# taz.de -- Finanzierung von Öl und Gas: Fossile Investitionen bis ins nächste Jahrhundert
       
       > Vermögensverwalter und Staatsfonds investieren weltweit 6,5 Billionen
       > Dollar in Kohle, Gas und Öl. In Europa führt Norwegens Staatsfonds das
       > Ranking an.
       
       Hitzewellen, Hurrikans, Hochwasser – während die Klimakrise die Welt
       zunehmend unbewohnbarer macht, versuchen Investoren weiter, Profite mit
       Pipelines, LNG-Terminals oder Kohle- und Gaskraftwerken zu erzielen. Laut
       einer [1][Studie] von Urgewald und 28 weiteren Umweltschutzorganisationen
       weltweit haben 8.400 Vermögensverwalter, Pensionsfonds, Staatsfonds,
       Versicherungsgesellschaften, Stiftungen und Hedgefonds aktuell 6,5
       Billionen US-Dollar in [2][fossile Unternehmen] investiert.
       
       Während Europa erneut bereits im Juni unter einem Hitzedom leidet, „halten
       [3][institutionelle Investoren] weltweit Anteile an fossilen Unternehmen
       mit einem Marktwert, der dem jährlichen BIP von Frankreich und
       Großbritannien entspricht“, sagte Urgewald-Geschäftsführerin Heffa
       Schücking. „Unternehmen, die ihre fossilen Aktivitäten ausweiten, während
       der Planet brennt, sind die schlechteste Investition, die man sich
       vorstellen kann“, betonte sie.
       
       21 institutionelle Investoren halten 50 Prozent des Volumens der weltweit
       analysierten Aktien und Anleihen fossiler Unternehmen. Die meisten kommen
       aus den USA. Weltweite Nummer 1 in fossilen Anlagen ist der
       US-Vermögensverwalter Vanguard (659,5 Milliarden US-Dollar), gefolgt vom
       Konkurrenzunternehmen [4][Blackrock] (553,3 Milliarden Dollar) sowie dem
       saudischen Public Investment Fund (283,7 Milliarden Dollar). Mit dem
       Staatsfonds legt das Ölland seine Einnahmen an.
       
       Auch Europa mischt kräftig mit im Geschäft mit fossilen Anlagen. Die
       institutionellen Anleger des Kontinents halten 13 Prozent der ermittelten
       weltweiten fossilen Aktien und Anleihen. Größter Investor ist dabei
       [5][Norwegens Government Pension Fund Global] (GPFG). Der größte
       Staatsfonds der Welt, mit dem die Skandinavier ihre fossilen Profite
       investieren, erreicht weltweit Platz 9 mit 91,3 Milliarden Dollar Anlagen
       in Öl, Kohle und Gas. „Was den Klimawandel angeht, ist der GPFG Europas
       unverantwortlichster Investor“, sagte Dina Rui vom Nordic Center for
       Sustainable Finance.
       
       ## Siemens bei deutschen Vermögensverwaltern beliebt
       
       Auf den nächsten Plätzen im Europa-Ranking folgen zwei Banken: die
       Schweizer UBS (71,7 Milliarden Dollar) und Crédit Agricole mit dem
       Vermögensverwalter Amundi aus Frankreich (56,3 Milliarden Dollar). Die
       größten hiesigen fossilen Investoren sind die Deutsche Bank mit ihrer
       Vermögensverwaltungstochter DWS (43,8 Milliarden Dollar) gefolgt von
       Allianz (Allianz SE sowie die Tochtergesellschaften AGI und Pimco) mit 34,8
       Milliarden Dollar, die genossenschaftliche DZ Bank mit ihrer Tochter Union
       Investment (13,6 Milliarden Dollar) und die Deka Group (10,2 Milliarden
       Dollar).
       
       Bei allen vier Vermögensverwaltern sind Investitionen in Siemens und
       Siemens Energy besonders beliebt. Sowohl bei DWS als auch bei Deka ist die
       Siemens AG das größte fossile Investment mit jeweils 3,5 und 1,6 Milliarden
       Dollar.
       
       Die finanzierten Unternehmen wollen zum Teil auch noch im 22. Jahrhundert
       mit ihren klimaschädlichen Investitionen arbeiten: Die Studie identifiziert
       Investitionen in Höhe von 64 Milliarden US-Dollar in Anleihen fossiler
       Firmen, die erst nach dem Jahr 2050 fällig werden, also dann erst von ihren
       Emittenten zurückgezahlt werden müssen.
       
       Mehr als 240 Investoren halten fossile Anleihen mit Laufzeiten bis 2080 und
       darüber hinaus. Die fossile Anleihe mit der längsten Laufzeit wird von
       Brasiliens staatlichem Ölkonzern Petrobras emittiert – sie läuft bis ins
       Jahr 2115.
       
       23 Jun 2026
       
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