# taz.de -- Wahlkampf in Dahlem: Applaus für Luxusvillensteuer
       
       > Eine Wahlveranstaltung in Dahlem nimmt einen überraschenden Verlauf.
       > Linke, Grüne und SPD haben ihre Spitze geschickt, die CDU den
       > Ortsvorsteher.
       
 (IMG) Bild: Der alte Krug in Dahlem: Überraschung für die Kandidaten, wie die Wähler*innen ticken
       
       Eine Wahlveranstaltung im beschaulichen Dahlem: Viele Villen, die von
       Gärten umgeben sind, gibt es in diesem Teil von Zehlendorf, die Bevölkerung
       gilt nicht gerade als arm. Bei den Abgeordnetenhauswahlen 2023 hat die CDU
       hier 36,6 Prozent geholt. Grüne (19,2) und SPD (18,8) lagen deutlich
       dahinter, die Linke war mit 5,4 Prozent weit abgeschlagen.
       
       Der Gemeindesaal ist an diesem Mittwochabend gut gefüllt, etwa 100 Menschen
       werden es sein. Ältere Jahrgänge dominieren, viele Frauen sind darunter,
       die meisten sind weiß. Wehrhafte Demokratie, mehr als nur ein
       Lippenbekenntnis lautet der Titel der Veranstaltung, die das Bündnis
       Südwest Weltoffen organisiert hat. Das setzt sich über Parteigrenzen hinweg
       für Demokratie und Menschenrechte ein und stellt sich eigenen Angaben
       zufolge einem aufkeimendem Faschismus entgegen. Dazu gehört auch die
       Forderung, die Verfassungswidrigkeit der AfD beim Bundesverfassungsgericht
       überprüfen zu lassen.
       
       Mit [1][Werner Graf, Elif Eralp und Steffen Krach] haben Grüne, Linke und
       SPD ihre Spitzenleute geschickt. Für Steffen Evers, der aus Termingründen
       fehlt, ist der CDU-Direktkandidat von Dahlem und gleichzeitig
       Ortsvorsteher, Christoph Wegener, eingesprungen.
       
       Ein Heimspiel für die CDU hatte man erwartet. Wegeners Vorgänger Adrian
       Grasse, inzwischen Bundestagsabgeordneter, hatte 2023 als Direktkandidat 40
       Prozent geholt. Aber das Publikum tickt anders, als angenommen. Das Herz im
       Saal schlägt grün, links, sozial, nicht nur an der Stärke des Beifalls
       zeigt sich das.
       
       ## Ist Migration ein Problem?
       
       Zunächst geht es an diesem Abend um das Für und Wider eines AfD-Verbots.
       Graf, Eralp und Krach begründen ausführlich, warum sie dafür sind. Wegener,
       ganz auf CDU-Linie, hält dagegen. Zunächst schickt er voraus, dass seine
       Partei jede Zusammenarbeit mit der AfD „eindeutig ablehnt“. Ein
       Verbotsverfahren dauere Jahre und werde die AfD weiter stärken, warnt er.
       „Wir müssen die Probleme lösen, die die Menschen dazu getrieben haben, AfD
       zu wählen.“ Abstiegs- und Verlustängste und auch das Thema Migration
       gehörten dazu.
       
       Später wird das Mikrofon für Fragen des Publikums geöffnet.
       Unterschiedliche Probleme werden thematisiert. Die erste Frage ist nicht
       die einzige, die direkt an Wegener geht. Ob er wirklich der Meinung, sei,
       dass Migration „unser Hauptproblem“ sei, will eine ältere Frau wissen. „Das
       ist ja genau die gleiche Antwort, die auch die AfD geben würde“, empört sie
       sich. Wegener antwortet: Ja, Migration sei ein Thema. „Das mag im
       beschaulichen Dahlem nicht so virulent sein, dass Arbeitsplätze verloren
       gehen.“
       
       Nächste Frage: In der Schule ihrer Kinder seien die Klassenfahrten aus
       Kostengründen gestrichen worden, sagt eine Frau. „Warum ist die CDU so
       vehement gegen die Vermögenssteuer?“ Steilvorlage für Elif Eralp. Die Linke
       sei nicht nur für die Einführung der Vermögenssteuer, sondern auch für eine
       Luxusvillensteuer, so Eralp und erntet dafür im Dahlemer Villenviertel viel
       Applaus. Wegener guckt fassungslos.
       
       Aber auch Eralp hat der Verlauf des Abends überrascht. Das zeigt sich, als
       sie sich in ihrem Schlussstatement strahlend für die engagierten Fragen
       bedankt. Sie habe heute viel vom Publikum gelernt. Als fairer Verlierer
       erweist sich aber auch der CDU-Ortsvorsteher. Die Schwerpunkte der Fragen
       seien toll gewesen, sagt er. „Und danke, dass Sie mich ertragen haben.“
       
       Bei den Gesprächen beim Rausgehen stellt sich heraus, dass im Publikum auch
       [2][Omas gegen rechts] waren. „Bestimmt so viele wie eine Schulklasse“,
       sagt eine ältere Frau mit Zopf und lacht. Und natürlich wohnten nicht alle
       Dahlem.
       
       30 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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       vertreten.