# taz.de -- LNG-Boom in Mosambik: Das Gas ist da. Der Wohlstand nicht
       
       > Mosambik setzt auf Milliardeninvestitionen in Erdgas. Doch die
       > versprochenen Jobs und Entwicklungschancen für viele Menschen bleiben
       > aus.
       
 (IMG) Bild: An der Küste der Provinz Cabo Delgado, Mosambik, vor der große Erdgasvorkommen lagern
       
       Rund 3,5 Billionen Kubikmeter förderbares [1][Erdgas] sollen im
       Rovuma-Becken vor der Küste der Provinz Cabo Delgado im äußersten Norden
       Mosambiks lagern. Die Entdeckung der riesigen Vorkommen ab 2010 galt vielen
       als Chance, die Wirtschaft des Landes neu aufzustellen und die
       Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern. Doch für junge Menschen
       wie den 28-jährigen Abdul Amadeu ist die Hoffnung, dass das Gas der Provinz
       Cabo Delgado neue Chancen bringen würde, bislang nicht mehr als eine ferne
       Hoffnung geblieben.
       
       Amadeu stammt aus der Stadt Palma im äußersten Norden von Cabo Delgado, nur
       wenige Kilometer von den LNG-Anlagen entfernt. Um einen Job zu finden,
       musste er trotzdem mehr als 2.000 Kilometer bis in die Hauptstadt Maputo
       ziehen.
       
       „Ich verdiene hier nicht viel, aber es ist viel besser als zu Hause“, sagt
       Abdul Amadeu. Doch auch in Maputo fand er lediglich Arbeit auf einem Markt
       am Stadtrand der Hauptstadt. „Wenigstens sitze ich hier nicht einfach herum
       und tue gar nichts“, sagt Amadeu.
       
       Sein monatliches Einkommen in Maputo von rund 200 US-Dollar reicht immerhin
       dafür, etwas Geld an seine Familie in Palma zu schicken. Sein größter
       Wunsch ist es, eines Tages das Haus zu renovieren, in dem seine Mutter im
       Norden des Landes lebt.
       
       ## Gasprojekte bringen den Menschen wenig
       
       Doch angesichts der großen Bau- und Entwicklungsprojekte, die er vor fast
       einem Jahrzehnt in Palma beobachtete, habe er nicht damit gerechnet, so
       viele Jahre später noch immer in so bescheidenen wirtschaftlichen
       Verhältnissen zu stecken.
       
       Geschichten wie die von Abdul gibt es in Mosambik häufig. Viele junge
       Menschen verlassen die Regionen rund um die Megaprojekte auf der Suche nach
       besseren Chancen in der Hauptstadt oder sogar in den Nachbarländern. Einen
       unmittelbaren Nutzen aus den Gasprojekten sehen sie für sich nicht.
       
       In den Gemeinden des Distrikts Palma und anderen Teilen von Cabo Delgado
       prallt das Versprechen von Entwicklung durch die Gasprojekte auf die
       Lebensrealität vieler Einwohner:innen.
       
       Die ohnehin extreme Armut scheint sich weiter verschärft zu haben.
       Zahlreiche Familien verloren ihre landwirtschaftlichen Flächen, weil Platz
       für Baustellen und andere Infrastruktur im Zusammenhang mit den Projekten
       geschaffen wurde. Die Zuteilung neuer Flächen sorgt für Unmut, weil die
       Gemeinden nun weite Wege zurücklegen müssen, um ihre Felder zu erreichen.
       
       ## Neue Jobs? Ein leeres Versprechen
       
       Noch düsterer wurde die Lage durch die Terroranschläge, von denen die
       Provinz Cabo Delgado geplagt ist. Sie führten zu massenhaften
       Vertreibungen, zerstörten Häuser und schränkten die wirtschaftlichen
       Aktivitäten erheblich ein.
       
       Insgesamt werden die Investitionen in Mosambiks Erdgasprojekte auf mehr als
       50 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Die Einnahmen aus Flüssigerdgas (LNG)
       seit Beginn des kommerziellen Betriebs der schwimmenden Anlage Coral Sul
       FLNG im November 2022 und Dezember 2025 beziffert die mosambikanische
       Regierung auf insgesamt 252,8 Millionen US-Dollar.
       
       Auch bei der Schaffung von Arbeitsplätzen waren die Erwartungen groß.
       [2][TotalEnergies], das das als Area 1 bekannte LNG-Projekt betreibt,
       kündigte 2023 an, in den folgenden zwei Jahren mindestens 10.000 direkte
       Arbeitsplätze zu schaffen, vor allem für die Bevölkerung des Distrikts
       Palma.
       
       Für junge Menschen mit niedrigem Bildungsniveau wie Abdul Amadeu sind das
       nur leere Versprechen, die sich im Alltag ihrer Gemeinden nicht
       widerspiegeln.
       
       ## Hoher Schuldenstand Mosambiks
       
       „Mosambik ist kein Land, dem es an Ressourcen mangelt“, sagt Clésio Foia,
       Chefökonom der Wirtschaftsstiftung Fundec. Doch der Reichtum aus den
       natürlichen Ressourcen „hat sich bislang nicht in wirtschaftliche
       Entwicklung für die Mehrheit der Bevölkerung übersetzt“. Bestimmte
       gesellschaftliche Gruppen würden weiter ausgegrenzt, es fehle an
       politischen Maßnahmen, um die Interessen aller Teile der Bevölkerung zu
       berücksichtigen.
       
       Der Forscher Justino Nhare sieht die strukturelle Armut und die
       Marginalisierung bestimmter gesellschaftlicher Gruppen in Mosambik eng mit
       der Abhängigkeit des Landes vom Ausland verbunden. „Fast 22 Prozent unseres
       Haushalts hängen von ausländischer Hilfe ab“, sagt der Forscher. Solange
       das Land auf externe Mittel angewiesen sei, um Bereiche zu finanzieren, die
       eigentlich zu den Säulen nationaler Souveränität gehören sollten, sei es
       schwierig, die eigene Souveränität und die Interessen der lokalen Gemeinden
       zu verteidigen. Nhare verweist zudem auf das Ausmaß, in dem Mosambik
       ausländischen Gläubigern ausgesetzt ist.
       
       Verschuldung müsse dem Land einen „tatsächlichen Ertrag bringen“, sagt
       Nhare. Die finanzielle Abhängigkeit Mosambiks aber schlage sich in
       politischer Abhängigkeit nieder und schränke den Handlungsspielraum des
       Landes bei wichtigen Entscheidungen in sensiblen Bereichen wie Gesundheit,
       Bildung und Infrastruktur ein.
       
       ## Höhere Gewinne durch Erdgas erst ab 2033
       
       Eine Studie des Centre for Public Integrity (CIP) untersuchte die
       unmittelbaren finanziellen Auswirkungen der mosambikanischen
       Erdgasprojekte. Im Mittelpunkt steht dabei auch die Tatsache, dass der
       Staat Kredite von rund 1,4 Milliarden Dollar aufnehmen musste, um seine
       Beteiligung am Konsortium des Gasprojekts Area 4 zu sichern. Nur so konnte
       die staatseigene Empresa Nacional de Hidrocarbonetos (ENH) in Area 4
       einsteigen.
       
       Den Berechnungen des CIP zufolge wird die staatliche Beteiligung an Coral
       Sul dem Staat erst ab 2033 nennenswerte Nettoerträge bringen. Bis dahin
       werden die Dividenden der ENH vollständig zur Bedienung der Schulden
       verwendet.
       
       „Ich hoffe einfach, dass sich die Dinge eines Tages ändern“, sagt Abdul
       Amadeu. Inzwischen versucht er seine Träume fernab der Gas-Megaprojekte zu
       verwirklichen. „Sie sagen, wir seien ein Land mit vielen Ressourcen. Aber
       in der Praxis sieht man davon nichts. Wenn wir wenigstens Arbeitsplätze
       hätten, könnten wir den Rest selbst in die Hand nehmen“, sagt er.
       
       19 Sep 2026
       
       ## LINKS
       
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