# taz.de -- Neue Ausstellung im Museum für Kinder: Bunte Stoffe und ein Museum am seidenen Faden
       
       > Im MACHmit! Museum für Kinder zeigen sieben Künstlerinnen aus Berlin
       > Kunst zum Gucken und Begreifen. Es könnte die letzte große Ausstellung
       > sein.
       
 (IMG) Bild: Alles auf Augenhöhe im MACHmit! Museum
       
       Hier sieht es aus wie in einem gut sortierten Laden für Stoffe, nur dass
       die Muster etwas – nun ja – aus der Zeit gefallen scheinen. Einzelne Stücke
       hängen auf einer Wäscheleine und ergeben ein buntes Durcheinander. In einer
       Ecke stapelt sich Bettwäsche, die so aussieht, als wäre sie nie benutzt
       worden, sicher Erbstücke: Die textile Installation von [1][Veronike
       Hinsberg] ist für die neue Ausstellung im MACHmit! Museum für Kinder in der
       Senefelderstraße 5 entstanden. Unter dem Motto [2][„Kunstknall“] stehen
       „Frauen*Power in der Kunst“, so der Untertitel, im Fokus. Zu sehen sind
       Keramiken, Fotos, Malereien und Videos von sieben Künstlerinnen aus Berlin.
       
       Veronike Hinsberg, 1968 In Karlsruhe geboren, war erst Damenschneiderin,
       bevor sie an der Kunsthochschule Weißensee Freie Kunst studierte. Als ihre
       Mutter vor 14 Jahren starb, hat Hinsberg viele Stoffe geerbt. Das erzählt
       sie in einem Video: In ihrem Atelier ist sie von neugierigen Kindern
       umringt. Der Film macht den Anspruch des Kindermuseums deutlich, die
       Zielgruppe von Anfang an in die Ausstellungsarbeit einzubeziehen.
       
       Die Künstlerin berichtet, wie sie „die Stoffe nach Berlin gebracht und
       gewaschen und gemangelt hat“ – und hält kurz inne: Eine Mangel, „wisst ihr
       was das ist?“, fragt sie und erklärt das alte Haushaltsgerät. Sie hält
       dabei ein Stück Stoff in der Hand, das aus Streifen in verschiedenen
       Rottönen zusammengesetzt ist. Hinsberg berichtet, wie sie ein Foto gefunden
       hat, auf dem ihre Mutter ein Faschingskostüm aus eben diesem Stoff trägt,
       der vorher auch mal eine Tischdecke war … „Stoffe haben Spuren“, sagt
       Hinsberg, „und erzählen Geschichten.“ Sie wurden gestopft und geflickt,
       immer wieder geändert und umgearbeitet, aufgehoben und vererbt.
       
       ## Das mit der Interaktion funktioniert bestens
       
       Das 1992 eröffnete [3][MACHmit! Museum für Kinder] widmet sich in
       interaktivem Wechselausstellungen – jährlich gibt es eine neue – mit Themen
       wie den Veränderungen in der Stadt, der Begegnung mit fremden Welten, mit
       Natur und Umwelt.
       
       Das mit der Interaktion funktioniert bestens, wie sich an diesem
       Mittwochnachmittag mitten in den Sommerferien erleben lässt. Das Museum ist
       voller kleiner Kinder, die sich mit der Kunst beschäftigen, weil es diese
       eben nicht nur zu sehen gibt (wie in Erwachsenenmuseen), sondern auch – im
       Wortsinne – zum Begreifen. Die Kinder können malen, zeichnen, mit einer
       Farbschleuder arbeiten, die auf einem rotierenden Blatt Papier ganz
       zauberhafte Muster „ent-wirft“. Sie können an Dingen drehen, durch
       Stoffbahnen wandern, auch klettern und toben … ein Ort, der verzaubert.
       Auch die Großen, die die Kinder begleiten. Ein Ort, der zu einem
       Perspektivwechsel einlädt: Alle Bilder hängen so tief, dass sie für Kinder
       auf Augenhöhe zu betrachten sind. Als Erwachsener muss man sich bücken.
       
       Das Haus bekommt als Jugendfördereinrichtung Geld vom Bezirk Pankow. Es hat
       „in den Jahren 2025 und 2026 Tarifmittel in Höhe von jeweils 48.745 Euro
       erhalten“, heißt es aus der Pressestelle des Bezirksamtes. Damit finanziert
       das Museum anteilig zwei Mitarbeitende. Damit sind, salopp formuliert,
       keine großen Sprünge drin, wie es Direktorin Uta Rinklebe formuliert. Nur
       mal zum Vergleich: Der Bezirk Pankow ist mit seinen rund 412.000
       Einwohner:innen annähernd so groß wie die Großstadt Duisburg (452.721).
       Die Regelförderung seitens des Bezirkes ist wichtig, sagt Rinklebe, als
       kleinster Teil der Mischfinanzierung des MACHmit! Museums.
       
       Dazu muss man wissen, dass das Kindermuseum eine der Einrichtungen ist, die
       bisher als Projektförderung vom Senat anteilig finanziert wird und im Zuge
       der Kulturetatkürzungen betroffen war. Es handelt sich um eine
       Kürzungssumme von 60.000 Euro – damit verringert sich die Senatsförderung
       um 23 Prozent. „Das ist das Geld, was wir eigentlich für unsere Ausstellung
       brauchen“, sagt Rinklebe. Denn jedes Jahr wird eine neue Ausstellung
       produziert, eigentlich. Denn 2027 wird das schwierig bis unmöglich. „Ohne
       die Gelder können wir nächstes Jahr keine neue Ausstellung entwickeln.“ Die
       diesjährige Ausstellung „Kunstknall“ konnte nur dank der Förderung durch
       die Lotto-Stiftung realisiert werden.
       
       ## Pro Jahr kommen rund 80.000 Besucher:innen
       
       Dabei wird das Kindermuseum gut besucht, pro Jahr kommen rund 80.000
       Besucher:innen. „Damit sind wir kein kleines Museum“, sagt Rinklebe,
       „sondern ein mittleres.“ Und alle Besucher:innen zahlen Eintritt, auch
       Kinder. Freien Eintritt für die Kleinen – an vielen großen Häusern üblich –
       gibt es ausgerechnet im Kindermuseum nicht, weil das nicht von der
       öffentlichen Hand gegenfinanziert wird. „Unser Haus finanziert sich
       sozusagen privat und zu 80 Prozent über die Eintrittsgelder“, sagt
       Rinklebe. Das klingt einerseits gut, hat aber eine Schattenseite: Die
       Einnahmen schwanken wie das Wetter. Um so wichtiger wäre eine weitere feste
       Förderung für die Ausstellung im nächsten Jahr.
       
       Es wäre schade um die Ausstellungen, die nicht nur etwas für Kinder sind.
       Dann gäbe es diese Installation nicht zu sehen: Die Malerin und Keramikerin
       [4][Inken Reinert] hat mit den Möbeln ihrer Mutter eine verspielte wie
       nostalgische Zeitreise aufgebaut. Eine alte Schrankwand aus DDR-Produktion
       ist kaum wiederzuerkennen, die einzelnen Teile sind wild durcheinander
       gewirbelt. In den Schrankteilen und Schubladen sind Versatzstücke von
       DDR-Waren für Kinder zu sehen. Eine Schallplatte von [5][„Alfons
       Zitterbacke“], ein Klassiker der DDR-Kinderliteratur, Puppen und
       Spielfiguren aus Plaste, dazu klischeehafte Spielfiguren aus dem Wilden
       Westen, wie sie der Autor dieses Textes auch besessen hat.
       
       [6][Eva von Schirach] hat unter dem Titel „wir wir wirklichkeit“ 30
       Fotografien und das partizipative, generationsübergreifende Lyrik-Projekt
       „Anziehen mit den Händen“ beigesteuert. Ihre poetischen Fotos zeigen Kinder
       im Spiel oder Alltag und kommen Stillleben gleich.
       
       Das Gedicht „Anziehen mit den Händen“ handelt vom Aufwachen. Es beginnt mit
       dem Buchstaben A und benennt Bilder und Worte, die der Berlinerin entlang
       des Alphabets nach und nach in den Kopf gekommen sind … zunächst hatte Eva
       von Schirach Jugendliche und Erwachsene in ihrer Umgebung gebeten, das
       Gedicht in eine ihnen vertraute Sprache und auch im Dialekt zu übertragen
       und einzusprechen. So sind werkgetreue Übersetzungen, Nachdichtungen oder
       assoziativ weitergedachte Texte entstanden. „Die Herausforderungen eines
       solchen Sprachprojektes sind so vielseitig und individuell wie die
       gefundenen Lösungen“, sagt die Künstlerin, die alle einlädt, sich mit einem
       eigenen Beitrag an dieser weiterwachsenden Lyrik-Sammlung zu beteiligen.
       „Ich stelle mir vor, dass es so viele Variationen wie Teilnehmende gibt, so
       nach dem Motto: es ist genug Sprache für alle da.“
       
       Natürlich findet Eva von Schirach das Kindermuseum toll: „Wenn ich mal
       nicht weiterweiß, hole ich mir dort Hilfe. Ich sehe mir an, wie
       selbstverständlich Kinder und Erwachsene sich hier bewegen, Neues
       ausprobieren, Vertrautes wiederentdecken und kompetent miteinander diese
       Welt erkunden. Kindermuseen trauen ihren Besuchenden eine Menge zu. Das
       finde ich gut“, sagt von Schirach. In diesem Sinn versteht die Künstlerin
       das Museum auch als Ort der politischen Bildung.
       
       „Kinder haben das Recht auf Kultur“ steht an einem der Außenfenster zur
       Straße hin mit Kreide geschrieben, dazu der Verweis auf die
       UN-Kinderrechte, Artikel 31 – darunter der aus dem Stadtbild bekannte
       Protestschriftzug „#UNKÜRZBAR“.
       
       11 Aug 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] http://veronike.hinsberg.de/
 (DIR) [2] https://machmitmuseum.de/ausstellung-kunstknall/
 (DIR) [3] https://www.museumsportal-berlin.de/de/museen/machmit-museum-fur-kinder/
 (DIR) [4] http://inken-reinert.de/
 (DIR) [5] https://de.wikipedia.org/wiki/Alfons_Zitterbacke
 (DIR) [6] https://itsayorki.de/ueber-mich/
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Andreas Hergeth
       
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