# taz.de -- Sechsfachmord in Stade: Angehörige hoffen weiter auf Prozess
> Mit dem Tod des mutmaßlichen Täters in der JVA droht der Mordprozess
> auszufallen. Dennoch ermitteln die Behörden weiter gegen zwei Frauen.
(IMG) Bild: Hier wurden sechs Menschen umgebracht: der Tatort in Stade am 30. Juni
dpa | Hinterbliebene hoffen auf einen Prozess, Politiker fordern die
Aufklärung der Todesumstände des Tatverdächtigen, und die
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen zwei Frauen wegen Mordes – einen Monat
nach der schrecklichen Tat in Stade sind viele Fragen ungeklärt. „Das ist
alles offen, ich kann keine Versprechungen machen, ob angeklagt wird“, sagt
die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Stade, Julia Pirk. „Menschlich kann
ich das gut nachvollziehen.“
Die 34 Jahre alte Mutter des Kindes und die 65 Jahre alte Fahrerin des
Fluchtautos stehen weiterhin unter Verdacht, an der Tat beteiligt gewesen
zu sein. „Wir sind im Ermittlungsstadium, Beschuldigte in Strafverfahren
müssen sich nicht äußern“, erklärte Pirk. Für die Medien sei die 65-Jährige
nicht erreichbar, für die Behörde aber schon.
Derzeit wartet die Staatsanwaltschaft auf die Ergebnisse der Obduktion des
45-Jährigen. Er soll sich am 21. Juli in der JVA Bremervörde mit
Oberbekleidung stranguliert haben. „Wir haben festzustellen, ob es ein
Suizid ist. Bisher haben wir keine Anhaltspunkte dagegen“, sagte Pirk.
Mögliche Vorstrafen in der Türkei träten in den Hintergrund, weil gegen
Verstorbene nicht ermittelt werde.
## Wer verursachte die Gehirnblutung des Kindes?
Die Staatsanwaltschaft Hannover untersucht unterdessen, wer für die
Hirnblutung des Säuglings im Vorfeld der Tat mit sechs Toten [1][in der
Mutter-Kind-Einrichtung] verantwortlich war. Ein medizinisches Gutachten
eines speziellen Sachverständigen aus Nordrhein-Westfalen soll frühestens
Ende August vorliegen. Es soll Aufschluss darüber geben, ob die Verletzung
durch ein Schütteltrauma entstand. „Wir lassen das anhand der Arztbriefe
überprüfen, das ist obligatorisch“, sagte Staatsanwalt Oliver Eisenhauer in
Hannover.
In einem Brief der 65-Jährigen – angeblich der Patentante des Babys – ist
von einem Unfall die Rede. Nach dem Tod des Vaters wird nun zudem
untersucht, ob eventuell die Mutter für den Vorfall verantwortlich war.
Danach war das Sorgerecht beiden entzogen worden, die 34-Jährige lebte mit
dem Säugling in der Einrichtung in Stade. Bei Misshandlung von
Schutzbefohlenen könnte eine Anklage oder sogar ein Haftbefehl folgen.
Fallengelassen wurden die Ermittlungen gegen den Tatverdächtigen mit
türkischem Pass wegen Bedrohung der Ärzte.
Opferanwalt Steffen Hörning und Politiker fordern die Aufarbeitung [2][des
Todes in der JVA]. Er ist davon überzeugt, dass es falsch war, die
Haftbedingungen für den mutmaßlichen Täter zu lockern. [3][Bereits in der
Vergangenheit sei er hoch manipulativ in Erscheinung getreten]. Der
45-Jährige hatte anfangs unter besonderer Beobachtung gestanden, die nach
Einschätzung einer Psychologin schrittweise gelockert und schließlich ganz
aufgehoben worden war.
Hörning, der zwei hinterbliebene Familien vertritt, weist auf die
schwierige Bewältigung des Geschehens ohne einen Mordprozess hin: „Dort
möchten sie ihrem Familienmitglied ein Gesicht geben, von ihm erzählen.“
Die Hinterbliebenen hofften dem Anwalt nach nun, dass man am Ende Beweise
findet, dass die beiden Frauen in die Tat involviert waren und angeklagt
werden.
29 Jul 2026
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