# taz.de -- CSD in Thüringen: Erfolg gegen rechtswidrige Auflagen
> In Sonneberg ist der bundesweit einzige AfD-Landrat im Amt. Seine Behörde
> belegte den CSD mit rechtswidrigen Auflagen – aber scheiterte damit vor
> Gericht.
(IMG) Bild: CSD in Sonneberg 2024
Das Verwaltungsgericht Meiningen hat sechs Demo-Auflagen des Landratsamts
Sonneberg kassiert, weil sie unter anderem in die Meinungs- und
Versammlungsfreiheit eingriffen. Der Beschluss liegt der taz vor. Die
Behörde des Thüringer Landkreises hatte etwa versucht, dem örtlichen
Christopher Street Day (CSD) am vergangenen Samstag Kundgebungsmittel zu
verbieten. Das Orga-Team der queeren Demo wehrte sich juristisch dagegen –
mit Erfolg.
Laut Polizei zogen dann etwa 380 CSD-Teilnehmer:innen durch Sonneberg.
Bunte Fahnen, Musik, Redebeiträge. „Genau so, wie wir uns das als gewünscht
haben“, sagt Niko N., die Person, die den CSD angemeldet hat, am Mittwoch
der taz. Ziel sei es gewesen, in der kleinen Stadt in Südthüringen einen
sicheren Ort zu schaffen, an dem queere Menschen sichtbar sind.
Sonneberg ist bundesweit dafür bekannt, dass dort [1][2023 ein
AfD-Politiker zum Landrat gewählt] wurde: Robert Sesselmann. Er ist der
erste und einzige Vertreter der queerfeindlichen Partei in so einem Amt.
2024, ein Jahr nach seiner Wahl, zog der erste CSD durch die Straßen von
Sonneberg, auch als Protest gegen den neuen Landrat.
Als Niko N. vor dem dritten Sonneberger CSD in diesem Jahr zum ersten Mal
die Auflagen las, habe N. gedacht: „Das ist schon krass, was da drin
steht.“ Eine der Auflagen hatte zum Beispiel festgelegt, dass Banner,
Fahnen und Flyer nach dem CSD sofort hätten verschwinden müssen. Sie seien
„nicht in der Öffentlichkeit zugelassen“. An anderer Stelle stand, die
Ordner:innen müssten für eine Identitätsfeststellung der
Teilnehmer:innen Sorge tragen.
## Rechtswidrige Auflagen „schon seit 20 Jahren“
Für Niko N. sei schnell klar gewesen, „dass wir juristische Expertise in
Versammlungsrecht benötigen“. Deshalb habe sich das Orga-Team vom CSD
Sonneberg an [2][„Gegenrechtsschutz“ gewandt, ein Projekt der Initiativen
„Frag den Staat“ und „Gesellschaft für Freiheitsrechte“]. Es unterstützt
Betroffene von autoritärem, missbräuchlichem Verwaltungshandeln.
Luise Bublitz, Verfahrenskoordinatorin bei Gegenrechtsschutz, erklärt:
„Wenn man sich den Auflagenbescheid anschaut, dann sind die meisten
Auflagen überzogen und haben vor allem keine konkrete Begründung.“
Im Eilverfahren zog das Orga-Team des CSD dann vor das Verwaltungsgericht
Meiningen. Das erklärte sechs Auflagen für rechtswidrig. Eine sei keine
wirkliche Auflage, sondern nur der klarstellende Hinweis, dass das
Versammlungsgesetz in Deutschland alle Waffen verbietet.
In der Auflage, Kundgebungsmittel vor und nach der Versammlung in der
Öffentlichkeit zu verbieten, sieht das Verwaltungsgericht eine „durch
nichts zu rechtfertigende Einschränkung der Meinungsfreiheit“. Die
„Identitätsfeststellung“ sei eine „klassische hoheitliche Maßnahme“, die
ausschließlich Polizeibehörden zustehe. Bei anderen Stellen bemängelt das
Gericht fehlende Rechtsgrundlagen oder Begründungen.
## Ähnliche Bescheide unbekannt
Doch warum hat das Landratsamt probiert, mit solchen Auflagen etwa die
Meinungsfreiheit beim CSD zu begrenzen? Auf Anfrage der taz heißt es aus
der Behörde, man habe nicht versucht, „die Meinungsfreiheit einzuschränken,
sondern die Versammlung und ihr Umfeld im Rahmen präventiven
Sicherheitsrechts zu schützen“. Beschwerde gegen den Gerichtsbeschluss
legte das Landratsamt trotzdem nicht ein. „Die Erfolgsaussichten wurden
negativ bewertet“, lautet die Erklärung.
Den Bescheid mit den rechtswidrigen Auflagen hat der AfD-Landrat Robert
Sesselmann unterzeichnet. Der gibt allerdings an, nichts damit zu tun zu
haben. Nicht jede Sache lande auf seinem Tisch, erklärt er in einem Video
auf Social Media. Außerdem seien die Auflagen in Sonneberg nichts Neues.
„Diese Bescheide erlassen wir schon seit 20 Jahren.“
Luise Bublitz vom Projekt Gegenrechtsschutz sagt, sie kenne keine ähnlichen
Bescheide. „Aber wenn es solche gibt, dann würde ich dazu ermutigen,
dagegen rechtlich vorzugehen.“ Gegenrechtsschutz würde dabei gern
unterstützen.
22 Jul 2026
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(DIR) [2] https://gegenrechtsschutz.de/
## AUTOREN
(DIR) David Muschenich
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