# taz.de -- Jens Spahn und die Sonnenfinsternis: Wo ist Jens Spahn, wenn man ihn mal braucht?
       
       > Spahns teure Masken, Villen und Kinder hätten so schön ablenken können
       > vom AfD-Höhenflug. Der wird stattdessen selbst von jenen befeuert, die es
       > besser meinen.
       
 (IMG) Bild: Kümmert sich leider nicht mehr um das Allgemeinwohl: Jens Spahn (CDU)
       
       Manchmal ist es doch ein bisschen schade, dass Jens Spahn zurückgetreten
       ist. Gerade in dieser Woche hätten wir unseren alten Lieblingskotzbrocken
       ausnahmsweise mal dringend gebraucht, als alle verzweifelt auf Schutzsuche
       durch die Straßen irrten und in allen Läden genervt abgewiesen wurden.
       Spahn hätte ganz bestimmt rechtzeitig vor der [1][partiellen
       Sonnenfinsternis] Milliarden Schutzbrillen beschafft, wie viele
       Netzspaßvögel anmerkten, denen ohne Spahn nun die letzten harmlosen Witze
       in diesem in jeder Hinsicht bedrohlichen Sommer auszugehen drohen.
       
       Auch die Themen waren mit Spahn netter. Im Vergleich zur akuten Angst vor
       einer [2][AfD-Machtübernahme, wie sie zumindest im September in
       Sachsen-Anhalt droht,] vor noch mehr Krieg und Hitzewellen, vor weiteren
       Klimakatastrophen und vor deutschen Geheimdiensten, die erstmals seit 1945
       wieder in Wohnungen einbrechen dürfen, wenn sie nicht gerade im Ausland
       Sabotageaktionen durchführen, waren die Spahn-Debatten über teure Masken,
       teure Villen, obskure Freunde in den USA und eine nicht parteikonforme
       Leihmutterschaft Erholung pur.
       
       Jedenfalls war der abservierte Spahn trotz seiner diversen Ferkeleien wohl
       eher nicht „Der gefährlichste Mann Deutschlands“. Das ist laut aktuellem
       Spiegel-Titel auch nicht etwa AfD-Voldemort Björn Höcke, der Sahra
       Wagenknecht jetzt als neue Ministerpräsidentin von Thüringen vorgeschlagen
       hat, was diese erstaunlicherweise bisher noch ablehnt. Nein, der
       Spiegel-Coverboy ist Ulrich Siegmund von der AfD in Sachsen-Anhalt.
       
       Diese sachdienliche Information eines westdeutschen Magazins wird die
       Wahlberechtigten in Sachsen-Anhalt ganz sicher schwer abschrecken und die
       AfD noch mehr demotivieren als die Verbotsforderungen direkt vor
       Landtagswahlen. Besonders hilfreich sind auch die zahlreichen Empörten, die
       den Mann im Spiegel als „AfD-Werbung“ kritisieren – und das Titelbild vor
       lauter Wut selbst eifrig weiter in der Social-Media-Welt verbreiten.
       
       Aber es ist halt auch nicht einfach. Selbst wenn wir alle, die den
       Höhenflug der AfD furchtbar finden, immer die genau richtige Balance
       zwischen berechtigter Warnung und versehentlicher Werbung durch Belehrung
       finden würden, wäre die AfD vermutlich nicht ganz so schnell weg wie die
       Sonne am Mittwochabend und [3][Spahn nach seiner Familiengründung.]
       
       16 Aug 2026
       
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 (DIR) Lukas Wallraff
       
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