# taz.de -- Tennis auf Helgoland: Spiel, Satz – und wer siegt?
> Bei einem Tennisturnier unter Feriengästen sorgen zwei ungleiche
> Spieler:innen auf dem Platz für Aufregung. Eine Erklärung entspannt
> die Gemüter.
Ein Tennisplatz auf Helgoland: Im Schatten der Bäume sitzen ein paar
Menschen auf Bänken und Liegestühlen. Leicht dösig verfolgen sie bereits
den dritten Spieltag des saisonalen Turniers der Urlaubsgäste. Filterkaffee
und Butterkuchen hat der Tennisverein gesponsort, alle sollen sich
willkommen und wohlfühlen. Auch Bierchen und Sekt dürfen selbstverständlich
nicht fehlen. Gemeinsam schwitzt man sich in Richtung abendliches Barbecue.
Eine Familie von Tennisspielern aus Düsseldorf nimmt wie jedes Jahr am
Turnier teil. Gerade verfolgen Opa und Enkelsohn das Spiel der 10-jährigen
Schwester und Enkelin auf dem Platz. Vollkommen mühelos, Ballwechsel um
Ballwechsel, ist sie im Begriff, ihre erwachsene Gegnerin zu schlagen. Die
junge Spielerin flitzt eifrig auf ihrer Hälfte des Spielfeldes umher – die
Erwachsene zeigt keinerlei emotionale Regung, sie bewegt sich mit ruhigen
Bewegungen über den Platz.
„Ist die über Honig gelaufen, oder wie? Das ist ja quasi
Totalverweigerung!“, raunt der Großvater seinem, ihm wohl bisher
unbekannten Sitznachbarn zu. Es ist deutlich, er möchte ein Gespräch
anfangen, ein Bündnis schmieden. Großer Verwunderung, ja Ärger und
Entrüstung, über die lahme Gegenspielerin seiner Enkelin.
„Das hat ja null Pepp, das Ganze. Noch nie so ein langweiliges Spiel
gesehen!“ Sein Sitznachbar hört sich das Geschimpfe in Ruhe an und
erwidert: „Diese Spielerin ist Autistin. Sie ist zurzeit am Institut für
Meeresforschung auf der Insel stationiert. Sie liebt Tennis, aber sie hat
tatsächlich einen Stil, der sich von dem der meisten etwas unterscheidet.“
Überraschung und Erkenntnis erhellen das Gesicht des Großvaters. Das
Gespräch dreht sich plötzlich um andere Themen. Und zum Schluss des Spiels,
nach dem Handshake: „Danke, für die Erleuchtung, sowas erleb' ich in meinem
Alter nicht mehr oft.“
29 Jul 2026
## AUTOREN
(DIR) Lotta Bartoschewski
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