# taz.de -- Bürgermeister über Rechenzentren: „Mehrwerte für die Bürger:innen schaffen“
> Rund um die Stadt Schleswig sind mehrere Rechenzentren geplant.
> Bürgermeister Jonas Kähler sieht das als Chance – trotz des hohen Bedarfs
> an Kühlwasser.
(IMG) Bild: Verbraucht viel Energie, kann viel Wärme abgeben: Rückseite eines Servers in einem Rechenzentrum
taz: Herr Kähler, wenn Sie Manager einer Firma wären, die ein großes
Rechenzentrum etwa für den Betrieb von KI-Modellen bauen will, fänden Sie
Schleswig-Holstein attraktiv?
Jonas Kähler: Ja, definitiv. Schleswig-Holstein hat den Vorteil, dass es
hier einen großen Überschuss an erneuerbaren Energien gibt, zudem Flächen,
die sich für Rechenzentren eignen.
taz: Okay, das war der Blick des Firmenbosses. Nun sind Sie allerdings
[1][Bürgermeister der Stadt Schleswig]. In Ihrer Stadt und in mehreren
Nachbargemeinden sollen große Rechenzentren entstehen, wie auch andernorts
in Schleswig-Holstein. Was sagen Sie als Stadtmanager dazu?
Kähler: Im Moment ist es interessant zu beobachten, [2][wo überall solche
Projekte aufploppen]. Ich finde dabei gerade die Pläne spannend, bei denen
die sogenannte Sektorenkoppelung gleich mitgedacht wird: Ist da ein
Umspannwerk in der Nähe, werden die Kommunen einbezogen, gibt es
Abwärmekonzepte?
taz: Wichtiges Stichwort: Rechenzentren verbrauchen viel Energie und
erzeugen Abwärme, es gibt daher [3][in vielen Orten, etwa in den USA,
Proteste]. Wie gehen Sie in Schleswig mit der Abwärme um?
Kähler: Für mich ist zwingend, dass wir die Abwärme nutzen. Geplant sind
drei Projekte in und um Schleswig, in den Gemeinden Schuby und Busdorf und
in einem Gebiet im Norden der Stadt Schleswig. Das Ziel in allen Fällen
ist, die Abwärme in die Stadt und in die Gemeinden zu bringen. Wir wollen
nicht nur Gewerbe ansiedeln, sondern auch Mehrwert für die Bürger:innen
schaffen.
taz: So weit die Theorie. Gibt es schon Ideen für die Praxis?
Kähler: Wir sind in Busdorf am weitesten. Da fanden sehr früh Gespräche
zwischen den Investoren und unseren Stadtwerken statt, es geht darum, wie
die Abwärme ins Fernwärmenetz eingespeist werden kann. Wir verhandeln auch
mit dem Investor, dass er die Leitungen baut. Das wäre für uns natürlich
besonders gut. Wir sind noch nicht so weit, dass wir Zahlen nennen könnten,
aber das Potenzial ist enorm. Es gibt kaum andere Möglichkeiten, so viele
Haushalte auf einen Schlag an eine saubere Wärmequelle anzuschließen.
taz: Was sind das für Investoren, läuft die Zusammenarbeit auf Augenhöhe?
Kähler: In allen drei Projekten im Umland läuft die Zusammenarbeit sehr
gut. In Busdorf und Schleswig sind es Investoren mit Beziehungen in die
Region. In Schuby, so nehme ich es wahr, ist es ein Projektierer, der nicht
von hier kommt, aber eng mit der Gemeinde und dem Kreis im Gespräch ist.
taz: Neben Strom brauchen Rechenzentren viel Wasser für die Kühlung. Ist
das [4][angesichts des fortschreitenden Klimawandels und der Trockenheit]
nicht ein Problem?
Kähler: Sie hatten die USA angesprochen, wo es Proteste gibt. In
Deutschland liegt die Planungshoheit bei den Gemeinden, und wir machen uns
selbstverständlich Gedanken über diese Frage. Ein Thema sind geschlossene
Kreisläufe, ein anderes die Idee, statt Frischwasser Oberflächen- oder
Grauwasser zu nutzen. Klar ist: Wir haben das Thema im Blick und sprechen
im Verfahren auch mit allen Verbänden und Gruppen, die öffentliche
Interessen vertreten.
taz: In Rechenzentren arbeiten kaum Menschen. Wäre der Region nicht mehr
geholfen, wenn sich andere Betriebe ansiedeln würden?
Kähler: Wie gesagt, Schleswig-Holstein produziert mehr nachhaltigen Strom,
als wir selbst verbrauchen. Also ist es sinnvoll, hier Industrie
anzusiedeln. Für mich sind die Rechenzentren dabei Ankerinvestoren, um die
herum sich andere ansiedeln werden. So bekommen wir den Wandel zur
CO2-neutralen Industrie hin.
taz: Betreiben Sie gemeinsam mit anderen Gemeinden oder dem Kreis aktive
Ansiedlungspolitik, um diese Firmen zu finden?
Kähler: Die aktive Ansiedlungspolitik sieht so aus, dass wir mit den
Umlandgemeinden kommunale Gewerbegebiete rund um die geplanten
Rechenzentren ausweisen, sodass diese Folgeansiedlungen ebenfalls die
Abwärme nutzen können. In der Nähe stehen Windräder, weitere sind geplant,
sodass wir auch die nötige Energie bereitstellen können. Wichtig finde ich,
dass wir als Kommunen alle Pläne gemeinsam tragen, über die Stadt- und
Gemeindegrenzen hinweg. Wenn wir zeigen, dass die Bürger:innen
profitieren, schafft das auch Akzeptanz für den Bau von Rechenzentren.
taz: Was wünschen Sie sich von der Politik auf Landes- oder Bundesebene,
braucht es Neuregelungen oder Hilfen?
Kähler: Das Wichtigste ist Planungssicherheit. Ganz konkret: Zurzeit müssen
Investoren ein Abwärmekonzept mitplanen, aber Wirtschaftsministerin
Katherina Reiche überlegt, das zu ändern. Für uns Kommunen wäre das eine
Katastrophe, da wir genau hier einen Hebel ansetzen können.
18 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Esther Geißlinger
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