# taz.de -- Unser Fenster nach Belarus: Ales Bialiatski über Gefängnis, Repression und Hoffnung
> Ein Apfel pro Jahr, Kälte, Isolation: Ales Bialiatski berichtet über das
> Gefängnissystem in Belarus und seinen Kampf für Freiheit.
„Im vergangenen Jahr habe ich genau einen einzigen Apfel gegessen.“ Mit
diesem Satz beschreibt der Friedensnobelpreisträger [1][Ales Bialiatski]
das Leben in einem belarusischen Gefängnis. „Nachts werden die Betten
heruntergeklappt, tagsüber bleibt fast nichts außer Betonwänden. Es ist
kalt. Das Essen besteht meist nur aus Brei und Suppe. Das Leben im
Gefängnis ist ein ständiger Kampf ums Überleben“, erzählt der belarusische
Menschenrechtler.
Diese Folge von „Freie Rede“ ist die Aufzeichnung einer Podiumsdiskussion
beim [2][Internationalen Journalismusfest in Innsbruck]. Im Gespräch mit
Tigran Petrosyan spricht Bialiatski über das System der Repression in
Belarus – und darüber, wie sehr die Gefängnisse des Landes noch immer von
der sowjetischen und stalinistischen Lagerlogik geprägt sind.
„Man lebt dort nicht einfach in einer Zelle, sondern in einer
Strafkolonie“, erzählt er. „Die Gefangenen schlafen in Baracken mit 50 bis
100 Menschen. Arbeit ist verpflichtend. Wer sich weigert, riskiert
zusätzliche Strafen.“
Ales Bialiatski ist Gründer der Menschenrechtsorganisation Wijasna und seit
Jahrzehnten eine der wichtigsten Stimmen für Demokratie und politische
Freiheit in Belarus. Kurz nachdem er 2022 den Friedensnobelpreis erhalten
hatte, verurteilte ihn das Lukaschenko-Regime zu zehn Jahren Haft. Im
Dezember 2025 kam er gemeinsam mit mehr als hundert weiteren politischen
Gefangenen frei.
## Wie wirken die Sanktionen gegen Belarus?
Bialiatski berichtet von Isolation und dem Versuch des Regimes, politische
Gefangene systematisch zu brechen. Und dennoch spricht er nicht nur über
Angst und Gewalt, sondern auch über Solidarität, Humor und Hoffnung. „Wir
wussten: Das ist unsere Aufgabe. Wir durften nicht um Begnadigung bitten
und keine falschen Schuldbekenntnisse ablegen.“
Bialiatski spricht in diesem Podcast über die Wirkung westlicher Sanktionen
gegen Belarus, über den Einfluss des Kremls auf sein Land und über die
Rolle der belarusischen Opposition im Exil.
Er erzählt von den Grausamkeiten des Gefängnissystems – aber auch von
absurden Momenten hinter Gittern. Und er erklärt, warum er trotz allem
weiter an ein demokratisches Belarus glaubt.
Vom 8. bis 10. Mai war Ales Bialiatski zu Gast beim Internationalen
Journalismusfest in Innsbruck. Die Podiumsdiskussion wurde von der taz
panterstiftung und der ERSTE Stiftung Wien ermöglicht.
[3][Osteuropa gehört zu den Schwerpunkten der taz panterstiftung], die
dorthin blickt, wo der Zugang zu Informationen immer schwieriger wird –
Russland und Belarus gehören dazu. Am letzten Tag im Monat erscheint eine
neue Podcastfolge von „Unser Fenster nach u. a. Russland/Belarus“ im
Podcastformat „Freie Rede“ der [4][taz panterstiftung].
31 May 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Ales-Bialiatski/!t5886482
(DIR) [2] https://www.journalismusfest.org/ales-bialiatski/
(DIR) [3] /stiftung/osteuropa
(DIR) [4] /panter-stiftung/vom-wort-zur-tat/!v=e4eb8635-98d1-4a5d-b035-a82efb835967/
## AUTOREN
(DIR) Tigran Petrosyan
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