# taz.de -- Tod bei Verhaftung in Bologna: Familie distanziert sich von Protest
       
       > Nach dem Tod eines 42-jährigen Marokkaners bei einer Verhaftung kommt es
       > in Bologna zu Straßenschlachten. Die extreme Rechte versucht das zu
       > nutzen.
       
 (IMG) Bild: Auf Distanz: Protestierende treffen am Montag Abend in Bologna auf die Polizei
       
       Der Tod des Marokkaners Abderrahim Fakir erschüttert Italien. Am
       Sonntagvormittag waren zwei Polizeibeamte nach Pilastro ausgerückt, einem
       Außenviertel von Bologna, um den 42-Jährigen festzunehmen, doch am Ende der
       Festnahme lag der gefesselte Mann leblos auf dem Asphalt.
       
       Anwohner hatten die Polizei gerufen, weil Fakir im Innenhof eines
       Wohnkomplexes randalierte, weil er immer wieder gegen die Garagentore
       schlug und dabei „Hilfe! Hilfe! Sie wollen mich umbringen!“ rief. Erkennbar
       war er in einem psychischen Ausnahmezustand. Die Polizei setzte nach
       Zeugenaussagen zunächst Pfefferspray ein, brachte den Mann dann zu Boden.
       
       Was dann geschieht, ist in einem fünfminütigen Video dokumentiert, das ein
       Anwohner aus einem oberen Stockwerk filmte. Fakir ist in Bauchlage, die
       beiden Polizisten setzen sich auf ihn drauf, einer auf den Oberkörper, der
       andere aufs Gesäß, um seinen Widerstand zu brechen und ihn zu fesseln.
       Fakir schreit immer wieder „aiuto, aiuto!“, „Hilfe, Hilfe!“, er stöhnt laut
       und gibt unartikulierte Laute von sich. Doch schließlich verstummt er, und
       die Beamten machen weiter, fesseln auch seine Fußgelenke mit einem
       Plastikbinder. Derweil stehen diverse Sanitäter daneben und schauen zu.
       
       Als sie dann schließlich Fakir in Rückenlage drehen, ist der Mann schon
       tot. Ärzte werden herbeigerufen, ihre Wiederbelebungsversuche bleiben
       erfolglos. „Sie haben ihn umgebracht!“, klagen die Schwester und der Bruder
       des Toten an, beide aus dem Nachbarort herbeigeeilt, in dem sie und Fakir
       wohnten.
       
       ## Aufenthaltserlaubnis sollte verlängert werden
       
       Der Marokkaner lebte seit seinem siebten Lebensjahr in Italien, er betrieb
       eine kleine Umzugsfirma. Nach Angaben seiner Anwältin lief gerade das
       Verfahren zur Verlängerung seiner Aufenthaltserlaubnis. Obwohl es kurz vor
       dem positiven Abschluss stand, war Fakir – so die Anwältin – angesichts des
       gesellschaftlichen Klimas in Italien, angesichts der von rechts immer
       lauter werdenden Rufe nach „Remigration“ tief besorgt, tief besorgt auch
       von den [1][Bildern der ICE-Einsätze aus den USA].
       
       Noch am Sonntagabend versammelten sich einige hundert Bewohner*innen
       des Stadtviertels Pilastro zur gemeinsamen Trauer. Für den Montagabend dann
       rief Bolognas Bürgermeister Matteo Lepore zu einer Trauerkundgebung im
       Zentrum Bolognas auf. Tausende Menschen folgten seinem Aufruf, hörten die
       Worte der Nichte des Toten, die erklärte, „wir sind nicht hier, um zu Hass
       oder Rache aufzufordern“, die aber „Wahrheit, Gerechtigkeit, Respekt,
       Menschlichkeit“ verlangte.
       
       Während das Gros der Menschen friedlich protestierte, zog ein kleiner Teil
       der Demonstrant*innen – Aktivist*innen der Autonomen Zentren und
       linksradikaler Gruppen von der Uni – in Richtung Präfektur und begann,
       Flaschen und Knallkörper in die Reihen der Polizei zu werfen. [2][Daraus
       entwickelte sich eine mehrere Stunden andauernde Straßenschlacht, in deren
       Verlauf auch ein Dienstwagen der Stadt Bologna abgefackelt wurde.]
       
       Italiens Rechte nahm die Ausschreitungen sofort zum Anlass, um mit dem
       Finger auf die Linke und auf Bürgermeister Lepore zu zeigen. Matteo
       Salvini, Chef der Lega und stellvertretender Ministerpräsident, attackierte
       „die unverantwortliche und antiitalienische Linke, die den Hass gegen
       diejenigen nährt, die eine Uniform tragen und uns verteidigen“.
       
       Auf der anderen Seite geht der nach dem Tod Fakirs von seiner Familie
       bestellte Rechtsanwalt Fabio Anselmo auf scharfe Distanz zu den militanten
       Protestierern. „Die, die sich in Bologna kriminell benehmen, sind Freunde
       derer, die versuchen, Wahrheit und Gerechtigkeit für Fakir zu negieren“,
       erklärte er und fügte hinzu, die Ausschreitungen seien auch „ein Angriff
       auf die Familie von Fakir, die mehrfach Ruhe und Respekt gefordert hat“.
       
       21 Jul 2026
       
       ## LINKS
       
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       ## AUTOREN
       
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