# taz.de -- Energiewende in Schleswig-Holstein: Schuby macht Platz für riesige Datenmengen
       
       > In Schleswig-Holstein entstehen mehrere Rechenzentren. Mit der Abwärme
       > könnte man etwa Häuser heizen. Aber alle Standorte sind auf der grünen
       > Wiese.
       
 (IMG) Bild: Ist so viel Wind in Schuby: In der Nachbarschaft der Windräder entsteht ein „Energiepark“ mit Rechenzentren und Stromspeichern
       
       Im [1][nordfriesischen Langenhorn] hat der Gemeinderat den Beschluss gerade
       noch einmal vertagt. In Schuby aber ist die Entscheidung bereits gefallen:
       In dem Ort bei Schleswig soll ein „Energiepark“ mit Rechenzentren und
       Stromspeichern entstehen. Es ist nicht das einzige Projekt dieser Art in
       Schleswig-Holstein. Eine Hoffnung für das Land oder eine vertane Chance?
       
       Das [2][erste klimaneutrale Industrieland will Schleswig-Holstein werden],
       mit diesem Versprechen ist die Regierung aus CDU und Grünen jedenfalls
       angetreten. Denn das Land zwischen Nord- und Ostsee hat einen großen
       Vorteil: Es gibt billige Energie im Überfluss. Entstehen könnten sogenannte
       [3][Net Zero Valleys, Regionen, in denen Stromproduktion und
       energieintensive Betriebe nebeneinander liegen].
       
       „Schleswig-Holstein hat in der ersten Halbzeit der Energiewende richtig gut
       gespielt“, sagte Energiewendeminister Tobias Goldschmidt (Grüne), als er im
       November 2025 gemeinsam mit Vertreter:innen von Stromnetz- und
       Energie-Unternehmen [4][ein Strategiepapier vorstellte]. Der Ausbau von
       Energienetzen sei ein „harter Standortvorteil“, mit dem das Land seine
       Rolle als „Energiewende-Vorreiter voll ausspielen“ könne. Wichtig sei, dass
       „große Verbraucher wie Industrie oder Rechenzentren eine reale Chance auf
       Netzanschluss haben“.
       
       Große Hoffnungen ruhten auf dem schwedischen Unternehmen Northvolt, das
       eine Giga-Fabrik für E-Auto-Batterien bei Heide errichten wollte. [5][Das
       Unternehmen ging pleite], aber die Mischung aus billigem Bauland und
       günstigem Windstrom, die den Standort für Northvolt attraktiv machte,
       besteht weiterhin.
       
       ## Es geht um Milliardeninvestitionen
       
       So sind zurzeit mehrere große Rechenzentren in Planung. Die Gemeinden
       erhoffen sich Steuern – in Schuby hätten die Investoren von einer Summe im
       zweistelligen Millionenbereich gesprochen, sagte Bürgermeisterin Petra
       Schulz (SPD) dem NDR – und das Land sieht die Chance auf mit Wind und Sonne
       betriebene Industrieparks. Es geht um Milliardeninvestitionen, die zudem
       ohne öffentliche Fördermittel auskommen sollen.
       
       „Klar ist, dass wir als Land die Wertschöpfung in Schleswig-Holstein
       behalten wollen“, sagte Innenministerin Magdalena Finke (CDU) zum geplanten
       Rechenzentrum in Schuby. „Insoweit stehen wir solchen Vorhaben sehr offen
       gegenüber.“
       
       Der „Energiepark Schuby“ soll auf grünen Wiesen entstehen, in der Nähe
       eines Umspannwerks und rund zwei Kilometer außerhalb des
       3.000-Einwohner:innen-Ortes. Zum Energiepark gehören zum einen
       Energiespeicher. Auf einer Skizze der Münchner Betreiberfirma Eco Stor ist
       ein Feld voller weißer und grauer Kästen zu sehen, in denen Wind- oder
       Solarstrom gespeichert werden kann. Neben den Speichern sollen gleich
       mehrere Rechenzentren gebaut werden. Wer die betreiben wird, sei noch
       unklar, so Bürgermeisterin Schulz.
       
       Regionale Arbeitsplätze werden allerdings kaum entstehen, dafür wird aber
       der Stromverbrauch für den Betrieb gewaltig sein: Die Rede ist von 1.400
       Megawatt (MW). Kein Problem, meint Umweltminister Goldschmidt: „Wir können
       solche Zentren mit sauberer Energie versorgen.“
       
       ## Umweltschützer warnen vor „überdimensionierten Anlagen“
       
       Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) warnt aber vor den
       „überdimensionierten Anlagen“. Vor allem, weil zurzeit mehrere Großanlagen
       parallel vorangetrieben werden: Neben Schuby und Langenhorn gibt es auch
       Pläne für Busdorf bei Schleswig.
       
       Zusammen hätten diese Parks eine Anschlussleistung von 1.900 MW, hat der
       BUND berechnet. Der Wert entspreche der Zubaurate für erneuerbare Energien
       in Schleswig-Holstein von mehr als einem Jahr, zudem verschlingen die
       Anlange zusammen gut 100 Hektar Fläche.
       
       Und, die größte Kritik: Die Zentren erzeugen Abwärme, die einfach in der
       Umwelt landet und damit langfristig den Klimawandel noch verstärkt. Dabei
       ließe sich mit der Wärme vieles anfangen, Häuser heizen etwa. Doch alle
       geplanten Standorte liegen in dünn besiedelten Regionen, zu weit weg für
       Wärmenetze.
       
       ## Rechenleistung und Abwärme zusammen denken
       
       Dabei ist es möglich, Rechenleistung und Abwärme-Nutzung gemeinsam zu
       denken und zu planen. In Rellingen im Hamburger Speckgürtel etwa betreibt
       der [6][Hamburger Cloud-Service-Provider „x-ion“ das Zentrum „dataR“], das
       seine 632 Serverschränke mit Wasser statt Luft kühlt – allein das spart
       Energie – und die Abwärme für die Heizung naher Wohngebäude und einer
       Schule nutzt. Der Kreis [7][Pinneberg lobt den Bau als „Deutschlands
       modernstes und zugleich energieeffizientes“ Rechenzentrum], der Betrieb
       soll in diesem Jahr starten.
       
       Bereits seit 2024 [8][nutzten die Stadtwerke Norderstedt die Abwärme ihrer
       Rechenzentren] und heizen damit „mehr als 1.000 Wohnungen à 80
       Quadratmeter, das sind stolze zehn Prozent des städtischen Wärmebedarfs“,
       so der Projektleiter Robert Roß.
       
       Kann das auch bei Rechenzentren auf der grünen Wiese klappen? Oder braucht
       es weitere Firmen, die sich rund um die Energieparks ansiedeln und die
       Abwärme nutzen? Doch was heißt das für die benachbarten Orte? Das alles sei
       ungeklärt, sagt Gerd Simon vom Landesvorstand BUND Schleswig-Holstein: „Was
       als Zukunftsprojekte verkauft wird, wirft in Wahrheit grundlegende Fragen
       auf.“
       
       27 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Kommunalpolitik-in-Schleswig-Holstein/!5981337
 (DIR) [2] /Koalitionsvertrag-in-Schleswig-Holstein/!5861387
 (DIR) [3] https://www.bundeswirtschaftsministerium.de/Redaktion/DE/Dossier/net-zero-industry-act.html
 (DIR) [4] https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/ministerien-behoerden/V/Presse/PI/2025/11/251120_Strategiepapier
 (DIR) [5] /Nach-Northvolt-Pleite/!6163464
 (DIR) [6] https://www.x-ion.de/x-ion-praesentiert-datar/
 (DIR) [7] https://kreis-pinneberg-wirtschaft.de/aktuelles/neuigkeiten/beitrag/in-rellingen-entsteht-deutschlands-modernstes-rechenzentrum
 (DIR) [8] /Norderstedter-Energiewende/!5966556
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Esther Geißlinger
       
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