastreifen beigesetzt
In der Stadt Gaza sind 112 Palästinenser beigesetzt worden, deren Leichen
fast drei Jahre nach einem israelischen Luftangriff aus den Trümmern
geborgen wurden. Die Toten wurden am Dienstag bei einem Massenbegräbnis in
der Stadt Gaza beerdigt, wie der Zivilschutz des von der Hamas
kontrollierten Innenministeriums mitteilte.
[2][Demnach gehörten die Opfer zu den mehr als 300 Menschen], die am 22.
November 2023 bei einem Luftangriff auf einen Wohnblock im Stadtteil Sabra
ums Leben kamen. Einsatzkräfte hätten die Leichen nach 136 Stunden Suche am
Wochenende geborgen. Unter den Toten seien 40 Kinder, 30 Frauen und sieben
Menschen mit Behinderungen gewesen. Weitere 157 Menschen werden laut
Zivilschutz noch unter den Trümmern vermisst.
Die Opfer seien getötet worden, weil sie geglaubt hätten, in ihren Häusern
sicher zu sein, sagte der Angehörige Tajsir al-Hassajna der
Nachrichtenagentur AP. Bei den Vermissten sei es so, als hätten sich ihre
Leichen in Luft aufgelöst.
Hunderte Menschen nahmen an der Trauerfeier teil. Die in palästinensische
Flaggen gehüllten Leichen wurden zunächst in Reihen nahe den zerstörten
Gebäuden aufgebahrt und anschließend zu einem nahe gelegenen Friedhof
getragen.
Seit Oktober 2025 gilt eine sogenannte Waffenruhe. Dadurch können im
Gazastreifen auch Leichen geborgen werden, die seit Jahren unter den
Trümmern liegen. Der Leiter der Registrationsabteilung des Ministeriums,
Saher al-Waheidi, sagte der AP, nach Angaben von Angehörigen lägen noch
mindestens 7.400 Tote unter den Trümmern. Wahrscheinlich sei die Zahl sogar
noch deutlich höher. (dpa)
## Strengere Regeln für Luftangriffe im Gazastreifen
Ein Plan des Friedensrats zur Entwaffnung der Hamas sieht ein Ende aller
Kampfhandlungen im Gazakrieg vor – nun gelten für Angriffe der israelischen
Armee auf Mitglieder der Hamas im Gazastreifen israelischen Medien zufolge
strengere Richtlinien. So muss der Generalstabschef Ejal Zamir vorab
zustimmen, außer es gebe eine unmittelbare Gefahr für die Soldaten, meldete
unter anderem die Zeitung Haaretz. Die politische Führung Israels habe die
Vorgaben entsprechend geändert.
Zuvor brauchte es demnach nur die Zustimmung bestimmter Kommandeure. Die
Times of Israel berichtete, die Zahl der Angriffe im Gazastreifen sei in
den vergangenen Tagen aufgrund der neuen Auflage bereits zurückgegangen.
Israels Armee verwies auf Anfrage an die politische Führung, die sich
zunächst nicht zu den Berichten äußerte.
Dass Israel Angriffe auf Ziele im Gazastreifen einstellt, ist Teil eines
Fahrplans des Gaza-Friedensrats, der auch eine Übergabe der Waffen durch
die islamistische Terrororganisation Hamas und andere bewaffnete
Gruppierungen vorsieht. Der Friedensrat wurde von US-Präsident Donald Trump
gegründet und soll den Wiederaufbau des Gazastreifens und die
Nachkriegsordnung in dem palästinensischen Küstengebiet überwachen. (dpa)
5 Aug 2026
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