# taz.de -- OpenAIs autonomer KI-Angriff: Verantwortlich ist nach wie vor der Mensch
> Ein KI-Modell von OpenAI hackt ein Unternehmen. Im Silicon Valley blickt
> man mit Faszination auf den Angriff – dabei liegt die Schuld bei den
> Entwicklern.
(IMG) Bild: Wir sollten bei dem Diskurs um KI nicht vergessen, dass es ein von Menschen programmiertes System ist
Ist nun der Zeitpunkt gekommen, an dem KI-Systeme eigenständig einen
Hacker-Angriff starten und wir ihnen schutzlos ausgeliefert sind? Nicht
ganz.
Die ersten aufgeregten Medienberichte zu dem Vorfall um OpenAI lassen
allerdings anderes erwarten. Es ist die Rede von einer „ausgebrochenen“ KI,
die sich „verselbstständigt“ habe. Dabei werden einige Debatten so geführt,
als hätte der Mensch keinen Einfluss mehr auf die KI-Systeme und ihr
Vorgehen. Das verzerrt das Bild.
Wir sollten bei dem Diskurs um KI nicht vergessen, dass es ein von Menschen
programmiertes System ist, das durch Prompts und Aufgabenstellungen von
Menschen dirigiert wird. Und die sollten jetzt die Verantwortung dafür
übernehmen. In diesem Fall: die Macher*innen von OpenAI.
Bereits letzte Woche hatte die Software-Plattform Hugging Face, auf der
sich die KI-Community zu Modellen, Programmierung und Datensätzen
austauscht, von einem Sicherheitsvorfall berichtet: Ein externer KI-Agent
sei in die Firmen-Infrastruktur eingedrungen. Am Dienstag veröffentlichte
dann [1][OpenAI ein Statement], in dem sie sich zu dem Vorfall bekennen.
Ausgeführt wurde der [2][Cyber-Angriff auf Hugging Face] von dem neuesten
Modell GPT-5.6 Sol und einem Modell, das noch nicht veröffentlicht ist. Der
Vorfall sei auf einen Test zurückzuführen, bei dem die Cyber-Fähigkeiten –
also die Hacking-Fähigkeiten – der Modelle gemessen werden sollten. Das
Eindringen in ein externes Unternehmen sei natürlich nicht geplant gewesen,
beteuert OpenAI.
## Technischer Fortschritt statt Moral
Und gleichzeitig zeigt sich sowohl auf Seite des Hackers als auch der
Gehackten mehr Begeisterung als Unbehagen über das Geschehene. OpenAI
spricht von einem „beispiellosen Cybervorfall mit hochentwickelten
Cyber-Fähigkeiten“, und Hugging Face schiebt noch hinterher, es sei
„atemberaubend, dass all das autonom geschehen ist“.
Diese Reaktionen verdeutlichen, dass die großen Tech-Giganten weniger vor
Sicherheitsbedenken zurückschrecken als vielmehr mit leuchtenden Augen auf
den [3][technischen Fortschritt] blicken, den es immer zu feiern gilt.
Was aber hat es mit dem selbstständigen Vorgehen der KI auf sich? Bei dem
Leistungstest, der zu dem Hacking-Angriff geführt hat, wurden die
Schutzmechanismen der KI-Modelle bewusst reduziert. So sollten die
maximalen Fähigkeiten ermittelt werden. Gleichzeitig war die Testumgebung
nicht so isoliert wie von OpenAI angenommen.
Anstatt innerhalb des vorgegebenen Netzwerks zu bleiben, fanden die Modelle
heraus, dass sie die Aufgabe besser und schneller lösen konnten, wenn sie
sich Zugang zum Internet verschaffen. Dieses Vorgehen wurde von den
Modellen autonom – also ohne „human in the loop“ – ausgeführt. Auch wenn
das gruselig klingt und zum Teil auch gruselig ist, da selbst die
Entwickler*innen modernster KI-Systeme noch immer nicht ganz verstehen,
wie die Modelle im Detail agieren, ist das Vorgehen nicht unerwartet.
## Autonome KI vom Menschen trainiert
Damit eine KI überhaupt an den Punkt kommt, autonom zu entscheiden, wurde
sie daraufhin trainiert – von einem Menschen. In dem Fall von den
Entwickler*innen von OpenAI, geführt von einem der mächtigsten
Tech-Oligarchen im Silicon Valley. Das Unternehmen hat, genau wie
[4][Anthropic], in den letzten Monaten aktiv daran gearbeitet, Systeme so
agieren zu lassen, dass sie nicht ständig von einem Menschen kontrolliert
werden müssen.
Das Problem liegt also nicht in der Maschine, die bereits im Geheimen die
Machtübernahme plant. Sondern – wie so oft – bei den Menschen, die diese
Technologien entwickeln. KI-Systeme agieren eben basierend auf den
Datensätzen, mit denen sie gefüttert werden, den Richtlinien, die ihnen
vorgegeben werden, und der Moral, an die im Code appelliert wird. Auch das
autonome Handeln wird den Maschinen eingeschrieben, die Verantwortung
bleibt aber bei den KI-Anbietern und deren Nachlässigkeit.
Außerdem weisen Forscher*innen darauf hin, dass es gängige Praxis ist,
eine Testumgebung isoliert vom Internet zu entwerfen. Und wenn wir, wie
behauptet, davon ausgehen, dass bei OpenAI die brillanten IT-Köpfe sitzen,
dann sieht der Vorfall mehr nach Provokation als nach wirklichem
Kontrollverlust aus.
Es ist also nicht verwunderlich, dass eine KI im Rahmen der Möglichkeiten
agiert, die man ihr vorgibt. Wie OpenAI-Chef Sam Altman ständig betont, ist
Schnelligkeit am wichtigsten. Der Weg zum Ziel wurde zweitrangig. Und so
bleiben auch weiterhin Menschen die größte Bedrohung für sich selbst.
24 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://openai.com/de-DE/index/hugging-face-model-evaluation-security-incident/
(DIR) [2] /Nach-Cyber-Angriff-von-KI/!6198134
(DIR) [3] /Report-zu-offenen-KI-Modellen/!6197127
(DIR) [4] /Anthropic/!6185299
## AUTOREN
(DIR) Selina Hellfritsch
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