# taz.de -- Datenklau in Afrika: Im Cloudrausch
       
       > Mit der Digitalisierung in Afrika nimmt auch die Cyberkriminalität zu.
       > Staaten wie die USA verschaffen sich über Verträge Zugriff auf
       > Personendaten.
       
 (IMG) Bild: Überwacht, gesammelt, verkauft: Wie sicher sind Personendaten in Uganda?
       
       Monica Luboga sitzt an ihrem Computer und klickt sich durch die neue
       Onlineplattform von Ugandas Regierung: Steuererklärung, Geburtsurkunden,
       Grundbuchauszug – hier kann man alles beantragen, was man an Dokumenten
       benötigt. „Ich nehme gerade Fahrstunden und wollte mich schlaumachen, wie
       ich meinen Führerschein beantragen kann“, sagt die 35-Jährige und klickt
       auf die entsprechende Schaltfläche.
       
       Eine Sprechblase öffnet sich, eine künstliche Intelligenz fragt, ob sie
       helfen kann. Dann gibt Luboga ihre Daten ein: Name, Telefonnummer,
       Geburtsdatum, Wohnort sowie die Fahrschule, bei der sie Unterricht nimmt.
       Dann drückt sie auf „senden“. „Das ist nun der Moment, in dem ich ein
       ungutes Gefühl bekomme“, seufzt sie. „Denn man weiß ja nie, was mit den
       Daten geschieht.“
       
       Ugandas Regierung bemüht sich derzeit, ihre Behörden zu digitalisieren. Im
       Juni ging das neue Onlineportal UgGov-Agent an den Start, über das
       Ugander*innen Behördengänge online erledigen können – auch in lokalen
       Sprachen, dank KI. Eine gute Sache, findet Luboga, „denn es spart ungemein
       viel Zeit und Geld“. Jüngst war sie auf dem Amt, um sich eine
       Geburtsurkunde für ihre Tochter ausstellen zu lassen. „Das hat mich einen
       halben Tag gekostet – dabei kann ich das online offenbar in wenigen Minuten
       machen.“
       
       Dass sie den Führerschein online beantragen kann, „erleichtert mich nun
       enorm, denn mein Fahrlehrer verlangt von mir hohe Schmiergelder, damit er
       für mich den Antrag stellt“. Statt dem Fahrlehrer umgerechnet rund 150 Euro
       zuzustecken, zahlt sie auf der Onlineplattform gerade einmal 15 Euro. Doch
       Luboga macht sich Sorgen um die Datensicherheit und berichtet von Anrufen,
       die sie nach ihrem PIN-Code fragen, jedes Mal, wenn sie Guthaben auf ihrem
       Handy anspart.
       
       ## Sturm auf die Hackerfabrik
       
       Ugandas Ministerium für Informationstechnologie hat 2023 mit Unterstützung
       der UN-Entwicklungsagentur UNDP einen Fahrplan verabschiedet, um bis zum
       Jahr 2027 die Umstellung auf digitale Behörden zu bewältigen. Uganda ist
       auch Teil der sogenannten 50-zu-5-Kampagne, in der die im IT-Bereich
       führenden fünf Staaten des Globalen Nordens – darunter Estland und Norwegen
       – 50 afrikanischen Regierungen Tipps geben, wie sie die Umstellung am
       besten bewältigen.
       
       Vorreiter auf dem Kontinent war bislang Rwanda, das die erste E-Plattform
       Irembo bereits 2015 online gestellt hat. Jetzt ziehen andere Staaten nach
       und sind in der Digitalisierung bereits weiter als Deutschland.
       
       Neben dem Aufbau der Infrastruktur – von Onlineplattformen bis hin zu
       Rechenzentren – stehen derzeit Datenschutz und Cybersicherheit auf dem
       Programm. Denn Ugandas Datenschutzgesetz von 2019 wird nur schleppend
       umgesetzt, es gibt noch immer viele Schlupflöcher. Die taz hat mehrfach das
       IT-Ministerium um ein Interview gebeten. Ein anberaumter Termin wurde
       kurzfristig wieder abgesagt. Auch die unabhängige Behörde PDPO, die die
       Einhaltung der Verordnung überwachen soll, sagt zunächst ein Interview zu,
       will aber die Fragen vorher schriftlich. Nach Erhalt antwortet sie nicht
       mehr. Es wirkt ein wenig, also wolle man sich diesen kritischen Fragen
       nicht stellen.
       
       Kein Wunder: Anfang Juli stürmte die Kriminalpolizei in der Hauptstadt
       Kampala mehrere Gebäude mit Hunderten Computern. Sie nahmen über Tausend
       meist chinesische Menschen fest. Sie sollen sich laut Ermittler*innen
       in IT-Systeme von Telefonanbietern in ganz Afrika gehackt, Telefonnummern
       und mobile Guthaben gestohlen haben. Eine der Hackerzentralen war im
       Konferenzraum des Hotels Kingdom Resort Katomi eingerichtet, das
       Ex-Vizepräsident Gilbert Bukenya gehört. Ob dieser davon Kenntnis hatte
       oder gar aktiv darin verwickelt ist, ist bislang nicht bekannt, die
       Ermittlungen laufen noch.
       
       ## Digitaler Kolonialismus
       
       Doch die Daten afrikanischer Bürger*innen sind nicht nur im Visier
       krimineller Netzwerke. Auch internationale Konzerne und westliche
       Regierungen wollen darauf zugreifen. Als „Datenkolonialismus“ bezeichnet
       Sven Hilbig, Referent für Handelspolitik und Digitalisierung bei Brot für
       die Welt, dieses Wettrennen um Afrikas Daten.
       
       In seinem Buch „Digitaler Kolonialismus“ beschreibt er die strukturelle
       Abhängigkeit des Globalen Südens von der digitalen Infrastruktur des
       Globalen Nordens. Als Beispiel nennt er die Rechenzentren: Während in den
       USA rund 5.000 stehen, gibt es in ganz Afrika gerade einmal 250. Fünfzehn
       afrikanische Staaten verfügen über kein einziges. Damit stellt sich
       automatisch die Frage: Wem gehören diese Daten dann überhaupt und welche
       Datenschutzgesetze gelten dafür?
       
       Auf einen Blick sichtbar wird das Problem an den großen Straßenkreuzungen
       der Hauptstadt Kampala. Chinesische CCTV-Kameras mit
       Gesichtserkennungssoftware von Huawei sind dort installiert. Daneben hängen
       Radiofrequenzgeräte der russischen Firma Joint Stock Company.
       
       Seit Anfang 2025 werden neu importiere Autos von der Moskauer Firma mit
       einem digitalen Kennzeichen ausgestattet. Kostenfaktor: über 200 Euro pro
       Kennzeichen. Der darin installierte Mikrochip schickt Daten an das
       Empfängergerät, darunter Name und Telefonnummer des Fahrzeughalters. Sobald
       das Auto zu schnell fährt, schickt das System einen Strafzettel direkt per
       SMS auf das Handy – so die Idee.
       
       ## Russland fährt mit
       
       Damit können aber auch Sicherheitsbehörden prüfen, wo welches Fahrzeug
       gerade lang fährt – in Anbetracht der Tendenz, dass Opposition und
       Zivilgesellschaft zunehmend unter Druck geraten, eine besorgniserregende
       Entwicklung. Doch gerade in Russland sieht Uganda einen engen Partner im
       Aufbau der digitalen Infrastruktur. In einem 2018 unterzeichneten Abkommen,
       das der taz vorliegt, wurde beschlossen, dass Russland die nötige
       Technologie für Data-Mining, wie es im Vertragstext heißt, zur Verfügung
       stellt, darunter „Software für Forensik“.
       
       NGOs wie [1][Cipesa], ein in Uganda ansässiger Thinktank, der die
       Digitalisierung in Afrika begleitet, haben versucht herauszufinden, auf
       welche Daten die russische Firma dabei zugreifen kann, stoßen aber auf
       Granit. „Ich glaube nicht, dass irgendjemand weiß, wie diese Daten
       übertragen und wo sie gespeichert werden“, so Brian Byaruhanga, IT-Experte
       bei Cipesa. „Wir wissen nicht einmal, ob diese Daten überhaupt den
       Ugander*innen oder dem ugandischen Staat gehören oder nicht.“ Uganda
       verfügt nur über ein einziges Rechenzentrum: „Und genau das ist das
       Problem.“
       
       Woran es zudem fehlt, so Byaruhanga, sind Verordnungen über den Gebrauch,
       Verwendung und die Eigentumsrechte von Daten, welche es den Bürger*innen
       auch erlaubt, ihre Daten löschen zu lassen. „Denn selbst wenn wir die Daten
       in Uganda speichern, wissen wir nicht, ob sie auch wirklich uns gehören.“
       
       Gilbert Sendugwa, Direktor von [2][Afic] in Uganda, einem weiteren
       Thinktank, das afrikaweit die Zivilgesellschaft in Sachen Datensicherheit
       unterstützt, hat zumindest Teile der russisch-ugandischen Verträge einsehen
       können. Er kommt zum Schluss: Es seien weder öffentliche
       Ausschreibungsverfahren eingehalten noch unabhängige Gutachten hinsichtlich
       der Datensicherheit erstellt worden: „Man kann nicht sagen, dass die
       Regierung im Interesse des ugandischen Staates gehandelt hat, aber auch
       nicht im Interesse der Bürger“, so Sendugwa. Dies sei äußerst
       „besorgniserregend“. Er stellt die Frage: „Warum also wollen sie unsere
       Daten?“
       
       ## Undurchsichtige Verträge
       
       Obwohl Ugandas Regierung mittlerweile viel mehr persönliche Daten ihrer
       Bürger*innen hortet, erlaubt sie umgekehrt weder Journalist*innen
       noch NGOs, Anwält*innen oder einfachen Ugander*innen, in jene Verträge
       hineinzuschauen. Selbst das Parlament erhält keinen Einblick.
       
       Von 2018 bis 2025 hat Afic zahlreiche Anfragen nach dem
       Informationsfreiheitsgesetz an Behörden gestellt und die Ergebnisse jüngst
       veröffentlicht. Drei Viertel davon blieben unbeantwortet, so Sendugwa: „Wie
       können Bürger*innen Vertrauen in eine Regierung haben, wenn es keinerlei
       Transparenz oder Rechenschaftspflicht gibt?“
       
       Das prominenteste Beispiel sind die neuen Gesundheitsabkommen mit der
       US-Regierung: die sogenannte America first – Globale Gesundheitsstrategie.
       Allein der Titel lässt bereits Rückschlüsse zu, wem diese Deals in erster
       Linie nutzen, so Julia Bleckner von der NGO Human Rights Watch in New York.
       Sie hat sich einige der Abkommen angeschaut und findet sie höchst
       problematisch.
       
       Ziel ist es, mithilfe von US-Geldern Afrikas Gesundheitssysteme zu
       digitalisieren. Die US-Regierung verlangt jedoch im Gegenzug Zugriff auf
       sämtliche gesundheitsrelevante Daten, auch mit personenbezogenen Details:
       „Die Formulierungen sind so vage, dass wir befürchten, sie könnten den
       individuellen Gesundheitszustand umfassen“, so Bleckner: Dazu gehören
       HIV-Status, Viruslast oder Schwangerschaftstests: „Unabhängig davon, ob
       dies ein Risiko darstellt, verletzt es das Recht auf
       Gesundheitsdatenschutz.“
       
       ## Gesundheit als Geschäftsmodell
       
       Die US-Regierung rechtfertigt diesen Datenzugriff damit, dass so
       Seuchenausbrüche wie Ebola überwacht werden können. Sie wolle aber auch
       sicherstellen, das mit ihren Geldern keine Abtreibungen vorgenommen werden,
       da dies in den USA gesetzlich verboten ist: „Wenn die Staaten diese Daten
       nicht liefern, kann das zur vollständigen Beendigung des Abkommens führen“,
       so Bleckner. „Damit werden die Leben von Millionen von Menschen, die auf
       Gesundheitsversorgung angewiesen sind, gewissermaßen als Geisel genommen.“
       
       31 afrikanische Regierungen haben mittlerweile die US-Abkommen
       unterschrieben. Sieben hat sich Bleckner konkret angeschaut: Fünf davon,
       Kenia, Äthiopien, Uganda, Mosambik und Nigeria, waren kurzzeitig auf
       US-Regierungsseiten abrufbar. Dann berichtete die New York Times, dass im
       Fall von Sambia die US-Regierung auch Zugang zu Mineralien verhandelt
       hatte. Daraufhin wurden sie offline genommen: „Das deutet auf größere
       Bedenken hinsichtlich der Transparenz hin“, merkt Bleckner an. Immerhin,
       die fünf genannten Abkommen hat sie gespeichert, bevor sie offline gingen,
       die Abkommen mit Rwanda und Liberia wurden ihr geleaked. Die übrigen sind
       unter Verschluss.
       
       Schockiert zeigt sich Bleckner über die Laufzeiten. Denn während das
       Gesundheitsabkommen nur für fünf Jahre gilt, erhalten die USA das Recht, im
       Fall von Rwanda bis zu 25 Jahre auf die Daten zuzugreifen. „Die Bedingungen
       aus den USA könnten sich ändern, aber Rwanda müsste die Datenweitergabe bis
       zu 25 Jahre lang fortsetzen.“
       
       ## Kenia will Daten verkaufen
       
       Kenia war das erste Land, das am 4. Dezember 2025 ein
       2,5-Milliarden-US-Dollar-Abkommen unterzeichnete. Der
       Verbraucherschutzverband zog direkt am nächsten Tag vor Gericht, das die
       Umsetzung vorerst stoppte. Im April schloss sich das
       [3][Menschenrechtsinstituts Katiba] der Klage an. Im Wesentlichen gehe es
       um den Verstoß gegen das Recht auf Privatsphäre sowie gegen das
       Datenschutzgesetz, sagt Direktorin Nora Mbagathi: „Die kenianische
       Regierung hat, ohne mich überhaupt genügend informiert zu haben und ohne
       mein Einverständnis, beschlossen, meine Daten einfach zu verkaufen“,
       erklärt Mbagathi das Problem gegenüber der taz.
       
       Im November wird nun das Urteil erwartet. Für Mbagathi ein wichtiger
       Präzedenzfall, denn Kenias Regierung tüftelt derzeit an einer
       Onlineplattform, auf welcher sie sämtliche von der Regierung gesammelte
       Daten – anonymisiert – zum Verkauf anbietet. Für die Menschenrechtlerin ein
       alarmierendes Vorhaben: „Wenn solch ein Geist erst einmal aus der Flasche
       heraus ist, dann ist es schwer, das rückgängig zu machen.“
       
       Doch viele afrikanische Regierungen haben keine Wahl. Als Ugandas
       Finanzministerin Matia Kasaija am 10. Dezember 2025 das
       US-Gesundheitsabkommen unterzeichnete, ging ein Raunen der Erleichterung
       durch das Land. Knapp ein Jahr zuvor hatte US-Präsident Donald Trump im
       Hauruckverfahren die US-Entwicklungsagentur USAID und weitere Programme
       abgewickelt, die zur Bekämpfung von Malaria, Tuberkulose oder HIV/Aids
       eingesetzt wurden.
       
       Damit waren von heute auf morgen Gelder in Milliardenhöhe weggebrochen und
       hatten eine gewaltige Lücke im Staatshaushalt hinterlassen. Als die
       US-Regierung dann das neue Abkommen im Umfang von 2,3 Milliarden Dollar
       vorlegte, wurde dies mit Kusshand unterzeichnet.
       
       ## 32 Seiten voller Schlupflöcher
       
       Im März wurden die ersten 725 Server, 4.700 Computer sowie Solaranlagen und
       Internetrouter für fast 800 Gesundheitseinrichtungen landesweit aus den USA
       angeliefert. In Zukunft soll, so geht es aus dem 32-seitigen Abkommen
       hervor, das der taz vorliegt, jede kleine Gesundheitsstation in sämtlichen
       Dörfern die Krankenakten online speichern, um der US-Regierung Einblick zu
       gewähren. Dazu stellen die USA „Softwarelizenzen, Cybersecuritymaßnahmen
       sowie die Erweiterung der Datenspeicherung bis 2028“, so das Abkommen.
       
       Immerhin: Die Daten werden in Uganda selbst gespeichert und ein gemeinsames
       Gremium soll den Datenschutz überwachen. Die damalige Gesundheitsministerin
       Ruth Aceng versicherte bei Unterzeichnung: „Ugandas Souveränität über seine
       biologischen Ressourcen und Gesundheitsdaten ist unschätzbar und
       unverhandelbar.“ Auf taz-Anfrage über die Details dieses Deals erklärt der
       Sprecher des Gesundheitsministeriums, dass nur der Minister diese Fragen
       beantworten dürfe. Doch der ist telefonisch nicht erreichbar und
       beantwortet auch keine Nachrichten.
       
       Anwalt David Waboga ist spezialisiert auf Datensicherheit; seine NGO
       Lawpoint Uganda hat sich auf die Fahnen geschrieben, die Bevölkerung über
       Datensicherheit aufzuklären, und sich deswegen die Abkommen angesehen, die
       ihm von Quellen im Ministerium zugespielt wurden: Auf den 32 Seiten fand er
       jede Menge „Schlupflöcher“, die „problematisch“ sind.
       
       Immerhin, so merkt er an: Der ursprüngliche Vertragstext, den die
       US-Regierung vorgelegt hatte, und der, der letztlich unterzeichnet wurde,
       unterscheiden sich: Ugandas Regierung hat also nachverhandelt. Der
       wichtigste Unterschied, so Waboga: Der Umgang mit den Daten falle nun unter
       Ugandas Datenschutzgesetze und nicht unter die US-amerikanischen. Damit hat
       auch die Datenschutzbehörde PDPO die Aufsicht: „Das verschafft Uganda
       zumindest ein gewisses Maß an Einfluss.“
       
       ## Keine Rechte, aber Daten für die Forschung
       
       Keinen Einfluss hat Uganda jedoch darauf, was mit den Daten in den USA
       geschieht. Denn die US-Regierung behält sich vor, pathogene Daten, also
       Informationen über krankheitserregende Organismen wie Viren und deren
       Genomdaten, mit der US-Pharmaindustrie zu teilen: „Vielleicht finden sie
       ein Heilmittel für diese schrecklichen Krankheiten“, so Waboga. „Aber wir
       Ugander haben kein Recht, diese Impfungen oder Medikamente dann auch zu
       erhalten.“
       
       Genau dies unterminiere die globalen Verhandlungen über ein internationales
       Pandemieabkommen, das von der WHO derzeit ausgearbeitet wird, um die Fehler
       während der Coronapandemie in Zukunft zu vermeiden. Damals erhielten die
       meisten Staaten Afrikas nicht genügend Impfdosen. Künftig sollen alle
       Regierungen weltweit pathogene Daten mit der WHO teilen, diese stellt sie
       in einer Datenbank öffentlich zur Verfügung. Hersteller von Impfstoffen
       garantieren im Gegenzug einen festen Prozentsatz an den Globalen Süden
       abzugeben.
       
       Der Text des Pandemieabkommens wurde von der Weltgesundheitsversammlung
       angenommen. Derzeit sollten eigentlich die Unterverträge verhandelt werden,
       wie diese Daten geteilt werden. Doch diese Gespräche sind auf 2027
       verschoben, so Julia Bleckner von HRW. Der Grund: „Die bilateralen
       US-Abkommen untergraben diese Verhandlungen vollständig.“
       
       Um dies zu verhindern, haben 60 afrikanische NGOs kurz vor der
       Unterzeichnung im Dezember 2025 einen offenen Brief an alle Regierungen des
       Kontinents verfasst: „Diese Bestimmungen bergen auch das Risiko
       schwerwiegender Menschenrechtsverletzungen“, heißt es darin. Die meisten
       haben diese Warnungen in den Wind geschlagen. Sambia hat die Verhandlungen
       zumindest auf Eis gelegt.
       
       Nur Simbabwe hat den USA eine Absage erteilt – das Land hat bei den
       Verhandlungen über das WHO-Pandemieabkommen den Vorsitz inne: „Unser
       Verfassungsauftrag verpflichtet uns, die Daten unserer Bürger zu schützen“,
       rechtfertigte Informationsminister Nick Mangwana die Entscheidung. Das
       US-Abkommen „erfüllt diese grundlegenden Kriterien nicht“. Die Antwort der
       US-Botschafterin in Simbabwe, Pamela Tremont, kam prompt: „Wir werden uns
       nun der schwierigen und bedauerlichen Aufgabe zuwenden, unsere
       Gesundheitshilfe in Simbabwe schrittweise einzustellen.“
       
       Jean Kaseya, Direktor der afrikanischen Seuchenbekämpfungsbehörde
       Africa-CDC, hat nun Simbabwe und Sambia seine Unterstützung angeboten,
       denn, so bekräftigt er: „Wir können es nicht akzeptieren, die Kontrolle
       über unsere Daten zu verlieren.“
       
       6 Aug 2026
       
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