# taz.de -- Jubelrituale im Sport: Sektdusche mit Schutzbrille
       
       > Sportler benetzen sich nach großen Erfolgen gerne mal gegenseitig mit
       > klebrigen Flüssigkeiten. Das gelingt nicht in allen Fällen wirklich gut.
       
 (IMG) Bild: Ausgelassene Freude auf dem Centre Court: Alexander Zverev gratuliert Jannik Sinner nach den Madrid Open mit einem Tropfen Cava
       
       Zum Sport gehört die Dusche danach. Nach großen Siegen wird meist zweimal
       geduscht. Erst mit Bier, Sekt oder Champagner und danach dann mit Wasser
       und Duschgel. Beim Motorsport wird auch das Publikum geduscht. Wer bei der
       Siegerehrung zu nah am Podest steht, muss sich nicht wundern, wenn er ein
       paar Spritzer klebrigen Gesöffs abbekommt.
       
       In der Formel 1 handelt es sich dabei normalerweise um edle Schaumweine aus
       Frankreich. Die Rennserie hat natürlich einen offiziellen
       Champagnerpartner. Am vergangenen Sonntag nach dem Rennen von Miami hat
       Sieger Kimi Antonelli allerdings etwas anderes verspritzt. Der junge
       Überflieger der Saison aus Italien ist 19. Erst mit 21 darf man nach den
       Gesetzten des Bundesstaats Florida mit Alkohol in Berührung kommen. Und so
       verspritzte er [1][irgendein isotonisches Getränk] aus einer Magnumflasche.
       
       Überschäumende Freude herrschte am Sonntag nach dem Männerfinale der Madrid
       Open im Tennis nicht einmal im Lager des Siegers Jannik Sinner. Der
       Italiener hatte wieder mal glasklar ein Endspiel gegen Alexander Zverev
       gewonnen, was nun wirklich niemanden mehr vom Hocker reißt. Doch eine
       Überraschung gab es am Ende doch.
       
       Alexander Zverev spritzte den Schaumwein, den er zu seinem Trostpreis als
       Turnierzweiter bekommen hatte, auf den Dominator der Tennisszene, in der
       derartige Duschrituale eher selten sind. Dass Zverev kein geübter
       Sektversprüher ist, war schnell zu sehen. Eine schlappe Fontäne übergoss
       sich über Sinner, der dennoch auch dann noch lächelte, als Zverev dem
       Italiener den in der Flasche verbliebenen Rest einfach über den Kopf
       gegossen hat. Feiertechnisch ist da noch jede Menge Luft nach oben.
       
       Der Tennissport scheint noch weit weg zu sein von den Ritualen, wie sie im
       US-Sport schon seit Jahrzehnten gepflegt werden. Damit nur ja kein Tropfen
       des Siegergesöffs die Netzhaut eines Meisters benetzt, setzen sich die
       Sportler Skibrillen auf, bevor die Kabinenparty richtig losgeht. Aus
       spontanen Jubelorgien sind längst Hochsicherheitsevents geworden. Die
       Skibrillen sind gerade dabei auch zum Accessoire von Meisterfeiern auf dem
       alten Kontinent zu werden. Die Frauen des FC Bayern München jedenfalls
       feierten ihren nationalen Titel im vergangenen Jahr mit Skibrillen über den
       Augen.
       
       Dass sich nun bei der spontanen [2][Aufstiegsfeier des FC Schalke 04] am
       vergangenen Wochenende Trainer und Spieler mit verspiegelten Radlerbrillen
       vor der unvermeidlichen Bierduscherei zu schützen versucht haben, darf
       durchaus als Neuerung in der Feierkultur des deutschen Sports bezeichnet
       werden. Sollten demnächst die Trainer vor entscheidenden Spielen mit
       Taucherbrille und Neoprenanzug erscheinen, um das Bier, das im Erfolgsfall
       nach Abpfiff über ihren ausgegossen wird, besser an sich abperlen lassen zu
       können, man müsste sich nicht wundern.
       
       Dass die siegreichen Radler beim [3][Giro d’Italia] weiterhin
       Magnumflaschen des offiziellen Spumantepartners der Rundfahrt zum
       Überschäumen bringen, ohne sich mit Helm und Brille zu schützen, ist
       dagegen durchaus verwunderlich. 2022 hatte Biniam Girmay als erster
       Eritreer eine Etappe bei der dreiwöchigen Landesrundfahrt gewonnen. Er
       schüttelte den Siegerspumante, sah noch einmal nach, ob der Korken sich
       schon bewegt, woraufhin ihm dieser mitten ins Auge schoss. Zur nächsten
       Etappe konnte Girmay nicht mehr antreten. Die Süddeutsche Zeitung schrieb
       hämisch vom „Sektkorken-Malheur“. Zum Schaden war schnell der Spott
       gekommen.
       
       An den sportlichen Jubelritualen mit Sekt hat das wenig geändert. Im Sport
       geht es eben immer um Druck. Auch um den in der Flasche.
       
       6 May 2026
       
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