# taz.de -- Vorwahlen zu den US-Midterms: Kopf-an-Kopf-Rennen in Michigan
> Abdul El-Sayed, Kandidat des progressiven Flügels der US-amerikanischen
> Demokratischen Partei, scheint die Senatskandidatur für diese gewonnen zu
> haben.
(IMG) Bild: Ein Erfolg für den progressiven Flügel der Demokratischen Partei, Abdul El-Sayed bei seiner Siegesrede am 4. August
Die Stimmen in Michigan waren noch nicht ganz ausgezählt, es gab noch immer
eine hypothetische Chance, dass Hayley Stevens die Vorwahl um die
Senatskandidatur für die Demokratische Partei gewinnt. Doch als Abdul
El-Sayed um ein Uhr morgens vor die Kameras trat, hielt er eine kaum
verhohlene Siegesrede. „Ab morgen“. sagte er, „werden wir unsere Reihen
schließen und uns auf unseren wahren Gegner konzentrieren“ – den
republikanischen Kandidaten Mike Rogers. Den er „die schlimmste Sorte von
MAGA“ nannte und einen „Stiefellecker Trumps“, [1][mit Bezug auf den Slogan
„Make America Great Again“ (MAGA) des US-Präsidenten Donald Trump.]
Die Auszählungen um ein Uhr früh zeigten El-Sayed mit 2 Prozentpunkten
Führung vor seiner Gegnerin Hayley Stevens. Ein Ergebnis, das die meisten
Umfragen nicht derartig knapp vorhergesagt hatten – einige Umfragen hatten
einen Sieg für El-Sayed mit bis 19 Punkten projiziert. Die Wahl, die der
New-York-Times-Reporter Michael Kruse als die bislang wichtigste Vorwahl
der diesjährigen [2][Midterms] beschrieb, war ein Erfolg für den
progressiven Flügel der Demokratischen Partei, dem El-Sayed angehört. Aber
es war kein überwältigender Triumph.
Die Wahl wurde als so wichtig angesehen, weil sich im Mittleren Westen der
USA zeigen sollte, ob die progressive Politik einer neuen Generation
demokratischer Kandidaten nicht nur in den urbanen Zentren der Küsten,
sondern auch in der Mitte Amerikas eine Chance hat. El-Sayeds knapper Sieg
deutet darauf hin, ebenso wie der Sieg des demokratischen Sozialisten
Donovan Kinney in der Vorwahl um den Sitz im Abgeordnetenhaus sowie der des
Klimaaktivisten William Lawerence in einem anderen Bezirk. Doch es
ereignete sich kein Erdrutsch in der Mitte Amerikas. Die Wähler sind wohl
dennoch bereit, neuen Ideen eine Chance zu geben. Doch sie sind noch
vorsichtig. In Missouri etwa wurde die demokratische Sozialistin Cori Bush
bei ihrem Comeback-Versuch besiegt.
## Geld allein entscheidet keine Wahl
Die Wahl war auch ein Referendum über das Geld von Lobbygruppen in der
amerikanischen Politik. [3][Verschiedene Interessengruppen] hatten
insgesamt mehr als 70 Millionen Dollar ausgegeben, um El-Sayed zu besiegen.
Darunter war die Rekordsumme von 30 Millionen der [4][proisraelischen
Lobbyorganisation Aipac]. Insgesamt hatte Hayley Stevens ein Budget zur
Verfügung, das mehr als zehnmal so hoch war wie jenes von El-Sayed.
Dass das Geld allein keine Wahlen mehr entscheidet, bestätigte in Michigan,
was man bereits zuvor in New York und Pennsylvania gesehen hatte. „Man
gewinnt heute keine Wahlen mehr, indem man Spenden sammelt und einen Haufen
Fernsehwerbung kauft“, so El-Sayed. Wichtiger sei gerade im digitalen
Zeitalter eine Politik zum Anfassen. El-Sayed verfügte über ein enormes
Netzwerk an Freiwilligen, die von Tür zu Tür gingen. Er selbst trat bei
weit über 100 Veranstaltungen auf.
Die Taktik von Aipac in Michigan war dabei, trotz der enormen Ausgaben,
eher zurückhaltend. Obwohl die Gruppe das erklärte Ziel hat, eine breite
Pro-Israel-Koalition zu formen, war in den Radio- und TV Spots in Michigan
kaum von Israel die Rede. Stattdessen konzentrierte man sich auf das
zentrale Thema des Wahlkampfes – die Lebenshaltung für die Mittel- und die
Arbeiterschicht. Aipac schien anzunehmen, dass der Gazakrieg unter den
Wählern wohl keine mehrheitliche Unterstützung finden würde.
El-Sayed möchte in Washington gegen die Unterstützung von Israel, gegen den
Irankrieg, für universelle Krankenversicherung und kostenlose Bildung an
öffentlichen Schulen kämpfen. Bei all diesen Themen wird er mutmaßlich
Verbündete aus New York, Kalifornien und Pennsylvania finden. Und im
Verlauf der kommenden Wochen werden noch einige hinzukommen.
5 Aug 2026
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## AUTOREN
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