# taz.de -- Verkehrssicherheit auf Berliner Straßen: Weniger Tempo, mehr Klarheit
> Der Erfolg der Deutschen Umwelthilfe gegen Tempo 50 auf einer Hauptstraße
> zeigt den Richtungsstreit in der Berliner Verkehrspolitik noch einmal gut
> auf.
(IMG) Bild: Soll an der Steglitzer Albrechtstraße jetzt doch wieder gelten: Tempo 30
Und wieder war es die Deutsche Umwelthilfe (DUH), die dem Senat erfolgreich
ein Stöckchen in die Speichen geworfen hat: Am vergangenen Donnerstag
beschied das Verwaltungsgericht einen Eilantrag der DUH positiv, die gegen
die [1][Wiedereinführung von Tempo 50] auf einem Abschnitt der Steglitzer
Albrechtstraße geklagt hatte. Dort musste seit mehreren Jahren mit maximal
30 Stundenkilometern gefahren werden. Verkehrssenatorin Ute Bonde (CDU)
hatte diese Anordnung wie in gut 20 weiteren Fällen durch eine
Aktualisierung des Berliner Luftreinhalteplans gekippt – denn auf diesem
basierte die Temporeduzierung.
Ob das Stöckchen hält, wird sich zeigen. Das Hauptverfahren steht noch aus,
vor allem aber kann die Senatsverwaltung gegen die Eilentscheidung
Beschwerde vor dem Oberverwaltungsgericht einlegen. Im ersten Fall einer
erfolgreichen Tempo-30-Eilklage durch die DUH in diesem Kontext hat sie das
auch getan: Hier ging es im Februar um die ebenfalls in Steglitz gelegene
Saarstraße, auf die unter anderem der Verkehr von der A103 in Richtung
Rheinstraße abfließt.
Dort ging es um allgemeine Sicherheitsbedenken wegen Unübersichtlichkeit
und regelmäßig überhöhten Tempos, mit dem Fahrzeuge die Autobahn verlassen.
In der Albrechtstraße hingegen argumentierte die Umwelthilfe mit mehreren
Schulen und Kitas im Umfeld, die „hochfrequentierte Schulwege“ erzeugen.
[2][Die vor Kurzem novellierte Straßenverkehrsordnung ermöglicht in diesem
Fall klar die Anordnung von Tempo 30.]
Dabei argumentierte das Gericht gegen die von der Senatsverwaltung
vorgebrachte Begründung, man habe an der Albrechtstraße keine „Pulkbildung“
von SchülerInnen beobachten können. Das sei nicht das entscheidende
Kriterium. Für die DUH ist damit klar: Mit den beiden Entscheidungen steht
es „2:0 für die Verkehrssicherheit und gegen Autosenatorin Ute Bonde“. Und
mit einer Klage gegen den geplanten Rückbau der Pop-up-Radstreifen in der
Charlottenburger Kantstraße werde es zügig weitergehen.
Diesen Rückbau schreibt die Senatsverkehrsverwaltung gerade aus, die
Vergabe soll wohl noch vor den Abgeordnetenhauswahlen im September
abgeschlossen sein. Das Gezerre um die Radstreifen zieht sich schon über
Jahre hin. Bondes Pläne sehen nun vor, eine Busspur anzulegen, die für
RadfahrerInnen freigegeben ist. Dem Busverkehr tut das gut, dem Radverkehr
eher nicht – aber es schafft gleichzeitig wieder mehr Raum für
Autoparkplätze.
## Schnell noch Nägel mit Köpfen machen
Die AktivistInnen, die für die Anlage der Radstreifen gekämpft haben, sind
nachvollziehbarerweise aufgebracht. Er sei „ganz persönlich sauer“ über die
Entscheidung, sagte vor Kurzem Heinrich Strößenreuther, der 2020 nach dem
Unfalltod eines Radfahrers auf der Kantstraße wöchentliche Demos für einen
Radstreifen angestoßen hatte. Und Ragnhild Sørensen von Changing Cities
vermutet, dass Bonde vor ihrer drohenden Abwahl Nägel mit Köpfen machen
will: Wären die Verträge für den Umbau der Kantstraße bei einer
Senatsneubildung ohne die CDU schon unter Dach und Fach, ließen sie sich
nicht ohne Strafzahlungen wieder einkassieren.
Die Liste der Entscheidungen gegen mehr Verkehrssicherheit und für die
Rückkehr zu höherem Tempo auf Hauptstraßen – erklärtes Ziel der CDU – lässt
sich fortsetzen. Knapp zwei Monate vor dem Urnengang macht die Partei damit
klar: Wer gerne schnell vorankommt und gut mit Risiken für sich und andere
leben kann, wählt uns.
Sollte dieses Kalkül dann doch nicht aufgehen, ist zu hoffen, dass in
Sachen Verkehrssicherheit bald mehr Klarheit herrscht. Denn [3][genauso wie
Ute Bonde ohne Not den Luftreinhalteplan neu fasste], was zur Aufhebung von
Tempo-30-Abschnitten führte, spielt auch die Gegenseite viel zu oft über
Bande: So vermischt die Deutsche Umwelthilfe immer wieder explizit
Klimaschutzziele (ihr eigentliches Thema) mit solchen der
Verkehrssicherheit. Dass das zwei Paar Schuhe sind, ist offensichtlich –
auch wenn beide passen.
25 Jul 2026
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