# taz.de -- Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern: Rechtes Rumpelstilzchen im Team CDU
       
       > Rainer Wendt ist zurück. Mit dem Ex-Polizeigewerkschafter beruft die CDU
       > Mecklenburg-Vorpommern einen Scharfmacher in ihr „Kompetenzteam“ für die
       > Landtagswahl.
       
 (IMG) Bild: Seit den 1970er Jahren CDU-Mitglied: Rainer Wendt, ehemaliger Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft
       
       Ob es gegen Migranten, Kiffer oder Linke geht: Auf Rainer Wendt ist
       Verlass. Über Jahre war kein Talkshowstudio vor dem Chef der Deutschen
       Polizeigewerkschaft (DPolG) sicher. Stets forderte er mehr Härte, mehr
       Waffen, mehr Überwachung. Nach fast zwei Jahrzehnten an der Spitze der
       Gewerkschaft schien es zuletzt zwar ruhiger um den rechten Lautsprecher zu
       werden, nachdem er im April den Vorsitz abgegeben hatte.
       
       Doch nun ist der 69-Jährige wieder da: Am Dienstag präsentierte die CDU
       Mecklenburg-Vorpommern ihr neunköpfiges „Kompetenzteam“ für die
       Landtagswahl am 20. September. Mit dabei und der Einzige mit überregionalem
       Bekanntheitsgrad: Rainer Wendt, zuständig für innere Sicherheit.
       
       „Politik wird dann besser, wenn Menschen mit echter Erfahrung Verantwortung
       übernehmen“, lobt [1][CDU-Spitzenkandidat und -Landeschef Daniel Peters]
       das Team, das ihn inhaltlich beraten soll. Wendt, seit den 1970er Jahren
       CDU-Mitglied, wird dabei als „gefragter Fachmann bei sicherheitspolitischen
       Fragen“ gefeiert.
       
       Jetzt ist das mit der Erfahrung so eine Sache. Der gebürtige Duisburger
       arbeitete zwar rund 25 Jahre bei der Schutzpolizei. Das ist allerdings
       lange her. Seit 1997 konzentrierte sich Wendts Karriere ausschließlich auf
       die DPolG. Erst war er Landeschef in NRW, ab 2007 dann Bundesvorsitzender.
       Ein Funktionär also.
       
       ## „Kein echter Polizist“
       
       Der Fernsehunterhalter Jan Böhmermann [2][widmete ihm 2017 sogar einen
       eigenen Song], in dem es hieß: „Rainer Wendt, du bist kein echter Polizist,
       / Rainer Wendt, weil du dir selbst der Nächste bist. / Rainer Wendt, du
       forderst Rechtsstaat und Moral, / aber beides ist dir selber scheißegal.“
       
       Böhmermann bezog sich auf Wendts Nebenjobs. Der Gewerkschafter kassierte
       seinerzeit neben seinem Beamtengehalt (das er erhielt, obwohl er gar nicht
       mehr als Kommissar arbeitete) auch [3][nicht angemeldete Einkünfte aus
       diversen Gremienposten]. Insgesamt soll er so auf über 124.000 Euro
       jährlich gekommen sein. Die öffentliche Empörung war groß, nicht zum ersten
       Mal.
       
       Schon 2010 fragten sich viele, was mit dem 1,68 Meter kleinen Mann nicht
       stimmt, als er mit Blick auf die Proteste gegen das Projekt Stuttgart21
       erklärte: „Polizeiliche Einsatzmittel müssen Waffen sein, die wehtun, nur
       dann wirken sie.“ Gleiches 2012, als er nach Protesten gegen einen
       Neonazi-Aufmarsch in Hamburg der Polizei den Einsatz von Gummigeschossen
       empfahl.
       
       ## Fast-Staatssekretär in Sachsen-Anhalt
       
       Wie aktuell in Mecklenburg-Vorpommern befand 2019 auch die CDU in
       Sachsen-Anhalt, dass Wendt trotzdem oder gerade deshalb eine glänzende
       Personalie sei. Damals wurde ihm aus Magdeburg das Angebot unterbreitet,
       Staatssekretär im CDU-geführten Innenministerium zu werden. Allein, [4][die
       Koalitionspartner SPD und Grüne meuterten]. Kurz darauf wurde das Angebot
       zurückgezogen.
       
       Wendt wetterte im Anschluss, die CDU sei „vor Linken, Grünen und
       Sozialdemokraten eingeknickt“, wobei das „Kommando“ hierfür direkt „aus dem
       Kanzleramt“ gekommen sei, von CDU-Kanzlerin Angela Merkel also. Alles
       Blödsinn, ließ Merkels Sprecher daraufhin wissen. Alles Geschichte, heißt
       es heute aus Mecklenburg-Vorpommern.
       
       „Ich bin von Rainer Wendts Kompetenz absolut überzeugt“, sagt
       CDU-Landeschef Daniel Peters zur taz. Er sehe in Wendt auch weniger einen
       rechten Scharfmacher. „Aber natürlich steht er für klare Ansagen und das
       braucht es in der Politik.“ Was die CDU im Nordosten selbst braucht, ist
       Aufmerksamkeit: Weniger als zwei Monate vor der Wahl liegt die Partei in
       der jüngsten Umfrage bei nur noch 9 Prozent.
       
       4 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /CDU-Chef-Daniel-Peters-Die-Linkspartei-ist-ein-Fall-fuer-den-Verfassungsschutz/!6180502
 (DIR) [2] https://www.youtube.com/watch?v=QwAm7RnrZyo
 (DIR) [3] /Polizeigewerkschafter-Rainer-Wendt/!5387713
 (DIR) [4] /Streit-um-Berufung-des-Staatssekretaers/!5640408
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Rainer Rutz
       
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