# taz.de -- Prozess um Auto-Anschlag in München: Anklage fordert Maximalstrafe
       
       > Zwei Menschen starben, als ein Islamist 2025 mit dem Auto in einen
       > Demonstrationszug in München raste. Jetzt geht der Prozess gegen ihn zu
       > Ende.
       
 (IMG) Bild: Fahrad N. tötete eine Frau und ihr Kind und verletzte 44 Menschen, als er 2025 sein Auto in eine Verdi-Demo steuerte
       
       Farhad N. soll zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt werden. Das
       zumindest fordert die Bundesanwaltschaft im Münchner Terrorprozess wegen
       des [1][Anschlags auf eine Verdi-Demonstration im Februar 2025]. Außerdem
       verlangte sie in ihrem Schlussvortrag am Dienstagvormittag die Feststellung
       der besonderen Schwere der Schuld. Das würde eine vorzeitige Haftentlassung
       nach 15 Jahren so gut wie ausschließen.
       
       Auch wenn es für die Beurteilung der Tat durch das Gericht natürlich keine
       Rolle spielt, hat der Prozess gegen Farhad N. für die Beobachter eine neue
       Aktualität erfahren. Freilich dachte man sofort auch an das [2][Attentat
       auf den Berliner CSD vom Wochenende], als die Bundesanwaltschaft im
       Gerichtssaal der Justizvollzugsanstalt Stadelheim ihr Plädoyer hielt. Ein
       Auto rast in eine Menschenmenge, es gibt eine Tote, Dutzende Verletzte, der
       Hintergrund ist vermutlich ein islamistischer: Die Parallelen sind zu
       augenfällig.
       
       „Die Tathandlung war, man muss es so deutlich sagen, auf die Vernichtung
       von Menschenleben angelegt“, sagte zum Anschlag in München einer der beiden
       Vertreter der Bundesanwaltschaft. Es bestehe kein Zweifel daran, dass der
       Angeklagte das Auto bewusst in die Menschenmenge gesteuert habe.
       
       ## Mutter und zweijährige Tochter getötet
       
       Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann unter anderem zweifachen Mord und
       22-fachen Mordversuch vor. Dazu kommt – überwiegend gefährliche –
       Körperverletzung in 22 weiteren Fällen. Auch an dem Motiv haben die
       Ankläger keine Zweifel: islamistischer Terror. N. steht seit Januar wegen
       des Anschlags auf die Verdi-Kundgebung in der Münchner Innenstadt vor
       Gericht. Am 13. Februar 2025 hatte er sein Auto, einen Mini, von hinten
       ungebremst in den Demonstrationszug gesteuert.
       
       Zunächst überholte er die Polizeifahrzeuge, die den Demonstrierenden in
       Schrittgeschwindigkeit folgten, dann trat er aufs Gas und raste direkt in
       die Menschenmenge. Nachdem das Auto sein erstes Opfer erfasst hatte, fuhr
       N. noch 23 Meter weiter. Zum Stehen kam er nur, weil die Vorderräder in der
       Luft hingen – wegen der unter und vor dem Auto liegenden Menschen.
       
       Amel S., eine Bedienstete der Stadt München, und ihre Tochter Hafsa wurden
       bei dem Anschlag frontal von dem Auto erfasst, rund zehn Meter weit durch
       die Luft geschleudert und so stark verletzt, dass sie kurz darauf im
       Krankenhaus starben. Amel S. war 37 Jahre, ihre Tochter zwei Jahre alt. 44
       Menschen wurden verletzt – zum Teil schwer bis lebensgefährlich. Auf den
       Bildern vom Tatort, die später in den Nachrichten gezeigt wurden, sah man
       häufig die Überreste des Kinderwagens, in dem Amel S. ihre Tochter auf der
       Kundgebung vor sich schob.
       
       In der Wahrnehmung des Angeklagten habe die Attacke dem Willen Allahs
       entsprochen und sei eine gebotene Reaktion auf das Handeln der USA und
       anderer westlicher Staaten in Gaza und Afghanistan gewesen, so die Ankläger
       in ihrem fast zweistündigen Plädoyer. Auch persönliche Gefühlsregungen
       hätten eine Rolle gespielt: „Der Angeklagte hat Menschen zum Objekt seiner
       Wut, Enttäuschung und Verbitterung gemacht, obwohl diese am Entstehen
       seiner Stimmungslage keinerlei Anteil hatten.“
       
       ## Erst kurz vor Tat radikalisiert
       
       N. selbst hatte unmittelbar nach der Tat in einer Vernehmung durch die
       Polizei angegeben, er sei am Steuer eingeschlafen. N. habe die Polizeiautos
       bei der Demo gesehen „und gedacht, ich lebe nicht mehr in dieser Welt. So
       war es in meinem Kopf.“ Warum er in die Menge gefahren sei? Er wisse es
       nicht. „Mir ist schlecht geworden und ich wusste nicht, was ich tue. Es war
       ein Fehler, ich entschuldige mich bei allen Leuten.“
       
       N. war 2016 als minderjähriger Flüchtling nach Deutschland gekommen, galt
       lange als unauffällig. Er widmete einen großen Teil seiner Freizeit dem
       Bodybuilding, hatte einen Job als Sicherheitskraft und eine eigene Wohnung.
       Nach Ansicht der Bundesanwaltschaft [3][radikalisierte er sich erst kurz
       vor dem Anschlag.] Den entscheidenden Schub gaben wohl Hasspredigten
       afghanischer Geistlicher auf sogenannten sozialen Medien.
       
       Am Dienstagnachmittag sollten noch die Nebenklägervertreter zu Wort kommen.
       Am Mittwoch wird die Verteidigung ihr Plädoyer halten, der Angeklagte
       erhält die Gelegenheit zum letzten Wort. Das Urteil fällt voraussichtlich
       am 6. August.
       
       28 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
 (DIR) [1] /Auto-faehrt-in-Demonstration/!6069575
 (DIR) [2] /Anschlag-auf-den-Berliner-CSD/!6199275
 (DIR) [3] /Anschlag-auf-Verdi-Demo-in-Muenchen/!6146221
       
       ## AUTOREN
       
 (DIR) Dominik Baur
       
       ## TAGS
       
 (DIR) Mordprozess
 (DIR) Strafprozess
 (DIR) Prozess
 (DIR) Islamismus
 (DIR) Terrorismus
 (DIR) Attentat
 (DIR) München
 (DIR) Reden wir darüber
 (DIR) Islamismus
 (DIR) Islamismus
 (DIR) Anschlag
       
       ## ARTIKEL ZUM THEMA
       
 (DIR) Mutmaßlicher CSD-Attentäter: Radikalisierung mit Ansage
       
       Abdul B. ist in Berlin geboren und aufgewachsen – und wollte für den IS
       kämpfen. Was über den Radikalisierungsweg des CSD-Attentäters bekannt ist.
       
 (DIR) Anschlag auf Verdi-Demo in München: Angeklagter zeigt Tauhīd-Finger vor Gericht
       
       Nach dem Anschlag in München mit zwei Toten und vielen Verletzten wurde
       Farhad N. angeklagt. Vor Gericht schweigt er. 17 Nebenkläger sind
       zugelassen.
       
 (DIR) Anschlag in München: Was soll man da noch sagen?
       
       Ein 24-Jähriger lenkt in München sein Auto in eine Demo und verletzt 36
       Menschen schwer. Betroffene wehren sich gegen politische
       Instrumentalisierung.