# taz.de -- Wiese-Krukowska über Demokratiefestival: „Wer sich engagiert, tut das auch für sich selbst“
       
       > Annette Wiese-Krukowska organisiert ein Demokratiefestival in Kiel: Es
       > soll auch die erreichen, die der Demokratie nicht mehr über den Weg
       > trauen.
       
 (IMG) Bild: Ein guter Ort zum Feiern: Kieler Bootshafen
       
       taz: Wie feiert man demokratisch, Frau Wiese-Krukowska? 
       
       Annette Wiese-Krukowska: Am besten, indem man eine große Vielfalt auf die
       Beine stellt und möglichst viele Menschen von Klein bis Groß, von Kind bis
       Oma und Opa, zusammenbringt.
       
       taz: Sie gehören zu den Veranstalter:innen des ersten Kieler
       Demokratiefestivals. Was ist das und wer steht dahinter? 
       
       Wiese-Krukowska: Das Demokratiefestival ist ein buntes Fest am Kieler
       Bootshafen. Dazu laden wir als Partnerschaft für Demokratie in Kiel ein,
       das ist eine Mischung aus der Stadt Kiel und verschiedenen Gruppen der
       Stadtgesellschaft. Die Koordination liegt bei der Zentralen Bildungs- und
       Beratungsstelle für Migrant:innen, ZBBS.
       
       taz: In der Kieler Innenstadt sind im Rahmen des Bootshafensommers ohnehin
       im Juli und August zahlreiche Veranstaltungen geplant. Wie hebt sich das
       Demokratiefestival davon ab? 
       
       Wiese-Krukowska: Der Bootshafensommer ist ein musikalisches Ereignis, es
       stehen viele Bands auf der Bühne. Wir wollen mit Mitmachaktionen und
       Informationsangeboten eine neue Tradition begründen. Zeitlich passt es gut,
       finden wir, weil am nächsten Tag die Vereine migrantischer Gruppen am
       Bootshafen feiern.
       
       taz: Aber Musik, Essen und Trinken gibt es trotzdem? 
       
       Wiese-Krukowska: Das gesamte Angebot des Bootshafensommers steht offen, es
       gibt Buden mit Leckereien und Getränken. Wir starten auf der Bühne mit
       einem Mitmachkonzert des Duos Akkordarbeit, dann folgt den ganzen
       Nachmittag Programm. Daneben können Kleine und Große in den Pagodenzelten
       rundum an vielen Aktionen teilnehmen.
       
       taz: An wen richtet sich das Fest, muss man besonders demokratisch gesinnt
       sein? 
       
       Wiese-Krukowska: Wir würden uns freuen, wenn auch die kommen, die
       Demokratie nicht mehr über den Weg trauen. Denn so ein Fest ist eine tolle
       Gelegenheit, ins Gespräch zu kommen. Wir müssen uns immer wieder
       klarmachen, dass Demokratie kein Zustand ist, mit „denen da oben und denen
       da unten“. Sondern sie ist ein Prozess, an dem alle mitwirken, die es
       können und wollen. Wir hoffen, es wollen ein paar mehr.
       
       taz: Was können Sie den Zweifelnden an so einem Nachmittag bieten? 
       
       Wiese-Krukowska: Wir haben am Stand der Partnerschaft für Demokratie viele
       Infos, was in Kiel möglich ist: Wo kann ich mitreden, wie kann ich mich
       beteiligen? Die Stadt bietet einiges, aber viele haben Probleme, da
       durchzusteigen, da wollen wir gern helfen. Und wir haben das nettekieler
       Ehrenamtsbüro dabei, an deren Mitwirk-O-Mat die Besucher:innen passende
       Ehrenamts- und Engagementmöglichkeiten finden können.
       
       taz: Auch das noch – selbst machen. Warum ist es wichtig, sich zu
       engagieren? 
       
       Wiese-Krukowska: Alles, was dazu beiträgt, den sozialen Zusammenhang zu
       stabilisieren, ist ein Beitrag zur Demokratie. Und: Wer sich engagiert, tut
       das auch für sich selbst. Wir lernen im direkten Austausch, und das ist so
       viel wertvoller, als das, was man im Internet und [1][auf Social Media
       erlebt], wo oft ein Klima der Angst herrscht. Vorurteile verschwinden, wenn
       man sich persönlich trifft und miteinander etwas tut: „Arsch huh, Zäng
       ussenander“, [2][wie es im BAP-Lied heißt]. Trotzdem muss die Politik
       natürlich auch liefern und dafür sorgen, dass die Infrastruktur und das
       Soziale in Ordnung sind.
       
       taz: Gutes Stichwort: Das Kieler Festival wird aus dem [3][Bundesprogramm
       „Demokratie leben“] finanziert, das von sich reden macht, weil
       [4][Bundesministerin Karin Prien (CDU) viele Projekte nicht mehr fördern
       will]. Braucht es öffentliche Hilfen für solche Veranstaltungen? 
       
       Wiese-Krukowska: Unbedingt! Es nicht denkbar, so etwas privat zu
       finanzieren, denn das würde die bevorzugen, die es sich leisten können.
       Solche Veranstaltungen sind praktische Werbung für die Demokratie, und das
       muss dem demokratischen Staat ein bisschen was wert sein.
       
       taz: Es ist das erste Festival, könnten weitere folgen? 
       
       Wiese-Krukowska: Wir wollen daraus eine Tradition machen und es jährlich
       anbieten. Denn über Demokratie und die Möglichkeiten zum Engagement kann
       man gar nicht oft genug informieren.
       
       29 Jul 2026
       
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