# taz.de -- Gedenken in Österreich: Früher Hitler, jetzt die Polizei
       
       > Das Geburtshaus Hitlers im österreichischen Braunau war jahrelang
       > Anziehungspunkt – für Touristen, aber auch für Neonazis. Die neue Nutzung
       > soll das verhindern.
       
 (IMG) Bild: Umfunktioniert zu einer Polizeistation: das Geburtshaus von Adolf Hitler in Braunau, Österreich
       
       dpa/afp | Im Geburtshaus von Adolf Hitler im österreichischen Braunau am
       Inn wird am Mittwoch ein neues Polizeizentrum eröffnet. Der österreichische
       Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) wird bei dem offiziellen Termin dabei
       sein.
       
       Mit der neuen Nutzung will die Republik Österreich verhindern, dass das
       Gebäude an der Grenze zu Bayern weiter als Anziehungspunkt für Neonazis
       dient. Der Umbau dauerte mehrere Jahre und kostete rund 20 Millionen Euro.
       Die wichtigsten Fragen dazu:
       
       ## Was hat es mit dem Haus auf sich?
       
       In dem Gebäude wurde Hitler am 20. April 1889 geboren. Seine Familie zog
       allerdings schon nach wenigen Monaten in ein anderes Quartier in Braunau,
       bevor sie – ebenfalls vorübergehend – in [1][Passau] heimisch wurde. Das
       Areal samt Nebengebäude und Innenhof umfasst rund 3.000 Quadratmeter. Es
       war lange in Privatbesitz. Jetzt werden Beamte des Bezirkspolizeikommandos
       und der Polizeiinspektion hier Dienst tun.
       
       ## Wieso wurde umgebaut?
       
       Bis 2011 war unter anderem eine Behindertenwerkstätte dort untergebracht.
       Einem nötigen Umbau wegen neuer Anforderungen stimmte die Besitzerin nicht
       zu. Nach einem Rechtsstreit wurde das Areal 2017 enteignet. Eine
       Experten-Kommission sprach sich gegen einen Abriss und gegen ein Museum
       aus, sondern für eine Umgestaltung ohne hohen Wiedererkennungswert. Das
       Haus soll damit unattraktiv für die rechtsextreme Szene sein. Aus Furcht
       vor NS-Devotionalen-Sammlern wurde die Baustelle überwacht, der Bauschutt
       vor Ort geschreddert und mit anderem Material vermischt.
       
       ## Wie groß war die Anziehungskraft für Neonazis?
       
       Der Geburtsort des späteren Diktators lockte einzelne Gruppen [2][aus dem
       rechtsextremen Umfeld] an. Ein Vorfall wurde zum Beispiel am 20. April 2024
       verzeichnet, als zwei deutsche Pärchen in den Fensternischen Blumen
       abgelegt und für Fotos posiert haben sollen. Eine Frau soll den Hitlergruß
       gezeigt haben. 2021 soll ein damals 57-Jähriger aus Berlin vor dem
       Geburtshaus einen Kranz abgelegt haben. Das Problem aus Sicht des Staates
       sind weniger die offenkundigen Vorfälle, sondern die unerkannten Neonazis,
       die zu diesem Ort pilgerten.
       
       ## Was ist jetzt anders?
       
       Abgesehen davon, dass das Gebäude jetzt ganz anders aussieht als zu Hitlers
       Lebzeiten, ist die Nutzung als Polizeiwache aus Sicht des Staates
       vorteilhaft. Das Gebäude ist [3][videoüberwacht]. Die Polizei könnte sofort
       zur Stelle sein, um verdächtig wirkende Neugierige zu überprüfen. Nebenbei:
       Auch Hitlers Neun-Zimmer-Wohnung am Prinzregentenplatz in München gehört zu
       einer Polizeiinspektion – und zwar seit vielen Jahrzehnten.
       
       ## Gab oder gibt es Kritik?
       
       Einige Experten hatten sich an diesem Ort [4][eine offensive
       Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit und ihren Verbrechen]
       gewünscht. Auch jetzt noch besteht der Wunsch, dass zumindest eine
       mehrsprachige Info-Tafel nahe dem Gebäude für Aufklärung sorgt. Zurzeit
       erinnert allein ein 1989 aufgestellter Gedenkstein vor dem Haus – aus dem
       Steinbruch des Konzentrationslagers Mauthausen – an den Terror der
       Nazi-Jahre: „Für Frieden Freiheit und Demokratie – Nie wieder
       [5][Faschismus] – Millionen Tote mahnen“.
       
       ## Welche Verbrechen gehen auf das Konto Hitlers und der Nazis?
       
       Hitler hat den Zweiten Weltkrieg entfesselt, in dem mindestens 60 Millionen
       Menschen starben. [6][Die meisten Opfer hatte die damalige Sowjetunion zu
       beklagen]. In ihrem Rassenwahn töteten die Nazis im Holocaust rund sechs
       Millionen [7][Jüdinnen und Juden] sowie Menschen aus anderen Gruppen und
       Minderheiten. In den Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozessen wurden einige
       Top-Nazis zum Tod verurteilt. Hitler hatte sich im Führerbunker im April
       1945 kurz vor Kriegsende das Leben genommen.
       
       22 Jul 2026
       
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