# taz.de -- Krimi über Künstler des Surrealismus: Malerische Morde
> In „This Is Not a Murder Mystery“ wird stilsicher in Form von Kunstwerken
> gemeuchelt. Das geschieht leider nicht immer geschichtlich akkurat.
(IMG) Bild: Szene aus dem mehrteiligen TV-Krimi „This Is Not a Murder Mystery“
Es ist fast malerisch. Als der belgische Surrealist René Magritte (Pierre
Gervais) morgens neben der ermordeten Künstlerin Sheila Legge (Lauren
Versnick) aufwacht, haben sie und er einen weißen Schal um den Kopf
gebunden – genauso wie in Magrittes weltberühmtem und ikonischem Gemälde
„Die Liebenden“.
Der Sechsteiler „This is not a Murder Mystery“ ist in der goldenen Ära der
Kriminalgeschichten angesiedelt, die seit Jahren boomt, wie in [1][„Babylon
Berlin“] oder unzähligen [2][Agatha-Christie-Verfilmungen], die vor allem
im öffentlich-rechtlichen Fernsehen rauf und runter gesendet werden.
Aber „This is not a Murder Mystery“ ist dann doch ein wenig anders. Denn
alle grausigen Morde, die im Jahr 1936 auf dem prunkvollen englischen
Landsitz West Dean verübt werden, sind als Kunstwerke inszeniert.
Und das, während sich das Who's who der surrealistischen Ikonen dort für
eine Ausstellung trifft. Neben [3][Max Ernst] sind das unter anderem Man
Ray, Lee Miller, Paul Nash und Salvador Dalí mit Gattin Gala. Zur großen
Vernissage, mit der Lord James, den es tatsächlich gab und der ein großer
Förderer der Surrealisten war, seine Finanzen sanieren will, finden sich
dann auch noch Picasso, Peggy Guggenheim und [4][Sigmund Freud] ein.
„This is not a Murder Mystery“ ist die erste Produktion der 2023
gestarteten New 8 Alliance, die 8 öffentlich-rechtliche Programme aus
Deutschland, Benelux und Skandinavien vereinigt, um gegenüber privaten
Streaminganbietern auf dem Serienmarkt konkurrenzfähig sein zu können. Die
englischsprachige Produktion aus Belgien ist als Aushängeschild dieser
neuen Allianz entsprechend aufwändig gemacht.
## Statisten in den eigenen Werken
Der Landsitz des Surrealismus-närrischen Lord James, der auch in einem
Gemälde Magrittes verewigt wurde, war selbst ein Kunstwerk. Dalís
legendäres Sofa in Form von Mae Wests Lippen stand ebenso dort und ist in
der Serie zu sehen wie diverse andere surrealistische Werke, beispielsweise
ein Hummertelefon, mit dem konspirative Gespräche die Mordserie betreffend
geführt werden. Wobei sich die Serie die Freiheit nimmt, die Geschichte
umzuschreiben. Lord James (Aoibhinn McGinnity) ist hier weiblich und
scheucht mit reichlich Klassendünkel und Arroganz die ermittelnden
Scotland-Yard-Beamten übers Anwesen. Und René Magritte hilft als Assistent
fleißig bei der Suche nach dem Mörder.
Wären die Mordszenen nicht so drastisch und blutrünstig, würde das Ganze
als Cosy Crime durchgehen. Aber die Macher waren ganz offensichtlich
bemüht, sich in keine der gängigen Krimischubladen stecken zu lassen.
Klischees gibt es natürlich trotzdem nicht zu knapp.
Salvador Dalí wird etwas zu hysterisch und immer wieder weinerlich in Szene
gesetzt, Max Ernst kommt mit wirrer Künstlerfrisur und ansonsten als
verständnisvoller Akademiker daher, alle Künstler wirken stellenweise wie
Statisten ihrer ikonischen Werke. Tiefgründige Charaktere werden hier keine
entwickelt. Doch das Ermittler-Duo von Scotland Yard arbeitet wundervoll
skurril-britisch an dem Fall.
Auch auf historische Fakten sollten Zuschauerinnen nicht zu sehr bestehen,
denn weder Sheila Legge noch andere namhafte Surrealisten mussten in West
Dean ihr Leben lassen. Schön inszenierte Krimiunterhaltung ist der
Sechsteiler auf jeden Fall, aber ob das ausreicht, um Netflix und Co
Konkurrenz zu machen, wird sich noch zeigen müssen.
1 Aug 2026
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## AUTOREN
(DIR) Florian Schmid
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