# taz.de -- Pressefreiheit in Aserbaidschan: 15 Jahre Haft für Journalisten
> Die staatlichen Repressionen gegen kritischen Journalismus setzen sich in
> Aserbaidschan fort. Grundlage bleibt das fragwürdige Mediengesetz.
(IMG) Bild: Ursula von der Leyen und Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev, Baku, 1. Juli 2026
Ein Gericht in [1][Aserbaidschan] hat neun Journalisten des Medienprojekts
Toplum TV zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Den Angeklagten wurde
vorgeworfen, das Mediengesetz, das eine Finanzierung vom Ausland verbietet,
verletzt zu haben.
Akif Gurbanow und Ruslan Izzetli, die Toplum TV gegründet haben, erhielten
jeweils 15 Jahre Haft. Der Medienrechtler und Mitgründer Alesker Mamedli,
der schwer krank sein soll, erhielt 14 Jahre. Alle anderen, Redakteure,
Projektkoordinatoren, Reporter und Social-Media-Verantwortliche – wurden 12
bis 14 Jahren verurteilt. Vorgeworfen wurde allen angeblicher
Geldschmuggel. Dass der ähnlich rigoros bestraft wird wie Staatsverrat,
Kriegsverbrechen und Spionage, ist ungewöhnlich.
Im [2][März 2024 hatte die aserbaidschanische Polizei] nahezu die gesamte
Redaktion von Toplum TV festgenommen. Das Medium hatte sich mit Recherchen
über Korruption in Ministerien, unter hochrangigen Beamten und deren
Familien einen Namen gemacht. Außerdem berichtet Toplum TV regelmäßig über
wirtschaftliche Probleme, soziale Missstände und die Einschränkung der
Pressefreiheit in Aserbaidschan. Trotz der Verhaftungen arbeitet die
Redaktion weiter. Der [3][Youtube-Kanal des Mediums] zählt rund 100.000
Abonnenten.
## Zahlreiche Verhaftungen wegen Mediengesetz
Die jüngsten Urteile gegen Journalisten sind nicht die einzigen. Bereits
Ende 2023 wurden die ersten verhaftet. Damals waren es zwei Journalisten
der Plattform „Kanal 13“. Einer von ihnen wurde zu zwei Jahren Haft
verurteilt, sein Kollege war ein Jahr in Untersuchungshaft.
Dann traf es Meydan TV. Zwischen Dezember 2024 und Mai 2025 wurden zwölf
MitarbeiterInnen festgenommen. Eine Gerichtsverhandlung hat noch nicht
stattgefunden.
Anders beim Investigativmedium Abzas Media. Sechs Mitarbeitende bekamen im
Juni 2025 Haftstrafen zwischen siebeneinhalb und neun Jahren. Das Medium
berichtete etwa über die wirtschaftlichen Aktivitäten des Umfelds von
Präsident Ilham Aliyev. Ein weiterer Verurteilter war Journalist des
Senders Radio Free Europe/Radio Liberty.
All den angeklagten und verurteilten Journalisten ist das 2022 in Kraft
[4][getretene aserbaidschanische Mediengesetz] zum Verhängnis geworden. Mit
diesem Gesetz hat die Regierung die staatliche Kontrolle über Medien und
Journalisten deutlich ausgeweitet. In den folgenden Jahren wurde das Gesetz
mehrfach geändert und weiter verschärft.
## Elektronisches Register für Journalisten
Eine Neuerung ist, dass Journalisten sich in einem speziellen
elektronischen Register melden müssen. Wer nicht in dieses Register
aufgenommen wird, verliert die Möglichkeit, legal als Journalist zu
arbeiten. Darüber hinaus führte das Gesetz strenge Beschränkungen für
ausländische Finanzierung und internationale Fördergelder ein. Viele
unabhängige Medien, die bisher auf Unterstützung aus dem Ausland angewiesen
waren, verloren dadurch wichtige Einnahmequellen.
Zugleich verschärften die Behörden die strafrechtliche Verantwortung für
die Verbreitung von Informationen, die als „falsch“ eingestuft werden oder
der „öffentlichen Ordnung“ schaden könnten.
Kurz vor dem Besuch von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im
Juli hatten inhaftierte aserbaidschanische Journalisten in einem offenen
Brief an von der Leyen die EU aufgefordert, ihre Werte nicht
wirtschaftlichen Interessen unterzuordnen.
29 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] /Armenien-und-Aserbaidschan/!6178451
(DIR) [2] /Konflikt-Armenien-und-Aserbaidschan/!6046287
(DIR) [3] http://www.youtube.com/@ToplumTV
(DIR) [4] /Medienunfreiheit-in-Aserbaidschan/!5977390
## AUTOREN
(DIR) Bernhard Clasen
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