# taz.de -- Zahlen des Statistischen Bundesamtes: Und wie die Deutschen ackern
> Merz beklagt immer wieder, dass die Menschen hierzulande zu wenig
> arbeiten. Neue Statistiken zu Arbeit und Familie zeigen etwas anderes.
(IMG) Bild: Wer arbeitet wie viel in Deutschland?
„Die Schweizer arbeiten 200 Stunden mehr als die Deutschen“, sagte
Bundeskanzler Merz am Sonntag im [1][ZDF-Sommerinterview]. Er unterstelle
niemandem persönliche Faulheit, aber die Produktivität in Deutschland sei
zu gering.
Laut [2][Schweizer Bundesamt für Statistik] arbeiten die
Vollzeitbeschäftigen in der Eidgenossenschaft 42,4 Stunden in der Woche.
Die Deutschen hingegen nur 38,4 Stunden. Demnach würde Merz’ Rechnung auf
das Jahr gesehen in etwa aufgehen. Schaut man sich die Zahlen des Deutschen
Statistischen Bundesamts zu den wöchentlichen Arbeitszeiten aller
Beschäftigten (Voll- und Teilzeit) an, schmilzt der Vorsprung der Schweizer
auf unter eine Stunde pro Woche ab.
Was Merz gefallen dürfte, ist, dass einige Deutsche besonders viel
arbeiten: [3][Das Statistische Bundesamt] veröffentlichte am Donnerstag
Zahlen für das Jahr 2025, wonach 7,1 Prozent der Vollzeitbeschäftigten 49
Stunden oder mehr pro Woche arbeiten. Vor allem Selbstständige sind von
diesen „überlangen Arbeitszeiten“ betroffen.
Während nur 1,4 Prozent der jüngeren Vollzeiterwerbstätigen bis 24 Jahre
mindestens 49 Stunden in der Woche arbeiten, sind es bei den 55- bis
64-Jährigen 9,6 Prozent. Grund dafür sei unter anderem, dass Führungskräfte
in der Regel ältere Männer seien, die aufgrund ihre Position länger
arbeiten würden. Obwohl rund die Hälfte aller Erwerbstätigen Frauen sind,
sind nur knapp ein Drittel in Führungspositionen vertreten.
## Teilzeit als Notlösung
Für 4,9 Prozent aller gut 13 Millionen Teilzeitbeschäftigten ist die
Teilzeitarbeit laut Statistischem Bundesamt eine Notlösung. Der Grund für
sie, in Teilzeit zu arbeiten, sei, dass sie keine Vollzeitstelle finden
würden.
Alleinerziehende Mütter [4][arbeiten häufiger in Vollzeit] als Mütter in
einer Partnerschaft. 38,6 Prozent der alleinerziehenden Mütter mit Kindern
unter 18 Jahren sind vollzeitbeschäftigt. Bei Müttern, die in einer Ehe
oder Lebensgemeinschaft leben, liegt der Anteil bei 30,7 Prozent.
Alleinerziehende Väter arbeiten hingegen seltener in Vollzeit als Väter in
einer Partnerschaft. Insgesamt sind die meisten Alleinerziehenden Frauen.
Sie könnten bald von Kürzungen betroffen sein: Wenn ein Elternteil den
Unterhalt für ein Kind nicht oder nur teilweise zahlt, kann der
alleinerziehende Elternteil den sogenannten Unterhaltsvorschuss bekommen.
Der Staat versucht das Geld dann von dem unterhaltspflichtigen Elternteil
wieder einzutreiben – in der Regel von den Vätern. Die Bundesregierung
plant diesen Vorschuss nur noch für Kinder unter 16 Jahren auszuzahlen.
Bisher liegt die Altersgrenze bei 18 Jahren.
Alleinerziehende und ihre Kinder seien besonders stark von Armut gefährdet,
gibt das Statistische Bundesamt bekannt. Ihr Einkommen liegt im Vergleich
zu Familien mit zwei Elternteilen mehr als doppelt so oft unter der
Armutsgefährdungsgrenze.
Misbah Khan sitzt als Familienpolitikerin für die Grünen im Bundestag. Sie
sagt der taz: „Alleinerziehende und ihre Kinder sind schon heute in hohem
Maße von Armut betroffen.“ Die geplante Kürzung des Unterhaltsvorschusses
drohe die Lage noch mal zu verschärfen. Steigende Lebenshaltungskosten und
„horrende Mieten“ belasteten Alleinerziehende deutlich. Wenn der andere
Elternteil keinen Unterhalt zahle, reiche das Geld trotz Berufstätigkeit
oft nicht aus.
23 Jul 2026
## LINKS
(DIR) [1] https://www.zdf.de/play/interviews/zdf-sommerinterviews-102/berlin-direkt---sommerinterview-vom-19-juli-2026-100
(DIR) [2] https://www.bfs.admin.ch/bfs/rm/home/statisticas/lavur-salari.assetdetail.36569198.html
(DIR) [3] https://www.destatis.de/DE/Themen/Arbeit/Arbeitsmarkt/Indikatoren-Qualitaet-Arbeit/Dimension-3/woechentliche-arbeitszeitl.html
(DIR) [4] https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2026/07/PD26_N051_12.html?nn=2110
## AUTOREN
(DIR) Pascal Maier
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