# taz.de -- Ukraines Ex-Präsident entdeckt: Drei Hektar in Sotschi
       
       > Journalist*innen haben Ukraines vertriebenen Ex-Präsidenten Wiktor
       > Janukowitsch aufgespürt: Er lebt luxuriös im russischen Sotschi.
       
 (IMG) Bild: Scheint ihm damals gefallen zu haben: Wiktor Janukowytsch 2014 bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi
       
       Der Mann lässt nichts anbrennen: Lange hörte man nichts von Wiktor
       Janukowitsch. Bekannt war lediglich, dass sich der heute 76-Jährige in
       Russland, in Rostow-am-Don aufhält. Nun haben Journalist*innen des
       Projektes „Telebatschennja Toronto“ Neues zu vermelden: Der Ex-Präsident
       der Ukraine alias Oleg Leonow (der Nachname seiner Mutter) – lebt samt
       Familie im russischen Sotschi.
       
       Das Anwesen kann sich sehen lassen: Auf drei Hektar befinden sich mehrere
       Häuser, ein Garten, eine Kapelle und ein Teich. Auch seine Angehörigen sind
       finanziell nicht gerade unterversorgt. Janukowitschs Frau Ljubow besitzt in
       Russland Hunderte Hektar Land sowie mehrere Häuser und Wohnungen.
       
       Schwiegertochter Alena, Gattin von Janukowitschs jüngerem Sohn Alexander,
       nennt ein Haus im Wert von 18 Millionen US-Dollar in exklusiver Wohnanlage
       in der Region Moskau ihr Eigen. Für den Personenschutz der Familie sorgen
       angeblich Ex-Mitarbeiter des ukrainischen Staatssicherheitsdienstes, die im
       russischen föderalen Schutzdienst (FSO) dienen und in der Ukraine zur
       Fahndung ausgeschrieben sind.
       
       Luxus war Janukowitsch nicht in die Wiege gelegt. Aufgewachsen in einer
       Arbeiterfamilie im ostukrainischen Gebiet Donezk mauserte sich der
       vorbestrafte Mechaniker in den 80er und 90er Jahren zu einer Führungsfigur
       mehrerer Industriebetriebe in der Ostukraine.
       
       ## Lobbyieren für den „Donezker Clan“
       
       Ende der 90er ging er in die Politik. Das Vehikel dafür war die
       prorussische Partei der Regionen – perfekt, um für die Interessen des
       „Donezker Clans“ zu lobbyieren. 2002 wurde Janukowitsch Ministerpräsident.
       2004 griff er mit massiver Schützenhilfe von Russlands Präsidenten Wladimir
       Putin nach dem Präsidentenamt. Im Zuge von Massenprotesten (Orange
       Revolution) sowie einer Wiederholung der zweiten Wahlrunde musste er sich
       seinem Widersacher Wiktor Juschtschenko geschlagen geben.
       
       Ab 2006 war er wieder Regierungschef und schaffte 2010 den Sprung ins
       höchste Staatsamt. Aus seiner Nähe zu Russland machte Janukowitsch nie
       einen Hehl. Eine Verlängerung des Pachtvertrages für einen Stützpunkt der
       russischen Schwarzmeerflotte im Hafen von Sewastopol (Krim) bis 2042 geht
       ebenfalls auf sein Konto.
       
       Janukowitschs Weigerung, 2013 ein Assoziierungsabkommen mit der EU zu
       unterzeichnen, war der Auftakt für wochenlange Demonstrationen
       (Euro-Maidan), die ihn im Februar 2014 aus dem Amt fegten und zu seiner
       Flucht nach Russland führten. Zuvor, im Januar 2014, waren rund 100
       Protestierende von Einheiten der Sondereinheit Berkut erschossen worden.
       Janukowitsch hat stets bestritten, einen entsprechenden Befehl gegeben zu
       haben.
       
       Nach seinem Abgang konnten sich die Ukrainer*innen ein eigenes Bild vom
       Lebenswandel des grauen Apparatschiks machen. Sein Wohnsitz in Meschyhirja
       war mit Privatzoo, Tennisplätzen, Golfplatz und Schießanlage bis hin zu
       goldenen Toiletten ausgestattet. Letztere waren noch Jahre später als
       Plastikminiatur an Souvenirständen in Kyjiw ein Bestseller. 2019 und 2025
       wurde Janukowitsch in der Ukraine in Abwesenheit zu Haftstrafen verurteilt
       – insgesamt 28 Jahre.
       
       2022 hatte er die ukrainische Armee aufgefordert, die Waffen niederzulegen.
       [1][Präsident Wolodymyr Selenskyj] müsse ein Friedensabkommen mit Russland
       schließen. Gerüchte, Janukowitsch könnte irgendwann wieder eine politische
       Rolle in der Ukraine spielen, sind mittlerweile verstummt.
       
       29 Jul 2026
       
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