# taz.de -- Umgang mit Niederlagen: Verlierer, die wir nie vergessen
       
       > Die Sportgeschichte gehört allein den großen Gewinnern. Nur für ganz
       > besonders schlechte Verlierer gibt es einen Platz in der Erinnerung.
       
 (IMG) Bild: Sitzstreik: Mourad Aliev protestiert gegen seine Disqualifikation bei den Spielen in Tokio 2021
       
       Es geht ums Gewinnen. So ist das im Wettkampfsport. Am Ende werden nur die
       Siegenden gefeiert. Bei Olympischen Spielen fällt auch noch ein wenig Ruhm
       auf die Gewinnerinnen oder Gewinner der Silber- und Bronzemedaillen. Aber
       auch da weiß man: Die Zweite ist die beste unter den Verliererinnen. Mehr
       nicht. Brav hat sie den Siegerinnen zu gratulieren und zack: ab in die
       Vergessenheit!
       
       Nur die besonders schlechten Verlierer bleiben in Erinnerung. Haben sich
       die argentinischen Fußballer deswegen so mies benommen [1][nach der Pleite
       im WM-Finale gegen Spanien]? Die Schlägereien nach Abpfiff wird man
       jedenfalls so schnell nicht vergessen. Auch dass die Argentinier sich bei
       der Siegerehrung demonstrativ von den jubelnden Spaniern abgewendet haben,
       ist derart beispiellos, dass den Argentiniern ein Platz in der
       Sportgeschichte sicher zu sein scheint – als besonders schlechte Verlierer.
       
       Natürlich gibt es auch schlechte Gewinner. Als die deutschen
       Nationalspieler [2][nach ihrem WM-Triumph 2014] im Finale gegen Argentinien
       mit gekrümmtem Rücken über das Podium der Fanmeile schlichen und grölten:
       „So gehen die Gauchos, die Gauchos gehen so!“, hielt sich das Entsetzen
       indes in Grenzen. Sie hatten ja gewonnen. Sieger genießen Narrenfreiheit.
       Meistens jedenfalls.
       
       Es gibt aber auch Sieger, die sind eigentlich nur deshalb in Erinnerung
       geblieben, weil sie sich als Verlierer mal danebenbenommen haben.
       Unvergessen sind die zwei Stinkefinger, die der niederländische
       Shorttracker Sjinkie Knegt seinem Bezwinger Victor Ahn bei der EM 2014 in
       Dresden gezeigt hat. Dass Knegt fünf Weltmeistertitel auf dem Eis gewonnen
       hat, kann mit diesem beleidigten Auftritt, für den er dann auch noch
       disqualifiziert wurde, nicht mithalten.
       
       ## Sitzstreik im Ring
       
       Auch an den französischen Boxer Mourad Aliev würde sich die Sportwelt
       wahrscheinlich nicht erinnern, wenn der Superschwergewichtler nach seiner
       Disqualifikation im olympischen Viertelfinale von Tokio 2021 nicht in einen
       einstündigen Sitzstreik im Ring getreten wäre.
       
       Die Herzen gehörten dennoch ihm. Denn die Disqualifikation wegen eines
       Kopfstoßes war ungerechtfertigt, wie der Oberschiedsrichter direkt nach dem
       Kampf einräumte. Weil sich einmal gefällte Entscheidungen aber nicht
       zurücknehmen lassen, blieb Alievs Disqualifikation bestehen. Da fällt
       Fairplay natürlich schwer. Hätte der Franzose seinem britischen Gegner
       Frazer Clarke dennoch brav die Hand schütteln sollen? Hmm.
       
       Ein ähnlicher Aufreger war der Auftritt des schwedischen Ringers Ara
       Abrahamian, der bei der Siegerehrung des Wettbewerbs im
       griechisch-römischen Stil bis 84 Kilo bei den Spielen von Peking 2008 seine
       Bronzemedaille auf die Matte legte und die Halle verlassen hat, bevor die
       Siegerhymne gespielt wurde. Er sei im Halbfinale von der Jury beschissen
       worden, meinte er und witterte eine Verschwörung zugunsten des späteren
       italienischen Olympiasiegers Andrea Minguzzi. Weil er sich nicht an die
       olympischen Faiplay-Regeln gehalten hat, wurde er disqualifiziert.
       
       Im Tennis gehört der Handschlag nach dem Spiel zum Fairplay. Den verweigern
       Ukrainierinnen derzeit ihren russischen Gegnerinnen, egal ob sie gewonnen
       oder verloren haben. Sonst wird brav gratuliert. Ärgern sich Spieler allzu
       sehr über Punkte des Gegners, hat allenfalls der eigene Tennisschläger
       darunter zu leiden. Oder der eigene Kopf. 2008 stand [3][Michail Juschny]
       in Miami kurz vor einer Niederlage gegen den Spanier Nicolas Almagro. Der
       servierte zum Matchgewinn, als Juschny nach einem Fehler seinen Schläger
       derart heftig gegen die eigene Birne drosch, dass sich eine Platzwunde auf
       der Stirn auftat.
       
       Als schlechten Verlierer kann man den Russen deshalb allerdings nicht
       bezeichnen. Nachdem Ärzte die Stirn geflickt hatten, holte sich Juschny
       noch das Spiel und gewann die Partie.
       
       6 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Spaniens-Triumph-im-WM-Finale/!6197475
 (DIR) [2] /Weltmeister-Party-in-Berlin/!5037593
 (DIR) [3] https://de.wikipedia.org/wiki/Michail_Michailowitsch_Juschny
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Rüttenauer
       
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