# taz.de -- Ungarn sucht Staatsoberhaupt: Polgar will nicht Präsidentin werden
> Die Schachspielerin will nicht als Staatsoberhaupt kandidieren.
> Regierungschef Magyar, der Polgar offenbar ungefragt vorschlug, sieht
> dabei nicht gut aus.
(IMG) Bild: Judit Polgár 2013 mit ihrem Schachbuch in einer Schule
dpa | Die ungarische Ausnahme-Schachspielerin Judit Polgár hat [1][die ihr
angebotene Nominierung für das Amt der Staatspräsidentin] abgelehnt. Sie
bringe der Geste von Ministerpräsident Péter Magyar, sie als unabhängige
und parteilose Kandidatin vorzuschlagen, hohe Wertschätzung entgegen,
schrieb sie auf ihrer Facebook-Seite. „Zugleich spüre ich nicht genügend
Kraft in mir, um die historische Verantwortung zu übernehmen, um eine
gespaltene Nation zu einigen“, fügte sie hinzu.
Magyar hatte die 49-jährige Polgár am Sonntag für das höchste Staatsamt
vorgeschlagen. Ihre Erfolge habe sie „nicht politischer Bindungen oder
Beziehungen, sondern ihrem Ausnahme-Talent verdankt“, hatte er auf seiner
Facebook-Seite geschrieben.
Die Position des Staatsoberhaupts ist in Ungarn seit Montag vakant. An dem
Tag wurde eine Verfassungsänderung wirksam, die den bisherigen Amtsinhaber
Tamás Sulyok absetzte. Dieser war noch von Magyars Vorgänger, dem
Rechtspopulisten Viktor Orbán, eingesetzt worden. Nach dem überwältigenden
Sieg von Magyars bürgerlicher Tisza-Partei bei der Parlamentswahl am 12.
April war Sulyok für die neue Regierung untragbar geworden.
## Neue Interims-Präsidentin
Die Amtsgeschäfte des Staatspräsidenten übernahm am Montag interimistisch
die bisherige Parlamentspräsidentin Agnes Forsthoffer aus der Tisza-Partei.
Das Parlament muss nun innerhalb von 30 Tagen eine Nachfolgerin oder einen
Nachfolger für Sulyok wählen.
Polgár gilt als [2][weltbeste Schachspielerin aller Zeiten]. Sie trat
hauptsächlich bei Männer-Turnieren an und [3][schlug Großmeister wie Garri
Kasparow oder Anatoli Karpow]. Im Juli 2005 belegte sie Platz 8 der
Schach-Weltrangliste – und ist damit bis heute die einzige Frau, die es
unter die ersten zehn der Top-Schachspieler brachte. 2014 [4][beendete sie
ihre Laufbahn] im Spitzenschach. Seitdem widmet sie sich ihrer Stiftung,
die Kinder und Jugendliche bei der Entwicklung von logischen und
Problemlösungsfähigkeiten fördert.
Ihre Nominierung für das Präsidentinnenamt hatte Magyar offenbar nicht mit
ihr abgesprochen. Er hatte lediglich seiner Hoffnung Ausdruck gegeben, dass
Polgár das Angebot annehmen würde. Sein Vorgehen stieß auf ungewöhnlich
starke Kritik aus den Reihen seiner Anhänger. Während die Tisza-Fraktion im
Parlament noch erklärte, „einmütig“ die Kandidatur Polgárs unterstützen zu
wollen, bemängelten zahlreiche Anhänger und einige Experten das Ausbleiben
einer breiteren gesellschaftlichen Debatte über die künftige personelle
Besetzung des höchsten Staatsamtes.
21 Jul 2026
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